Dieser Einladetext wirkt als Ausladung: „Um Anmeldung wird gebeten“

„Wir bitten Sie, sich zu unserer Pressekonferenz kurz anzumelden.“ Derartige Aufforderungen erreichen Journalisten fast täglich. Müsste sich jeder Berichterstatter zu jeder Pressekonferenz vorher anmelden, käme er überhaupt nicht mehr zu seiner eigentlichen Arbeit.

Deswegen sind Einladungen mit solchen Forderungen für viele Journalisten ein Ausschlussgrund. Besonders ärgerlich wird das dann, wenn der Einlader auch noch eine Frist weit vor dem geplanten Trmin setzt.

Nicht einmal ein Gewerbe muss ein Journalist nach deutschem Verfassungsrechc anmelden; aber sich selbst bei popeligen Vereinen, Pressestellen oder Behörden zu jedem halbwegs veröffentlichbaren Termin ankündigen soll er ständig. Grundsätzlich sollte die Presse diese Unsitte dadurch bekämpfen, dass sie zu Terminen mit Anmeldezwang gar nicht erst hingeht.

Jeder Veranstalter hat natürlich gewichtige Gründe, warum ausgerechnet er unbedingt wissen muss, wer zu seiner Pressekonferenz kommt. Eer nimmt sich dieses Recht, weil seine PK ja so überaus wichtig ist.

Alles andere ist unwichtig. Alle anderen können ja ruhig auf eine Rückmeldung zu ihren Terminen verzichten!

Dieser Egoismus geht nicht nur auf Kosten aller anderen Einlader; er geht auch auf die Knochen der Eingeladenen. Der Journalist müsste eine Antwort verfassen, die allein schon aus Höflichkeit natürlich nicht in einem einfachen „Komme!“ bestehen könnte.

Bei bis zu 20 Presseeinladungen pro Tag kann kein Freier Journalist jede einzelne angemessen beantworten. Zudem kann ihm immer noch in letzter Minute ein anderes wichtiges Ereignis dazwischenkommen. Insofern sind Zusagen ohnehin nicht völlig verlässlich.

Der Aufwand aber, „kurz Bescheid“ zu geben, kostet garantiert Zeit, die der Journalist sonst für das Schreiben von Texten oder Recherchieren verwenden könnte.

Die Korrespondenz über Einladungen zu Presseterminen geht also auf die Qualität der journalistischen Arbeit. Angesichts des ständig steigenden Zeitdrucks muss jeder vernünftige Journalist diesen letztlich unsinnigen Aufwand strikt vermeiden.

Für Kulturveranstaltungen ist eine Anmeldung gerade noch hinnehmbar. Zum Einen sind aktuell hereinkommende Abendtermine sehr selten; zum Anderen treibt der Berichterstatter oder Rezensent hier ohnehin einen höheren Aufwand.

Wirklich professionelle Pressearbeit respektiert die Realität der schreibenden Zunft. Leider hat sich in der PR-Branche zwischenzeitlich aber sehr viel unprofessionelle Egozentrik breit gemacht.

Diese bedauerliche Entwicklung werde ich nicht unterstützen. Wer mir die Aufforderung zuschickt, ich möge mich zu seiner Pressekonferenz anmelden, der lädt mich damit letztlich aus.

Ich werde aus Prinzip nicht zu Terminen hingehen, zu denen ich mich anmelden soll. Ich habe Wichtigeres zu tun: Schreiben!

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