Bücherverbrennung am 10. Mai 1933: Faschistischer Angriff auf den freien Geist

Erst haben sie Bücher ins Feuer geworfen; dann haben sie Menschen in Gaskammern ermordet. In 22 deutschen Städten haben Nationalsozialisten am 10. Mai 1933 Bücherverbrennungen durchgeführt.

Auf dem Kempfrasen im Marburger Südviertel übergaben Studenten Hunderte von Büchern den Flammen. Gleiches geschah zeitgleich auch in Berlin, Bonn, Bremen, Frankfurt oder Göttingen.

Die Aktionen fanden in Universitätsstädten statt. Organisert wurden sie von der Deutschen Studentenschaft unter maßgeblicher Beteiligung des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbunds (NSDStB). Die Aktion „wider den undeutschen Geist“ richtete sich gegen jüdische, marxistische, pazifistische und freigeistige Schriftsteller.

In einer theatralisch inszenierten Zeremonie warfen die Studenten die Bücher ins Feuer. Dabei sagten sie – oft unter dem Jubel der Anwesenden – „Ich übergebe die Bücher von“ und dann den Namen des jeweiligen Autors „dem Feuer“. Erich Kästner beschrieb, wie er mit ansah, wie seine eigenen Bücher in die Flammen geworfen wurden.

Die Bücherverbrennung war eine frühe Einstimmung auf die Vernichtungspolitik des „Tausendjährigen Reichs“. Erschreckend ist, dass die mörderische Ideologie Adolf Hitlers Zulauf gerade unter Studenten fand. In Marburg waren bereits vor der Machtergreifung Hitlers die meisten Professoren und viele Studenten Faschisten, was sich auch in den Wahlergebnissen vor Ort ausdrückte.

Bücher verkörpern Geist in einer zu Papier gebrachten Form. Dieser Geist war den Nazis offenbar nicht geheuer.

Ihr Ungeist vernichtete den Geist der Literatur ebenso wie den Geist der Kultur und das jüdische Leben in Deutschland und den annektierten Gebieten. Mit der Literatur und ihren Ideen von Freiheit, Frieden und Gerchtigkeit setzte zeitverzögert auch das Sterben von Millionen Menschen ein.

Erst waren es Behinderte, die die Nazis als „unnütze Esser“ und „lebensunwertes Leben“ aussonderten und vergasten. Ihnen folgten Juden, Roma und Sinti, Homosexuelle, Kommunisten, Sozialdemokraten, Pazifisten und Christen sowie Widerstandskämpfer jeglicher Couleur.

„Am Anfang war das Wort“, steht es in der Bibel. Dann fährt das Buch prophetisch fort: „Und das Wort ist Fleisch geworden.“

Damit Menschen nie wieder um ihr Leben fürchten müssen wegen ihrer Gesinnung, sexuellen Orientierung, Herkunft oder Hautfarbe muss die Menschheit allen Formen von Faschismus widerstehen. Nach wie vor gilt die Forderung der Überlebenden des Zweiten Weltkriegs: „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!“

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Ein Kommentar zu “Bücherverbrennung am 10. Mai 1933: Faschistischer Angriff auf den freien Geist

  1. Aus Wikipedia:
    === Zitatanfang ===
    […]
    „Bücherhinrichtungen“ sind ein die Entwicklung der Menschheit begleitendes Phänomen, das sich durch die gesamte erfahrbare Geschichte zieht. Erste Buchexekutionen sind bereits aus der Antike bekannt, prägten aber vor allem die Epoche des 17. und 18. Jahrhunderts, die Blütezeit der Bücherhinrichtungen in Europa. Ungenau ist die Terminologie „Bücherverbrennung“, die sich im deutschsprachigen Raum weitestgehend unabhängig etabliert hat, denn sie spiegelt nur einen kleinen Teil des weitläufigen Spektrums der Hinrichtung unliebsamen Gedankengutes (Katja Lehman). Im öffentlichen Bewusstsein hat sich der Begriff „Bücherverbrennung“ festgesetzt, da Bücherhinrichtungen (tatsächlich und vornehmlich) durch das Feuer vollzogen wurden.
    Bereits Kaiser Diokletian ließ in Konstantinopel die Schriften der Christen verbrennen. (Siehe dazu Märtyrer der heiligen Bücher und Diokletianische Christenverfolgung.) Im Mittelalter bezeichnet Autodafé die Verbrennung ketzerischer Bücher als Vollstreckung eines Urteils der Inquisition. In der Neuzeit bedienten sich französische Revolutionäre und britische Truppen in Nordamerika dieses extremen Mittels ihrer Politik und brannten Teile der Bibliothèque Nationale bzw. die Library of Congress nieder. Die Gründe blieben über Jahrhunderte die gleichen: Die Aussagen der Bücher seien politisch untragbar, falsch, gefährlich, verleumderisch, obszön oder verderblich. Die Versuche, unerwünschte Bücher zu verbieten, gipfelten dabei oft in publikumswirksam inszenierten öffentlichen Bücherverbrennungen. Das Zeremoniell passte sich den jeweiligen Gepflogenheiten an. Während bis zum Ende des 18. Jahrhunderts noch die Kirchenglocken läuteten und ein Scharfrichter die Strafe vollstreckte, indem er das Buch auf einen Scheiterhaufen warf, geht man heute gewöhnlich leiser vor und entzieht sich – bedingt durch die negative Assoziationskraft zur Bücherverbrennung 1933 – oft der Aufmerksamkeit der Medien. In moderner Zeit werden neben Büchern auch andere missliebige Publikationsformen wie Tonbänder, Schallplatten, CDs oder Videobänder verbrannt.
    […]
    === Zitatende ===
    Da man Web-Seiten schlecht verbrennen kann, faellt entsprechendes wohl unter den Oberbegriff Biblioklasmus.
    Was ist eigentlich aus der Performance geworden 60000 Exemplare von „Deutschland schafft sich ab“ verbrennen zu wollen? Der Kuenstler hatte ja etwas Muehe auch nur ein Buch fuer sein Kunstwerk zu bekommen.
    Und klar, nie wieder Krieg und so.
    Deshalb: Einer, der das Rauchen aufgeben will, verschenkt seine Zigaretten und ein Land, dass nie wieder Krieg fuehren will, seine U-Boote.

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