Verschenken oder verschwenden: Es ist Zeit für ein wärmendes Feuer

Nach einem Besuch des Theaterstücks „Der Feuermacher“ von Jack London lag es angesichts der extremen Kälte in Marburg nahe, einmal selbst Feuer zu machen in meinem Kamin. Was für eine wohlige Wärme daraufhin den Raum durchströmte, das können sich viele vermutlich kaum noch vorstellen. Selbst Stunden, nachdem die Glut ausgegangen war, hing in meinem Wohnzimmer noch der angenehme Geruch rauchigen Brennholzes.

Ein Kaminfeuer ist einfach tausendmal schöner als Zentralheizung. Sicherlich kann man froh sein, dass es die Wärme einfach zum Aufdrehen gibt, aber für das Raumklima ist das Feuer im Ofen doch ganz etwas anderes.

Wenn man allerdings bedenkt, wie viel Mühe die Menschen noch in meinen Kindertagen aufwenden mussten, um zu heizen, zu kochen oder Wäsche zu waschen, dann ist der Alltag im 21. Jahrhundert doch enorm bequem geworden. Man muss nicht mehr alle zwei Stunden Holzscheite nachlegen ins Feuer, nicht mehr stundenlang mit einem riesigen hölzernen Löffel im dampfenden Waschzuber rühren und die Wäsche übr ein Waschbrett reiben und auch nicht mehr tagelang Erbsen oder Linsen quellen lassen, bevor man sie zur Suppe verkocht.

Wenn man allerdings einmal fragt, wie die Menschen die durch diese technische Entwicklung gewonnene Zeit verwenden, dann kann man schon ins Grübeln kommen. Statt miteinander zu reden oder einander zu helfen, sitzen viele stundenlang starr vor der Glotze oder dem Monitor ihres Computers. Reden tun viele fast nur noch über e-Mail oder Twitter.

„Freunde“ finden die Leute angeblich bei Facebook. Freundschaften pflegen wollen sie anscheinend auch höchstens online. Dabei bleiben sie aber tatsächlich allein.

Dreieinviertel Stunden lang habe ich heute genüsslich in meinem wohligen Wohnzimmer gesessen und mit realen Menschen geplaudert. Niemand hat mir meine Zeit einfach weggenommen oder mich zur Eile gedrängt. Selber habe ich entschieden, wie lange ich so mit der wärmenden Strahlung in meinem Rücken sitzenbleiben möchte.

So habe ich zwar viel Zeit verbracht, aber keinesfalls Zeit verschwendet. Alle Zeit, die man netten Menschen schenkt, ist nämlich gewonnene Zeit.

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