100 Tage und drei Wahlen: Entscheidung für Bund, Land und Kreis

Auf gleich drei Wahlen muss ich mich in den nächsten 100 Tagen vorbereiten. Zeitgleich finden am Sonntag (22. September) die Bundestags-, die Landtagswahl in Hessen und die Entscheidung über einen neuen Landrat im Kreis Marburg-Biedenkopf statt.

Längst haben alle Parteien und Kandidaten in den Wahlkampfmodus geschaltet. Beschimpfungen und Herabwürdigungen der Konkurrenten gehören ebenso dazu wie peinliches Selbstlob der eigenen Positionen.

Jeder weiß, kann und macht alles besser als alle anderen. Jeder verspricht seinen Wählern das Blaue vom Himmel herab. Nur die eigenen Parteifreunde sind die Wahren, Schönen, Guten.

„Blockupy-Nichtsnutze“ wollen einige recht ordentliche Herrschaften der CDU Marburg-Biedenkopf wohl am liebsten von der Straße knüppeln. Erst, als sie merken, welch undemokratische Haltung sie damit übr Twitter verbreitet haben, rudern sie eilig zurück.

Für die anderen Parteien ist das natürlich ein gefundenes Fressen. Damit können sie gut ablenken von eigenen Versäumnissen und Leerstellen in ihren Programmen.

Eine Leerstelle der unerwarteten Art musste die SPD kurzfristig auffüllen. Aus persönlichen Gründen hatte der Amöneburger Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg seine Bewerbung für das Amt des Landrats zurückgezogen. Zum Erstaunen vieler Sozialdemokraten zog der Parteivorstand daraufhin Kirsten Fründt als Landratskandidatin aus dem Hut, die selbst langjährig aktive „Parteisoldaten nicht kannten.

Drei Wahlen am selben Tag werden zu einem echten Kreuz. Wahrscheinlich wird die Bundestagswahl alle anderen Entscheidungen überschatten, wenngleich die Signale hier ziemlich klar auf Schwarz stehen. Spannend wird allerdings, ob es erneut zu Schwarz-Gelb, zu Schwarz-Rot oder gar zu Schwarz-Grün kommen wird.

Eine Koalition der CDU mit den Grünen halte ich für wahrscheinlich. Wenn es um die Wurst geht, dann koalieren auch Parteien miteinander, die sich sonst nicht gerade grün sind.

Was man sich von den vorherigen Versprechen der Politiker hinterher versprechen darf, das kann man ohnehin in dem Verb „versprechen“ in der Bedeutung einer irrtümlichen Aussage erkennen. Dem Versagen der Politik in Sachen Demokratie sollte man entgegentreten, indem man den Versagern seine Stimme versagt.

Wählen indes sollte man unbedingt. Wer nicht wählt, stützt damit immer diejenigen, die er am wenigsten am Drücker sehen will.

Bei der Wahl hat man wenigstens noch eine Wahl. Mitunter ist es die Wahl zwischen Cholera, Pest und Keuchhusten. Aber beim Zwang zur Hinnahme der nachher ins Amt gehievten Politiker hat man dann kaum noch eine Wahl.

Deshalb sollte man sich in der Zeit vorher schlau machen und die Kandidaten ausgiebig löchern, kritisch befragen und zu einem demokratischen Kurs drängen. Noch haben die Wahlberechtigten 100 Tage Zeit dafür. Und dann heißt es nur noch: Ab an die Urnen!

Advertisements