Frei beim Journalismus dabei: Aller Anfang ist schwer

Journalismus ist ein wunderschöner Beruf. Weniger schön ist indes die Bezahlung vor allem der Freien.

Das Geschäft ist härter geworden. Berufseinsteiger haben es immer schwerer, sich vom Journalismus zu ernähren. Aquise stößt oft auf schier unüberwindliche Hürden.

1986 lagen die Zeilenhonorare vieler regionaler Tageszeitungen bei 20 Pfennig die Zeile. Einige zahlten sogar nur zehn Pfennige. Nur größere überregionale Tageszeitungen zeigten sich großzügiger.

2013 liegen die Honorare zwar höher; doch nach Verrechnung der Inflation sind sie real gesunken. Die meisten Zeitungen zahlen zuwenig.

Bei Zeitschriften sieht es auch nicht viel anders aus. Einige wenige Top-Titel ködern gute Autoren mit ordentlichen Honoraren. Die Masse der Blätter hingegen entlohnt ihre Schreiber eher schlecht als recht.

Selbst beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk hat die Entwicklung der Honorare nicht Schritt gehalten mit der Preissteigerung. Die Anstalten müssen dramatisch sparen. Großenteils geschieht das auf Kosten der Freien Mitarbeiter.

Bei geringer Bezahlung können sich Freie aber auch nur einen begrenzten Aufwand an Recherche und Arbeitszeit leisten. Darunter leidet zwangsläufig die Qualität ihrer Artikel.

Auch nach 15 Jahren ist die Forderung „Zeit statt Zeile“ immer noch nicht verwirklicht. Vielmehr werden Freie mit Brosamen abgespeist, als wäre es eine Ehre, für die jeweilige Publikation schreiben zu dürfen.

Gerade Berufseinsteiger brauchen Ermutigung und Unterstützung. Hinzu kommen müssen Kenntnisse über die Praxis in der Branche, über die viele noch nicht in ausreichendem Maß verfügen. Dazu gibt es einige interessante Informationsquellen.

Regelmäßige Honorarspiegel von Freiberuflern im Journalismus veröffentlicht das Beratungsprojekt Mediafon. Eine weitere Anlaufstelle für Freie Journalisten ist die Deutsche Journalisten-Union (DJU) in der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di auf Bundes- und Landesebene.

Tipps für Freiberufler sowie einen kostenlosen Webkatalog bietet Freieninfos. Das schreiberische Handwerkszeug vermittelt Journalismustipps. Ergänzt werden diese Informationen künftig im Journalismus-Blog von Franz-Josef Hanke.

Ergänzungen und Hinweise zur journalistischen Arbeit sind willkommen. Neben den Kategorien Freie und Journalismus werden auch Pressearbeit und Sprache behandelt.

Advertisements

4 Kommentare zu “Frei beim Journalismus dabei: Aller Anfang ist schwer

  1. Im Journalismus ist es wie bei allen anderen feilgebotenen Produkten. Das Angebot bestimmt den Preis.
    Es dürfte wohl auch dir nicht entgangen sein, dass es mittlerweile Journalisten oder Leute, die sich als solche ausgeben, gibt wie Sand am Meer. Ein gut Teil darunter verfügt nicht über eine fachlich solide Ausbildung, hat wenig Lust auf gründliche Recherchen, hält wenig von Sachlichkeit und wendet hinsichtlich nachprüfbarer Wahrheitsgehalt recht grob gewebte Maßstäbe an. Von deren sprachlichen Qualitäten will ich gar nicht erst reden.
    Ins Besondere die Gruppe der freien Journalisten leidet immer mehr unter diesem quantitativen und qualitativen Desaster. Das drückt nicht nur den Preis ganz nachhaltig. Es schiebt auch die Qualität der veröffentlichte Beiträge immer weiter nach unten. Davon betroffen sind nicht nur die bunten Illustrierten und Boulevardzeitungen, bzw. Privatsender, sondern in zunehmenden Maße auch Tageszeitungen, Wochenmagazine, öffentlich-rechtliche Sender und sogar Fachveröffentlichungen.
    Verlage wollen, ja müssen sogar Geld verdienen. Und wenn man so leicht Geld mit dem weniger qualifizierten Journalismus (bis hin zu dem Geschmiere und Geplapper, das nicht einmal den Namen „Journalismus“ verdient) verdienen kann, ist es halt ziemlich schwer, seinen Investoren davon zu überzeugen, Journalisten besser zu bezahlen. Zumal, würde eine bessere Bezahlung angeboten, hätte das nicht zwangsläufig die Verbesserung der angebotenen Qualität zur Folge. Und der Preiskampf zwischen den Verlagen, bzw. Einschaltquoten zwischen den Sendern ist ja schließlich auch nicht von Pappe.
    Da wir ja nicht wollen, dass der Staat oder die Berufsverbände entscheiden, wer was in welcher Qualität veröffentlichen darf, müssen wir wohl oder übel auf das Regulativ der Marktkräfte hoffen. Wir können nur hoffen, dass sich das eines Tages wieder in Richtung Qualität vor Quantität bewegt.

  2. Ich glaub nicht, dass der Markt es schon richtet, Leo. Eine angemessene Bezahlung lässt den Verlagen noch genug übrig bei der Gewinnspanne. Gerade in Deutschland, wo das Urheberrecht so konstruiert ist, dass sie damit sehr gut verdienen. Dass die Print-Verlage da mit dem Leistungsschutzrecht noch einen großen Vorteil haben, wird ja kaum wer bestreiten.

    • Was anders als der Markt soll denn Besserung bringen? Arbeitskampf etwa, wo lediglich ein Bruchteil der Journalisten gewerkschaftlich organisiert sind? Gutes Zureden? Da kann man gleich an den Weihnachtsmann glauben.
      Wenn die Marktlage nicht dazu führt, dass die Masse von Journalisten, die von ihrem Job nicht leben können, auf eine Zahl ausgedünnt wird, die eine anständige Arbeit wieder für eine anständige Bezahlung verkaufen können, wird das ganze Geschrei nichts nutzen. Das ist im Journalismus genau so wie in allen anderen Berufen auch.
      Und da die große Mehrheit freiberuflich arbeiten, wird daran nicht einmal ein Mindestlohn etwas ändern.
      Wenn eine Berufsgruppe nicht selbst dafür zu sorgen vermag, dass der Beruf nicht durch massenhaft schlechte Qualität und einen sinnlosen Zulauf von überflüssiger Berufseinsteiger verkommt, wird niemand den Niedergang einer solchen Berufsgruppe verhüten können. Und auch nicht einmal ernsthaft bedauern.
      Die Zeiten des privilegierten Journalismus, in der arrogante Angehörigen dieser Berufsgruppe glaubten, höhere gesellschaftliche Ansprüche geltend machen zu können und vom harten Überlebenskampf des einfachen Mannes abgeschirmt zu sein, ist gottlob längst vorbei.
      Von den Gesetzmäßigkeiten des Marktes ist keine einzige Berufsgruppe ausgenommen. Das mögen die einst privilegierten Berufsgruppen zwar bedauern. Aber es ist die Realität.

  3. Leider ist vielen Redakteuren die formale Qualität – pünktliche Erledigung, genaue Einhaltung des vereinbarten Umfangs oder korrekte Schreibweise – wichtiger als die journalistische Qualität sowohl in sprachlicher als auch in inhaltlicher Hinsicht. Das ist das Ergebnis der „Qualititätskriterien“ des sogenannten „Markts“.
    Qualitativ hochwertiges journalistisches Handwerk: Der Markt wird es schon hinrichten.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s