Flatrate-PR: Wie die Drosselkom netzneutral Kunden abzockt

Einen genialen Werbegag hat sich die Deutsche Telekom ausgedacht. Dank einer neuen Tarifstruktur für Internetanschlüsse ist sie in aller Munde. Allerdings macht die – nun als „Drosselkom“ geschmähte – Telefongesellschaft dabei gar keine gute Figur.

Flatrate war gestern; Abkassieren ist morgen. Wer eine festgesetzte Datenmenge bewegt hat, dessen Internetzugriff wird automatisch verlangsamt. Möchte er schnelleren Zugriff auf die Daten erhalten, muss er zusätzlich zahlen.

Ausgenommen von dieser Verlangsamung hat die Telekom aber ihre eigenen Angebote. Ihre Videos und Filme können die Kunden trotz der Drossel-Drohung weiterhin nach Herzenslust in unbegrenzter Menge und ebenso ungedrosselter Geschwindigkeit herunterladen.

Damit verletzt die Telekom allerdings die sogenannte „Netzneutralität“. Anbieter von Internetanschlüssen dürfen danach keine Inhalte bevorzugen oder benachteiligen. Der Surfer muss selbst entscheiden, was er im Internet ansteuert, ohne dass sein Provider ihn dabei bevormundet.

Dieses hohe Gut hochzuhalten, ist absolut richtig. Die Telekom hat die heftige Kritik an ihrer neuen Tarifstruktur zweifelsfrei voll verdient.

Was aber ist mit Facebook und Google, wo die Netzneutralität auch längst in Frage gestellt wird. Zwar sind sie keine Anbieter von Zugangsdiensten wie die Telekom, aber auch sie steuern ihre User sehr geschäftstüchtig und oft unbemerkt durch die weltweiten Wege des Internets.

Google sortiert das Ranking seiner Suchmaschine beispielsweise danach, was der jeweilige User zuvor gesucht und angeklickt hat. Mit Hilfe sogenannter „Cookies“ auf dem Rechner der User erkennt Google sie wieder und offeriert ihnen dann individuell abgestimmte Ergebnislisten und Werbeeinblendungen.

Facebook wollte gar eine „App“ auf den Markt bringen, die gleich beim Einschalten des Handys alle weiteren Aktionen des Users kanalisiert. Facebook erfährt dann, welche anderen Angebote der User ansteuert und wie er sich durch das Web bewegt. Diese Kenntnisse will Facebook natürlich für Werbezwecke und die Ausgestaltung eigener Angebote nutzen.

User sollten sich also nichts vormachen: Neutral ist das Netz schon lange nicht mehr. Dennoch sollten sie dafür kämpfen, dass das hohe Gut der Netzneutralität den Respekt erhält, den es verdient.

Die PR-Berater der Telekom sollten sich die Frage stellen, ob sie den Begriff „Netzneutralität“ vielleicht missverstanden haben. Man könnte nämlich meinen, sie hätten gedacht, dass Netz verhielte sich zu jeder Schweinerei neutral. Glücklicherweise ist dem aber nicht so.

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