Reportage: Persönlich und sachlich im Reißverschlussverfahren

Die Reportage ist die wohl ausgefeilteste journalistische Textsorte. Im Reißverschlussverfahren verzahnt sie einen subjektiven Erzählteil und einen sachlichen Berichtsteil zu einem lebendigen Text über einen aktuellen Vorgang.

Selbst erfahrene Journalisten benutzen das Wort „Reportage“ aber nicht immer korrekt. Mitunter verwenden sie es im Rückgriff auf die französische Sprache als Synonym für „Bericht“. Doch die Klassische Reportage folgt ausgefeilteren Regeln als ein „simpler“ .

Ihr Erzählteil wird von einem subjektiven „ich“ oder „wir“ geschildert. In der ersten Person beschreibt der Autor seine persönlichen Gefühle und Beobachtungen.

Auf diesen subjektiven Teilg folgt jedoch schon im nächsten Absatz der Sachteil mit neutralen Informationen zu dem geschilderten Vorgang und seinen Hintergründen. Er hält sich eher an den distanzierten Schreibstil eines Berichts.

Im nächsten Absatz folgt dann wieder der subjektive Erzählteil. Abwechselnd erzählt der Autor nun seine persönlichen Eindrücke und wechselt dann wieder zum sachlichen Ton der Informationswiedergabe. Hin und her ändert sich der Stil von narrativen Schilderungen zu sachlichen Informationen und wieder zurück.

Tempus der Reportage ist das Präsenz. Dadurch entsteht beim Lesenden der Eindruck zeitlicher und somit zugleich auch inhaltlicher Nähe. Das Geschehen findet in der Gegenwart unmittelbar vor dem geistigen Auge der Lesenden statt.

Der Autor nimmt sie sozusagen an die Hand. Er knüpft einen roten Faden durch die Geschichte, die er lebendig beschreibt und zwischendurch mit Fakten auffüllt. So vermittelt die Reportage nüchterne Informationen über eine lebendige Beschreibung persönlicher Empfindungen.

Das Reißverschlussverfahren portioniert die sachlichen Informationen in kleine Häppchen, auf die dann immer das schmackhafte Sahnehäubchen der subjektiven Schilderung des Erlebten folgt. Dadurch wird die Klassische Reportage letztlich zu einer spannenden Geschichte.

Die Reportage beginnt und endet immer mit dem subjektiven Erzählteil. Er vermag die Lesenden besser in seinen Bann zu ziehen als der Sachteil.

Auch wenn dieser Textaufbau mehr Platz erfordert, wirkt das Ergebnis meist kurzweiliger und interessanter als ein nüchterner Bericht. Allerdings hat der Verfasser damit einen wesentlich höheren Arbeitsaufwand.

Doch die zusätzliche Zeit macht sich meistens bezahlt. Eine gute Reportage lässt die Lesenden am Ende mit dem Eindruck zurück, sie seien bei dem geschilderten Ereignis selber hautnah mit dabeigewesen.

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Ein Kommentar zu “Reportage: Persönlich und sachlich im Reißverschlussverfahren

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