Weihrauch und Schulterklopfen: Wenn Pressemitteilungen dem Leser stinken

Selbstlob stinkt. Wenn diese alte Volksweisheit zutrifft, dann ist der Geruch in der PR-Branche kaum auszuhalten.

Viele PR-Agenturen schreiben Pressemitteilungen nicht für die Leserschaft, sondern für ihre Auftraggeber. Schließlich wollen sie ja weitere Aufträge bekommen. Also buhlen sie mit beweihräuchernden Passagen um die Gunst der Firmen, deren Anliegen sie in die Öffentlichkeit tragen wollen.

Selbst bei der klassischen Werbung mag allzu viel Selbstbeweihräucherung mögliche Kunden eher abschrecken; noch unangemessener ist sie jedoch in Pressemitteilungen. Schließlich ist Journalisten Werbung im redaktionellen Teil nach den Regeln der Berufskunst untersagt. Zum Verdruss vieler Leser halten sich einige Medien jedoch nicht an diese Regel.

Geradezu gedrängt werden sie dazu von Agenturen, die ihnen Werbebotschaften als „Pressetext“ auftischen. „Erfolgreiche“ oder „einmalige“ Aktionen werden da mit schmückenden Adjektiven hochgejubelt, bis mögliche Fakten völlig im Neben des werbenden Weihrauchs untergegangen sind.

Viele Pressestellen von Behörden, Verbänden und Firmen machen es kaum anders. Hier sind es die Vorgesetzten, denen die Pressesprecher lieber gleich lobhudelnde Texte vorsetzen, um dann selbst eine Belobigung zu bekommen.

Das Schulterklopfen verbreitet sich in der PR wie ein Virus. Superlative und Übertreibungen ersetzen informative Fakten.

Gute Journalisten können solche Texte eigentlich nur aussortieren. Gutmütige Redakteure streichen alle wertenden Adjektive aus dem Text, bis nur noch die Kernbotschaft übrig bleibt.

allerdings verursacht das einen hohen Arbeitsaufwand. Wer also wirklich ein wichtiges Anliegen hat, sollte es nüchtern und sachlich darlegen und so an die Presse weiterleiten. Dann hat er gute Chancen, dass seine Pressemitteilung auch veröffentlicht wird.

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