Vorwärts und nicht vergessen: Der 1. Mai im Alten Busdepot und auf dem Elisabeth-Blochmann-Platz

Vor 35 Jahren habe ich zum ersten Mal am 1. Mai in Marburg mitgefeiert. Im Alten Busdepot an der Gisselberger Straße fanddamals ein vielfältiges Kulturprogramm statt, während die Busse vorübergehend draußen vor der Halle standen.

Auch nachdem die Busse am Krekel einen neuen Betriebshof erhalten hatten, blieben die Gewerkschafter zunächst im Alten Busdepot. Hier hatte schon die Straßenbahn ihre Remise gehabt. Hier standen nun Müllwagen und Kehrmaschinen, die später dann auch Platz auf dem Nachbargrundstück vom Verkehrsbetrieb am Krekel fanden.

Das Büro des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) befand sich damals noch im „Affenfelsen“ an der Gisselberger Straße. Dort saß eine kleine Frau und vollbrachte Großes.

Richtig kennengelernt habe ich Käte Dinnebier erst 1987. Damals habe ich sie für den „Marburger Rundblick“ interviewt.

Die Maiveranstaltungen des DGB gehörten aber schon seit Ende der 70er Jahre zu meinem festen Jahresprogramm. Hier traf man Kommilitonen und Freunde, Prominente und Gewerkschafter Hier trank man Bier, aß Bratwürstchen und hörte dem Kulturprogramm zu.

Tausende waren das damals noch, die nach der Kundgebung auf dem Marktplatz zum Alten Busdepot zogen. Marburg war „gewerkschaftlich orientiert“, was zum großen Teil die Ausrichtung der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) auf die Deutsche Demokratische Republik (DDR) umschrieb.

Die meisten Gewerkschafter aber waren Sozialdemokraten. In den 70er Jahren war das noch eine im Arbeitermillieu verankerte Partei.

Unter der Kanzlerschaft von Helmut Schmidt änderte sich das spürbar. Die Grünen kamen auf. Auch in den Gewerkschaften verlor die SPD allmählich an Boden.

Ende der 80er Jahre zog der DGB Marburg um in die Liebigstraße. Die Maifeiern fanden fortan im Hof des Hauses statt, wo sich heute die jüdische Synagoge befindet.

Wegen Beschwerden über den Lärm veranstaltete der DGB seine Maifeier dann beim Alten Gaswerk auf den Afföllerwiesen. Begeistert war ich damals von der Mairede des IG-Medien-Landesvorsitzenden Berthold Balzer, dessen Einladung ich im Maiausschuss des DGB vorgeschlagen hatte.

Immer dabei in all den Jahren war Käte Dinnebier. Als sie nicht mehr Vorsitzende des DGB-Kreises Marburg war, organisierte sie die DGB-Senioren. Daraufhin waren die Rentner beinahe aktiver als die Berufstätigen im DGB.

Käte hatte wohl auch das Theater am Schwanhof (TaSch) als Ort für den Seniorennachmittag am 30. April ausgekundschaftet. Bis zur Berufung von Matthias Faltz zum Intendanten des Hessischen Landestheaters Marburg fanden die Maifeiern dort statt.

Danach zogen die DGB-Senioren in die Waggonhalle. Die Abschlusskundgebung des Maiumzugs und die anschließende Maifeier wurden auf den Elisabeth-Blochmann-Platz verlegt.

Immer dabei waren Käte Dinnebier und Erdmuthe Sturz, bis beide im Herbst 2010 von uns gingen. Ich halte die Tradition nun ohne sie weiter aufrecht.

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