Vom ewigen Frieden: Habe den Mut, Deinen Verstand zu gebrauchen!

„Sape audere!“ Auf Deutsch heißt diese Aufforderung: „Habe den Mut, Deinen Verstand zu gebrauchen!“

In diesem Leitsatz kristallisiert sich die philosophische Grundhaltung der Aufklärung. Nach Aussage des Philosophen Immanuel Kant ist sie die „Befreiung des Menschen aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit“. Offenbar bedarf es dieser Befreiung aber trotz aller gesellschaftlichen Fortschritte auch heute noch weiterhin.

Aufklärung ist nicht nur eine philosophische Grundhaltung, sondern letztlich eine Maxime für das gesamte Leben. Wer seinen Verstand kritisch gebraucht, wird unweigerlich immer wieder auf Rahmenbedingungen stoßen, die ethischen Grundsätzen eines aufgeklärten Menschen widersprechen.

„Behandle jeden Menschen so, wie Du selber behandelt werden willst“, forderte Kant in seiner „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“. Demokratie und Gleichberechtigung sind logische Folgen dieser aufgeklärten Geisteshaltung.

Toleranz und Liberalität in der sogenannten „westlichen Welt“ fußen auf der Verankerung der Aufklärung im europäischen Geistesleben. Im Gegensatz zu vielen islamisch geprägten Staaten ist die Trennung von Kirche und Staat in Westeuropa ebenso selbstverständlich geworden wie die positive und negative Religionsfreiheit.

Religion hat der Philosoph Ludwig Feuerbach als „Opium“ für das Volk bezeichnet. Der Glauben an Gott gewähre den Menschen eine vermeintliche Sicherheit, die das Leben nicht garantieren könne.

Dieses Streben nach Sicherheit ist ein Urbedürfnis jedes Menschen. Doch ist Sicherheit weder durch den Abschluss teurer Verträge noch durch flächendeckende Überwachungsmaßnahmen gewährleistet.

Deswegen widerspricht jede „Sicherheitspolitik“, die den Menschen das Unmögliche als nötig vortäuscht, den Grundwerten der Aufklärung. Eine derartige Politik schränkt die Freiheit ein, die der aufgeklärte Mensch zur Entwicklung seiner Persönlichkeit zwangsläufig benötigt.

Auch der sogenannte „Neoliberalismus“ oder marktradikale Wirtschaftskonzepte widersprechen den Grundwerten der freien Entfaltung der Persönlichkeit, denn auch sie schränken die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben und damit die Freiheit des Einzelnen letztlich ein. An die Stelle des absolutistischen Monarchen treten hier „Die Märkte“, deren Entscheidungen noch weniger transparent sind als die eines Königs oder Kaisers.

Neoliberale vertreten ihre Ideologie gebetsmühlenartig wie ein Glaubensbekenntnis: „Der Markt wird´s schon richten. Überlasst alles den freien Kräften des Marktes.“

Die so entfesselten Kräfte der Stärkeren walzen alle Schwachen platt. Oligopole und Monopole bemächtigen sich der wirtschaftlichen und in deren Folge dann auch der politischen Macht.

Die Menschen werden nicht nur in Südeuropa zu Sklaven wirtschaftlicher „Sachzwänge“, die ihnen von einer demokratisch nicht legitimierten „Troika“ aufgedrückt werden. In den Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas besteht die Segnung dieser Wirtschaftsweise aus Hunger, Armut und Krieg.

„Vom ewigen Frieden“ träumte Kant in Übertragung seiner ethischen Grundsätze auf das Miteinander der Völker. Den ewigen Krieg hingegen produzieren neoliberale Rüstungskonzerne tagtäglich durch Waffengeschäfte mit Diktaturen und Krieg führenden Regirungen.

Europa kann sich glücklich schätzen, von der Aufklärung geprägt worden zu sein. Diese Tradition ist jedoch eine Verpflichtung, die Werte der Aufklärung ständig anzuwenden, zu durchdenken und in der Praxis durchzusetzen. „Sape audere!“

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