Werner Höfer: Wein, Rauch und Nebelkerzen

Wussten die weisen Männer auf dem Bildschirm wirklich, was die Welt international wohl gut zusammenhält? Jedenfalls tauchten sie in wechselnder Besetzung jeden Sonntag wieder auf der Mattscheibe auf, um den Zuschauern die Welt zu erklären. Immer dabei war allein der Moderator Werner Höfer.

Die Personifizierung des „Internationalen Frühschoppens“ wurde am 21. März 1913 geboren. 1989 stolperte der Journalist über seine – lange verschwiegene und verharmloste – Verstrickung in die nationalsozialistische Hetzpropaganda.

1952 begann Höfer die Diskussionssendung mit internationalen Gästen. Von 1953 bis zu ihrer Einstellung im Jahr 1989 wurde sie allsonntäglich im 1. Fernsehprogramm der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Deutschlands (ARD) übertragen. In diesen 37 Jahren hat Höfer kein einziges Mal gefehlt.

„Gefehlt“ hatte der selbsternannte Papst des deutschen Journalismus freilich in seinen jungen Jahren. Während der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft war Höfer an vorderster Front der NS-Propaganda tätig.

Obwohl Hinweise auf seine NS-Verstrickung schon früh aufgetaucht waren, kamen sie erst 1988 zur Geltung. Zum Verhängnis wurde Höfer schließlich ein vernichtender Kommentar zur Verhängung der Todesstrafe gegen den Pianisten Karlrobert Kreiten.

Wegen „Wehrkraftzersetzung“ hatte der Nazi-Volksgerichtshof den Künstler am 3. September 1943 zum Tode verurteilt. Vier Tage später wurde Kreiten hingerichtet. Todeswürdig waren allein seine öffentlichen Zweifel, dass Hitler-Deutschland den 2. Weltkrieg noch gewinnen könnte.

Die Hinrichtung des Pianisten kommentierte Höfer am 20. September 1943 zustimmend: „Das Volk fordert vielmehr, daß gerade der Künstler mit seiner verfeinerten Sensibilität und seiner weithin wirkenden Autorität so ehrlich und tapfer seine Pflicht tut wie jeder seiner unbekannten Kameraden aus anderen Gebieten der Arbeit. Denn gerade Prominenz verpflichtet!“

Dieser Verpflichtung indes wollte Höfer sich selbst nach dem Krieg entziehen. Störrisch behauptete er, die mörderische Äußerung sei ihm „in den Artikel hineinredigiert“ worden.

Nach intensiven Recherchen wurde aber immer klarer, dass Höfer in den späten 30er und frühen 40er Jahren eine Vielzahl propagandistischer Artikel für das Nazi-Regime veröffentlicht hatte.

Zur Aufgabe beim „Internationalen Frühschoppen“ musste der Westdeutsche Rundfunk (WDR) seinen bereits pensionierten Fernsehdirektor dennoch regelrecht drängen. An die Stelle des Frühschoppens trat dann der ähnlich gestrickte „Presseclub“.

Seinen Namen trug Höfers „Frühschoppen“ nicht ohne Grund. Gebechert und geraucht wurde tüchtig vor laufender Kamera, ohne dass daran damals je jemand Anstoß genommen hätte.

Weitschweifig schwafelnd brüstete sich die Männerrunde ihres Wissens um die Welt und ihrer eigenen journalistischen Erfahrung. Erst spät nahm Höfer auch Frauen in seine Diskussionsrunde auf.

Besserwisserisch und arrogant war dieser Oberlehrer, der sich selbst zum Hüter journalistischer Moral und demokratischer Gesinnung stilisierte. Wahrscheinlich wollte er damit seine eigene Verstrickung verschleiern.

Nach seinem Rückzug vom „Frühschoppen“ trat Höfr nur noch gelegentlich als Talk-Moderator im Fernsehen auf. Bei einer solchen Sendung hat er einmal die Schlagersängerin Katja Ebstein interviewt. Dieses Gespräch ist ein lustiger Beleg für Höfers überheblichen Charakter.

Offenbar hatte er die Sängerin für eine blöde Blondine gehalten. Jedenfalls nahm er ihre Hinwendung zu Liedern mit Texten von Heinrich Heine nicht ernst. So was konnte die doch gar nicht verstanden haben!

Daraufhin drehte Ebstein den Spieß einfach um und interviewte den Moderator. So brachte die schlaue Schlagersängerin den allwissenden „Papst des deutschen Journalismus“ dann ordentlich zum Schwitzen.

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Ein Kommentar zu “Werner Höfer: Wein, Rauch und Nebelkerzen

  1. So unterschiedlich kann man das bewerten. Ich z. B. habe in den achtziger Jahren viel über andere Länder im Frühschoppen gelernt. Einfach deswegen, weil viele ausländische Journalisten dabei waren, die auch mal länger über die Probleme in ihren Ländern gesprochen haben. Zu diesem Zeitpunkt hat Höfer meistens Fragen gestellt, aber sich selbst eigentlich rausgehalten, wollte wissen, was seine Gäste dachten und sagten. Für mich war der Frühschoppen als Jugendlicher ein Muss! Und übrigens: War es nicht Ende 1987, dass der Frühschoppen eingestellt wurde? Stammt der erste Presseclub nicht vom 27.12.1987? Ich glaube, mich genau zu erinnern.

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