Eine elefantastische Idee: Dickhäuter auf dem Vormarsch

An Blindenhunde haben sich inzwischen alle gewöhnt. Nun tritt ein anderes Tier den Vormarsch in die Herzen der blinden Tierfreunde an. Wegen seiner Intelligenz und Gutmütigkeit, seiner wahrlich großen Ohren, vor allem aber wegen seiner sprichwörtlichen Feinfühligkeit dürfte der Elefant als ständiger Begleiter und Helfer des Blinden wohl auch in Deutschland dem Hund schon bald ernsthafte Konkurrenz machen.

Jedenfalls plant der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) für den Frühsommer in mehreren Großstädten – Berlin, Bonn und München – Tests mit Blindenelefanten. Das EU-Forschungsprogramm „FAMOS“ finanziert diese Vorfeldstudie mit insgesamt 450.000 Euro.

Als erster auf den Elefant gekommen ist der indische Blindenverband. In Indien haben sich die großen Grautiere schon seit Jahrhunderten als Freund und Helfer des Menschen auch in schwierigen Arbeitseinsätzen bewährt. Was lag da näher, als es auch einmal mit einer Ausbildung besonders intelligenter Tiere zu Blindenelefanten zu probieren?

Die Vorteile liegen auf der Hand: Der Blinde braucht seinem vierbeinigen Freund nicht mehr hinterherzulaufen; der Elefant hebt ihn mit seinem Rüssel auf den Rücken und setzt ihn genau an der Stelle ab, wo der Blinde hin will.

Im innerstädtischen Bereich wird sogar die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel überflüssig. Hindernisse auf dem Weg räumt Jumbo einfach beiseite.

Bewegungsarmut braucht ein Elefantenhalter dennoch nicht zu fürchten: Spätestens beim täglichen Abschrubben seines Lieblings wird eine viertelstündige Morgengymnastik unausweichlich.

Respekt verschafft der Dickhäuter seinem Herrn mindestens genausoviel wie ein Hund. Notfalls helfen die Stoßzähne wirkungsvoll nach. Hörbar machen kann sich der Elefant durch lautes Trompeten auch über Hunderte von Metern hinweg.

Für die im Vergleich zum Führhund höheren Futterkosten haben findige Verbandsstrategen auch schon eine Finanzierungsquelle gefunden: Die von den nordrhein-westfälischen Blindenverbänden für die Vermarktung von Werbeflächen auf Kleinbussen und in Druckschriften gegründete Firma „Handicap Marketing GmbH“ vermietet die Seitenflächen der Blindenelefanten. In der Behindertenwerkstatt Heiden-Oldendorf werden eigens bunte Zierdeckchen mit der jeweiligen Werbeaufschrift gestickt.

Vor allem Brauereien dürften angesichts der bekannten Wirtschaftsförderungsstrategien der Blinden hoffen, dass wenigstens der Elefantenhalter auf die Marke umsteigt, für die sein Gefährte Reklame läuft. Damit wäre der Bestand der Brauerei doch schon halbwegs garantiert!

Für Krankenkassen und Halter bieten Blindenelefanten gegenüber dem Führhund einen weiteren Vorteil: Während Hunde dem Blinden nach 15 oder 20 Jahren wegsterben, leben Elefanten normalerweise 50 bis 100 Jahre. Die Investition in ihre Ausbildung lohnt sich also doppelt und dreifach!

Für eine artgerechte Haltung der Blindenelefanten empfiehlt der DBSV den Ausbau der Garage, die der Blinde ja ohnehin mangels Führerschein nicht benötigt. Die Deutsche Bahn AG (DBAG) überlegt, in die nächste Generation ihrer ICE-Züge einen sogenannten „Get-on-Border“ einzukoppeln, der Elefanten, die sonst meist abgelehnten Tandems oder sogar Kleinwagen huckepack mitnimmt.

Bei Spaziergängen mit dem Elefanten genießt der Blinde ein Höchstmaß an Sicherheit und die ungeteilte Aufmerksamkeit der anderen Passanten. Zur Kennzeichnung des Blindenelefanten empfiehlt der DBSV, den Rüssel weiß einzufärben. Das entspricht im Aussehen in etwa dem weißen Langstock.

Derzeit arbeitet der DBSV zusammen mit dem Royal National Institute for the Blind (RNIB) in London an einer europaweiten Richtlinie zum Einsatz von Blindenelefanten. Französische Biologen wollen derweil mit Hilfe gentechnischer Methoden kleinere Elefanten klonen, die besonders klug sind und gleich mit weißem Rüssel geboren werden. Denn ein winziges Problem hat der DBSV bisher noch nicht gelöst: die Regelung des Zugangsrechts von Blindenelefanten in Supermärkte und Porzellanläden!

Einen speziellen Namen für die Blindenelefanten hat der DBSV dagegen schon gefunden: die ausgebildeten Rüsseltiere werden die Bezeichnung „Grauer Star“ tragen.

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3 Kommentare zu “Eine elefantastische Idee: Dickhäuter auf dem Vormarsch

  1. Dem schnelleren innerstädtischen Vorankommen empfiehlt es sich, wieder Straßenbahnen mit Außenplattform einzuführen.

  2. Trambahnen mit offener Plattform sind wunderbar: Im Sommer herrscht dort dank des Fahrtwinds ein laues Lüftchen. Im Winter kann man vom wohlig gewärmten Innenraum aus die verspäteten Fahrgäste dabei beobachten, wie sie beim Versuch, schnell noch aufzuspringen, vom vereisten Trittbrett abrutschen.
    Nicht nur Kamele und Affen – übrigens auch gut geeignete Helfer für Behinderte können in der Straßenbahn mitfahren, sondern auch Elefanten. Wer nicht innen reinpasst, muss dank des offenen Teils am Ende des Waggonas nicht passen.
    Allerdings kann es passieren, dass man dort versehentlich unter die Hufen gerät. Dann sollte man aber nicht nevös mit den Huf
    en scharren und abspringen, sondern nur laut ausrufen: „Ich denk, mich tritt ein Pferd!“

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