Journalismus braucht Bewegung: Neue Wege zur Qualität

„Wer weiterhin Qualitätsjournalismus machen will, muss kreativ sein.“ In dieser Art hat sich die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bei der Einweihung des Newsrooms der Kölnischen Rundschau geäußert. Betrüblicherweise hat sie damit recht.

Qualitativ hochwertiger Journalismus ist mit den althergebrachten Mitteln heutzutage kaum mehr möglich. Dazu haben sich die Rahmenbedingungen in den letzten 15 Jahren zu sehr verändert. Online- und audiovisuelle Medien haben den Printpublikationen den Rang abgelaufen und die Werbeeinnahmen abgegraben.

Druckerzeugnisse stehen unter hohem Druck. Geld für gute Rechercheure ist da kaum noch drin.

viele Freie füllen die Seiten der Tageszeitungen für beklagenswert niedrige Bezahlung. Zu geringe Zeilenhonorare verknappen die Zeit für die Arbeit an jedem einzelnen Text. Nur durch Massenproduktion können fleißige Schreiber mit der prekären Entlohnung halbwegs auskommen.

Qualitätsjournalismus kann auch auf Blogs stattfinden. Doch auch dort erreichen viele nur wenige Leser.

Im Internet kann kaum jemand gut Geld verdienen. Zu viele Websites werben mit populistischer Aufmachung und sensationslüsternen Inhalten um Klicks.

Facebook ist zwischenzeitlich zum Hype geworden. Gerade jüngere Leute suchen dort nach „Freunden“.

Möchte man modern und mit von der Partie sein, muss man sich ihnen als „Freund“ andienen, dachten viele. Doch inzwischen hat eine Flucht vieler User vor der grenzenlos neugierigen Datenkrake eingesetzt.

Twitter eröffnet andere Möglichkeiten, Nachrichten zu verbreiten. In der Kürze liegt dabei die Würze.

Da viele Menschen unter Zeitnot leiden, ist das ein Weg zu besserer Verbreitung. Dafür muss man die Titelzeilen oder „Teaser“ allerdings entsprechend aufbereiten. Das Wesentliche einschließlich des Links zum Text muss auf 140 Zeichen zusammengefasst sein.

Video-Podcasts können auch Leute ansprechen. Sachliche oder flotte Filme erreichen dabei unterschiedliche Zielgruppen.

Allerdings muss bei alledem die Qualität auch stimmen. Schlampige Texte oder schlecht geschnittene Filme nehmen viele zwar hin; doch dauerhaft bleiben sie nicht unter den Favoriten.

Letztlich gilt die Devise: „Wenn Du etwas machst, dann mach es möglichst gut!“ Das Kürzel des Schreibers oder sein Name sind ein Markenzeichen. Birgt es für Qualität, dann kann man zufrieden sein.

Besonders als Behinderter muss man die Möglichkeiten der Technik kreativ nutzen. So entstand 1998 der erste Internetauftritt eines Marburger Journalisten, den man inzwischen unter www.hanke-marburg.de finden kann.

Mit der Online-Zeitung marburgnews hat das fjh-Journalistenbüro bereits im März 2010 lokale Nachrichten aus und über Marburg ins Internet gestellt. Im Juli 2011 ist tv.marburgnews.de als seriöser Video-Podcast hinzugekommen. Im März 2013 folgte marburghype.tv als flotter Videokanal für eher junge Leute.

Der blog.hanke-marburg.de widmet sich Fragen rund um den Journalismus, Geschichten zur Geschichte und Persönlichem. Er ergänzt ältere Angebote wie www.journalismustipps.de und www.pr-links.de sowie die Freieninfos im Internet.

Seit März 2012 ist @marburgnews auch bei Twitter. Im März 2013 kamen leichte-news.de hinzu.

All diese Angebote sind kostenfrei. Zusammengenommen erreichen sie im Jahr mehr als 500.000 Besucher und gut 5 Millionen Klicks.

Qualität ist hier das oberste Ziel. Eine geschmeidige Sprache in gut verständlichen Sätzen ohne zu viele Fach- und Fremdwörter soll niemanden ausgrenzen. Inhalte mit Relevanz ohne werbende Vereinnahmung und nach Möglichkeit gut recherchiert sollen über die Stadt informieren.

Junge Leute erlernen ganz nebenbei Grundlagen des journalistischen Handwerks. Letztlich ist marburgnews eine Ausbildungsredaktion für Berufsanfänger.

All das bringt jedoch kein Geld ein. Der Gewinn ist allein die Gewissheit, Lokaljournalismus nach bestem Wissen und Gewissen umgesetzt und an eine neue Generation von Journalisten weitergegeben zu haben.

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