Sechs Falsche: Der Ziehung der Zahlen den Zahn gezogen

Da haben sich einige vermeintliche Lottogewinner wohl zu früh gefreut. Eine peinliche Panne bei der Ziehung der Lottozahlen am Mittwoch (3. April) führte zunächst zur Verkündung falscher Zahlen. Erst nach der Fernsehübertragung der Ziehung fiel der Fehler auf.

Vielleicht hat dieser Vorgang aber etwas Gutes: Die Verheißung eines geradezu paradiesischen Lebens dank der sechs Richtigen gerät möglicherweise ins Wanken. Aller Erfahrung nach können sich ohnehin nur die wenigsten Lotto-Millionäre auf Dauer länger über ihren Gewinn freuen.

Lotto ist das „Glücksspiel des Kleinen Mannes“. Viele kreuzen jede Woche ihre Zahlen an und zittern dann vor dem Fernsehgerät bei der Ziehung in fiebriger Erwartung des großen Geldes. Nur den Wenigsten wird dieses erhoffte Glück aber wirklich vergönnt.

Mit möglicherweise gewonnenen Millionen gehen die meisten „glücklichen Gewinner“ dann auch nicht gerade vernünftig um. Großzügig spendieren sie Freunden und Fremden Runden im Lokal oder werfen ihr Geld für unnütze Prestigeobjekte zum Fenster hinaus.

So eine Million kann sich schnell in Nichts auflösen. „Wie gewonnen, so zerronnen“ sagt der Volksmund vorausschauend.

Doch der Hang zum Glücksspiel boomt. Längst sind neben das staatliche Lotto zahlreiche weitere Lotterien getreten.

Mit mitunter unglaublich unseriösen Praktiken versuchen windige Geschäftemacher da, den geldgierigen Gewinnerwartern die Euros aus der Tasche zu ziehen. Kriminellster Gipfel unseriöser Glücksspiel-Guruhs ist die Bekanntgabe eines hohen Gewinns, vor dessen Auszahlung der angebliche Gewinner eine „geringere“ Summe einzahlen soll.

Letztlich gibt es bei allen Glücksspielen aber immer nur einen sicheren Gewinner: Der Betreiber der Lotterie vereinnahmt grundsätzlich mehr Geld, als er an die Mitspieler hinterher ausschüttet. Die wirklichen Gewinner bei solchen Lotterien sind also diejenigen, die nicht mitspielen.

Religion ist laut Ludwig Feuerbach „Opium“ für das Volk. In einer Gesellschaft der Gier nach Geld und einem vermeintlichen Glück durch finanziellen Reichtum sind Lotterien mit großen Summen als Köder eine Art rituelle Verheißung. Allwöchentlich knien die Anhänger dieses Hoffnungskults vor ihren Fernsehgeräten und beten um die Beglückung mit ihren „sechs Richtigen“.

Nachdem am Mittwochabend zwei Zahlen nicht den Weg in die Ziehungskugel gefunden hatten, wurden diese Anbeeter des Heiligen Lotto bitter enttäuscht. Der Arm der Lottogesellschaft reicht offenkundig nicht einmal bis in die Ziehungsgeräte hinein. Dem Ritual der öffentlichen Ziehung der schicksalsträchtigen Zahlen wurde damit öffentlichkeitswirksam ein Zahn gezogen.

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2 Kommentare zu “Sechs Falsche: Der Ziehung der Zahlen den Zahn gezogen

  1. Wenn das mal keine versteckte Botschaft war. 🙂
    Zwei Kugeln sind haengen geblieben = wir zahlen das Loesegeld… oder so.
    Aber vielleicht ist ja auch jede Lottoziehung eine versteckte Botschaft. Nein, jede Ziehung bildet einen Wochenschluessel fuer Agentennachrichten und diesmal musste auf dramatische Weise eine Nachricht verworfen werden und man entschloss sich gleich den ganzen Schluessel fuer ungueltig zu erklaeren.
    Heute bin ich paranoid.
    Noe, einfach nur uebermuedet und/oder ueberzuckert oder schlicht albern. 🙂
    Aber wer weiss… 🙂

  2. „Mit mitunter unglaublich unseriösen Praktiken versuchen windige Geschäftemacher da, den geldgierigen Gewinnerwartern die Euros aus der Tasche zu ziehen. Kriminellster Gipfel unseriöser Glücksspiel-Guruhs ist die Bekanntgabe eines hohen Gewinns, vor dessen Auszahlung der angebliche Gewinner eine “geringere” Summe einzahlen soll.“
    Na, ich glaube, das war noch nicht der Gipfel: Vor einiger Zeit flatterten mir zwei „Einladungen, sollte ich Gewinnerin sein“ ins Haus zu einem Gewinnspiel in …. Dafür wurde ich mit einer Limousine zum Bahnhof „chauffiert“, von wo ich dann mit dem Zug nach … fahren und bis zur Ziehung in einem Fünf-Sterne-Hotel übernachten konnte.
    Ich fragte mich dann nur, wer Limousine, Hotel, Essen, Übernachtung bezahlt , wenn ich nicht zu den Gewinnern gehöre und musste laut lachen. Später berichtete darüber wohl auch das Fernsehen. Ich war jedenfalls wieder einmal mehr froh über mein Misstrauen.
    Ich verstehe auch bis heute nicht, dass die Kaffeefahrten so beliebt sind …

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