Passiv mit Hilfsverb: Die Sprache konnte gerettet werden

„Er konnte gerettet werden“, schreibt der Polizeibericht. Menschen mit Sprachgefühl indes fragen sich bei diesem Satz, ob die Rettung wirklich den Fähigkeiten des Geretteten geschuldet ist oder nicht vielleicht eher doch denen der Retter.

„Das musste einmal gesagt werden.“ Auch hier taucht wieder das Passiv mit einem Hilfsverb auf. Hier aber ist es der Inhalt der Aussage, der unbedingt hinaus musste.

Grundsätzlich sollte man Passiv-Hilfsverb-Konstruktionen nach Möglichkeit aber vermeiden. Meist wirken sie gekünstelt, schwerfällig und schwer verständlich. Häufig entspringen sie der vernebelnden Sprache von Bürokraten.

„Die Randalierer mussten in Gewahrsam genommen werden“, heißt es da beispielsweise. Nicht klar wird dabei, wer diese „Randalierer“ verhaftet hat. Ebensowenig sagt der Satz aus, warum der ungenannte Akteur – vermutlich einige anonyme Polizisten – die angeblichen „randalierer“ hat festnehmen „müssen“.

Passiv-Hilfsverb-Konstruktionen verfolgen häufig das Ziel, die wahren Akteure und ihre Beweggründe im Unklaren zu belassen. Solche Formulierungen sollen und wollen ihre Adressaten in die Irre führen.

Guter Journalismus vermeidet derartige Sätze. Nach dem Prinzip der fünf „W“ nennt er Ross und Reiter: „Wer“ hat wann wo was warum wie getan?

Oft kann man in einem Satz im Passiv mit Modalverb das Hilfsverb einfach streichen: „Er wurde gerettet.“ Oder man formuliert den Satz aktiv: „Die Helfer konnten ihn retten.“

Vielleicht steht am Ende eines Nachdenkens über die Sinnhaftigkeit solcher Passiv-Konstruktionen die Erkenntnis, dass der Schreibende die deutsche Sprache retten muss. Ansonsten bliebe die Aufforderung „Die deutsche Sprache muss gerettet werden“ ohne konkreten Adressaten. Aber in manchen Fällen ist genau das ja vielleicht auch erwünscht.

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Ein Kommentar zu “Passiv mit Hilfsverb: Die Sprache konnte gerettet werden

  1. Mir fällt auf, dass das Passiv in der Berichterstattung immer mehr um sich greift, Waren früher hauptsächlich Blogs von Privatpersonen betroffen, macht sich das Passiv leider auch bei renommierten Magazinen und Tageszeitungen breit. 😦

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