Posthum schöngeschrieben: Zum Tod der „Eisernen Lady“ Margaret Thatcher

Als „Eiserne Lady“ hat sie mehr Härte gezeigt als mancher Mann. Die ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher ist im Alter von 87 Jahren gestorben.

Mit eiserner Faust hat sie Krieg geführt auf den Falkland Inseln gegen Argentinien und auf den britischen Inseln gegen die Gewerkschaften. Dank der – von ihr mit unnachgiebigem Druck durchgesetzten – Deregulierung wurde das öffentliche Verkehrssystem so weit heruntergewirtschaftet, bis sich wegen Einsparungen an Fahrzeugen und Schienen die Unfälle dramatisch häuften.

Nach der Einführung des neuen Beförderungsrechts durfte jeder jede beliebige Strecke im Buslinienverkehr betreiben. Er musste das lediglich anmelden. Ein Zulassungsverfahren gab es nicht.

Verbindungen mit hohem Fahrgastaufkommen wurden daraufhin mitunter von gleich mehreren Anbietern bedient. Jeder versuchte, seine Abfahrtszeit möglichst kurz vor die der Konkurrenten zu terminieren.

An Wochenenden oder in Tagesrandstunden indes mussten die Kommunen weiterhin halbleere Busse durch die Gegend schicken, wollten sie nicht die Bürger ohne jegliches Verkehrsangebot versauern lassen. Diese „Rosinenpickerei“ hat Thatcher mit ihrer neoliberalen Ideologie von den wundersamen „Kräften des Marktes“ herbeigekämpft.

Die staatliche Eisenbahngesellschaft „British Railways“ (BR) musste ihre Strecken an private Bahnbetreiber abgeben. Da die Schienen nun aber kaum noch ausreichend gepflegt wurden, kam es mit zehn Jahren Verzug zu einer Häufung von Unfällen wegen gebrochener Gleise oder anderer Wartungsmängel.

In ihrer Regierungszeit von 1979 bis 1990 setzte Thatcher all die Einschnitte in soziale Sicherungsnetze durch, die nun während der Euro-Krise vor allem den verarmtenden Völkern im Süden Europas aufgezwungen werden. „Thatcherismus“ nannten Ökonomen damals die rücksichtslose Wirtschaftspolitik der neoliberalen Ideologin von der Conservative Party.

Ohne ihre Politik wäre der heutige Neoliberalismus der „Freien Kräfte des Marktes“ kaum denkbar. Sie hat andere Regierungen gezwungen, ihr nachzueifern, damit sie „wettbewerbsfähig“ bleiben konnten.

Gerhard Schröders „Agenda“ mit der Einführung von Hartz IV ist eine Folge des daraufhin weltweit grassierenden Neoliberalismus. Auch die Finanzkrise ist maßgeblich der Deregulierung der Finanzmärkte geschuldet, mit der Thatcher in Großbritannien begonnen hat. Die britische Industrie hatte sie mit einer gewerkschaftsfeindlichen Politik zuvor zerschlagen.

„De Mortuis nihil nisi bene! Getreu dieser alten Devise wird die „Eiserne Lady“ nach ihrem Tod nun überall gnädig aufgeweicht. Das wäre ihr selbst sicherlich gar nicht recht.

Mitleid mag man wohl haben mit ihrem Siechtum, das sich elf Jahre lang bis zu ihrem Tod grausam dahinschleppte. Doch wo bleibt das Mitgefühl mit ihren Opfern?

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Ein Kommentar zu “Posthum schöngeschrieben: Zum Tod der „Eisernen Lady“ Margaret Thatcher

  1. Die Dame hat ihr Land heruntergewirtschaftet, wie kein anderer. Aber die Leute denken: Ende gut, alles gut.
    Helmut Kohl wird ja sogar schon pre-mortem hochgejubelt, dabei hatte er in manchen Fällen, z.B. Wiedervereinigung mehr Glück, als Verstand.
    Sabienes

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