Am 26. März 1983 in Endenich: Petra Kelly gratulierte dem General Gerd Bastian zum Geburtstag

Was macht ein General in der Friedensbewegung? Diese Frage haben sich 1980 viele gestellt, als Gerd Bastian den „Krefelder Appell“ mit unterzeichnete.

Auch ich stand ihm damals skeptisch gegenüber. Meine Vorbehalte haben sich auch nur wenig verändert, nachdem ich ihn persönlich kennengelernt hatte.

Bastian wurde am 26. März 1933 geboren. Am 19. November 1992 wurde er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Petra Kelly tot in seiner Wohnung im Bonner Stadtteil Tannenbusch aufgefunden. Nach der offiziellen Version soll Bastian seine Freundin um den 1. November 1992 herum mit einer Pistole erschossen haben.

Viele Gerüchte und Theorien ranken sich um diesen gewaltsamen Tod. Ob Bastian seine geliebte Petra aus Eifersucht ermordet und sich danach selbst erschossen hat oder ob es vielleicht sogar ein politischer Mord an beiden war, lässt sich wahrscheinlich nie mehr einwandfrei klären.

Wie auch immer es wirklich gewesen sein mag, war dieses böse Ende für beide unverdient. Vor allem Petra war für mich eine wichtige Mitstreiterin für Frieden und Umweltschutz gewesen.

1981 kam ich zu den Grünen. 1982 wurde ich in den Landesvorstand der Grünen Hessen gewählt. Bis 1983 war ich neben Werner Wenz Vorstandssprecher der Landespartei.

In dieser Funktion war ich vor allem für die Friedensarbeit der Grünen Hessen zuständig. Deshalb war es auch kein Wunder, dass ich Kelly und Bastian häufiger begegnete.

Fernsehbilder von der Duisburger Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen zeigen, wie Kelly in der ersten Reihe sich zu mir in der Reihe dahinter umdreht und mir lächelnd einen Nürnberger Lebkuchen reicht. Bastian sitzt derweil neben ihr.

Kelly war eine sehr eindrucksvolle Frau. Manchmal wirkte sie in ihrer Furcht um die Zukunft der Menschheit beinahe hysterisch; dann wieder konnte sie sehr warmherzig und mitfühlend sein. Immer aber stritt sie für die Zukunft der Menschheit aus vollster Überzeugung.

Sie war eine überaus attraktive Frau. Viele Männer wurden weich, wenn sie sie persönlich kennenlernten. Die Liste ihrer Freunde und Verehrer reicht vom EU-Kommissionspräsidenten Sicco Mansholt über die Grünen-Politiker Roland Vogt und Lukas Beckmann bis hin zu dem Konzertveranstalter Fritz Rauh und dem Liedermacher Konstantin Wecker.

Angesichts dieser illustren Runde habe ich nie verstanden, warum ausgerechnet Bastian bei ihr landen konnte. Was allerdings auffiel, war seine große Verehrung für diese herausragende Frau.

Mir indes war er nie ganz geheuer. Er redete oft schneidig und fast militärisch wie eben ein General. Auch seine Weigerung, die bei der Listenaufstellung der Grünen-Bundestagskandidaten angekündigte Rotation nach der Hälfte der Legislaturperiode im Deutschen Bundestag umzusetzen, habe ich nicht akzeptieren wollen.

Überzeugt hat mich hingegen seine Begründung für den Wechsel aus der Bundeswehr in die Friedensbewegung. Bei einer Übung im Regierungsbunker bei Dernau an der Ahr sei ihm klar geworden, dass ein Atomkrieg absoluter Wahnsinn ist. Ich kenne noch mehr Menschen, die aus einer solchen Simulation eines Atomkriegs im Bunker bei Dernau als veränderte Persönlichkeit herausgekommen sind.

Zum ersten Mal persönlich erlebt hatte ich Bastian bei irendeiner Veranstaltung von Friedensgruppen. Gerdet hat er auch bei einer der großen Friedensdemonstrationen. Bei allen wichtigen Demos war ich damals mit dabei.

Gut erinnerlich ist mir auch eine Sitzung der Grünen in Bonn-Endenich. Sie hat am 26. März 1983 stattgefunden. Petra Kelly gratulierte ihrem geliebten Gerd an diesem Tag zum Geburtstag.

Warum ich diese Szene rund 30 Jahre später noch genau in Erinnerung habe, werden einige meiner Freunde und Bekannten leicht nachvollziehen können. Für die anderen soll der Grund weiterhin mein persönliches Geheimnis bleiben. Damit habe ich dann noch etwas gemeinsam mit dem Grünen General.

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Ein Kommentar zu “Am 26. März 1983 in Endenich: Petra Kelly gratulierte dem General Gerd Bastian zum Geburtstag

  1. Lieber Franz-Josef, ein sehr berührender Artikel. Auch ich erinnere mich an diesen 19. Oktober, es war Oktober, 1992, und wie geschockt ich damals war. Mit Gert Bastian konnte ich nie viel anfangen, aber Petra Kelly hat mich erreicht. Ich erinnere mich an ihre Rede vom 22. November 1983 gegen die Stationierung der neuen Mittelstreckenwaffen in Deutschland. Es hat mich berührt, wie sie von ihren Besuchen in Hiroshima sprach, und es hat mich empört, wie harsch die Bundestagsführung und -Verwaltung gegen protestierende Grüne vorging.

    Ich weiß natürlich, warum dir dieser Tag im März 1983 in Erinnerung geblieben ist.

    Alles Gute

    Jens

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