Komma rüber: Schachteln bauen oder verständlich schreiben

Kurz und prägnant sollten Journalisten ihre Texte schreiben. Verschachtelte Sätze schrecken die Lesenden ab. Oft verstehen sie die Aussage dann nicht mehr so leicht.

Eigentlich sollte das jeder Journalist wissen. Dennoch stößt man im Alltag immer wieder auf abschreckende Gegenbeispiele.

Wenn in einem Bericht, der in einer Tageszeitung abgedruckt wurde, die für sich Professionalität und journalistische Kompetenz in Anspruch nimmt, Sätze so verschachtelt sind, dass selbst der Autor, der sie geschrieben hat, am Ende nicht mehr zu wissen scheint, wie er den Satz begonnen hat und wie er ihn nun abschließen müsste, dann ist das kein Ausdruck intellektueller Überlegenheit, sondern in höchstem Maße unprofessionell. Mehrfach verschachtelte Sätze spiegeln die Denkfaulheit ihres Urhebers wider. Offenbar hat er sich keine Gedanken darüber gemacht, wie er seine Aussage lesefreundlich formulieren kann.

Mehr als zwei Kommata in einem Satz sollten in der Regel nur bei Aufzählungen vorkommen. Höchstens jeder dritte Satz sollte im Durchschnitt überhaupt einen Nebensatz enthalten.

Das ist durchaus umsetzbar. Notfalls muss man seinen fertigen Text daraufhin durchredigieren. In der Regel kann man einen Satz mit Relativsatz nämlich leicht in zwei Sätze aufteilen.

Mitunter erfordert das etwas mehr Zeit. Mitunter macht das etwas mehr Mühe. Wer diesen Aufwand aber scheut, der schiebt ihn damit an die Lesenden ab.

Verständliche Texte sind das journalistische Kerngeschäft. Seine Umsetzung entscheidet mit über den Zuspruch zu der jeweiligen Publikation. Schachtelbastler sind darum auch keine guten Journalisten.

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4 Kommentare zu “Komma rüber: Schachteln bauen oder verständlich schreiben

  1. Hmmm, ja, das sollte ich eigentlich auch besser mal allmählich zu beachten lernen. Ist für mich aber nicht so einfach, weil verschachtelte Sätze in meiner Muttersprache (Niederländisch) – zumindest in Flandern – sehr viel mehr akzeptiert sind und eher als Herausforderung an die Intelligenz des Lesers betrachtet werden. Wie sich die Völker doch unterscheiden, auch wenn sie gerade mal ein paar Hundert Km auseinander wohnen. Wenn ich ehrlich bin, muss ich auch zugeben, dass ich den deutschen Leser (und den Nicht-Leser erst recht) für denkfaul halte. 🙂

  2. Auch in Deutschland glauben viele, verschachtelte Texte zeugten von der Intelligenz ihres Autors. Doch ist diese Haltung zutiefst undemokratisch. Sie grenzt alle Leser aus, die den verschrobenen Hirnwindungen der eitlen Selbstbespiegler nicht folgen können.

  3. Da stimme ich dir voll und ganz zu. Viele Autoren möchten sich mit verschachtelten Sätzen und komplizierten Fachwörtern profilieren und besser darstellen. Doch in erster Linie schreiben wir ja für den Leser und nicht für uns selbst. Da habe ich ein schönes Zitat von Joseph Pulitzer entdeckt:
    „“Was immer Du schreibst – schreibe kurz, und sie werden es lesen, schreibe klar, und sie werden es verstehen, schreibe bildhaft, und sie werden es im Gedächtnis behalten.“ Das trifft es, meiner Meinung nach 😉

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