Kennedy am Schöneberger Rathaus: Ich bin ein Berliner

„ich bin ein Berliner“, sagte der US-Präsident John F. Kennedy am 26. Juni 1963 vor dem Rathaus Schöneberg. Die Gänsehaut ist mir noch genau in Erinnerung, die selbst mir mit meinen acht Jahren damals den Rücken heruntergelaufen ist.

Vor rund 1,5 Millionen Menschen bekundete der gutaussehende Hoffnungsträger der westlichen Welt seinen „Stolz“ darüber, mit seinem Bekenntnis zu Berlin zugleich auch einen Schwur auf die „Freiheit“ abgelegt zu haben. Der Jubel der Menge war ihm dabei sicher.

Stattgefunden hat die Rede in Berlin zum 15. Jahrestag der Berlin-Blockade. Die drei Westsektoren Berlins wurden von den sogenannten „Rosinenbombern“ in dichtem Takt über eine Luftbrücke mit allem Lebensnotwendigen versorgt.

So war auch General Lucius D. Clay als Kommandeur dieser gigantischen Militäraktion der wahre Held für die Berliner. Mit ihm und dem damaligen Regierenden Bürgermeister Willy Brandt an seiner Seite fiel Kennedys auf Deutsch gesprochene Bekenntnis zu Berlin auf einen überaus fruchtbaren Boden.

Einen Tag zuvor hatte Kennedy bereits auf dem Frankfurter Römerberg gesprochen. Die Bezeichnung der Paulskirche als „the Cradle of German Democracy“ ist indes nicht so nachhaltig im kollektiven Gedächtnis geblieben wie Kennedys Bekenntnis „Ich bin ein Berliner“.

Jahre später habe ich erfahren, dass Kennedy sich erst in letzter Minute dazu entschlossen hatte, die Zuhörer auf Deutsch anzusprechen. Im Schöneberger Rathaus hat der Journalist und Dolmetscher Robert H. Lochner mit ihm die Aussprache eingeübt. Gerade dieser Satz hat Geschichte geschrieben und Kennedy tief in die Herzen der Deutschen eingeschlossen.

Für mich blieb Kennedy gerade auch nach seinem Tod ein Sympathieträger. Seine Ermordung halte ich nach wie vor für ein Komplott amerikanischer Geheimdienstmitarbeiter und möglicherweise auch der Mafia.

In meiner Jugend sah ich Kennedy ebenso als einen zukunftsorientierten Reformpolitiker an wie Brandt. Nach dem reaktionären Mief der 50er Jahre brachen beide in eine Zeit der politischen, sozialen und sexuellen Befreiung auf.

Jahrelang haben mich auch die Geschichten über die mondäne Präsidenten-Gattin Jacqueline Kennedy und ihre spätere Ehe mit dem griechischen Reeder Aristoteles Onassis begleitet. Aber das Interesse daran wurde mit zunehmender Zeit immer weiter abgenutzt.

Nach wie vor aber fasziniert mich dieser US-Präsident Kennedy. Das Geheimnis seiner Ermordung lässt mich immer noch erschaudern.

US-Präsident Barack Obama wollte mit seiner Rede vor dem Brandenburger Tor an Kennedy anknüpfen. Nicht zuletzt deswegen wiederholte er dessen berühmten Satz. Trotzdem konnte er kaum jemanden wirklich überzeugen.

1963 waren die Deutschen dankbar für die Solidarität, die Kennedy damit ausdrückte. Berlin als „Insel“ inmitten eines „feindlichen“ Umlands wusste aus bitterer Erfahrung, wie wichtig diese Solidarität notfalls auch mit einer ganzen Armada von Flugzeugen war.

Meine Kindheit fällt in die Zeit des „Kalten Kriegs“. Meine Jugend erlebte ich in den Jahren der 68er und der „Ostpolitik“ des Bundeskanzlers Brandt. Die von meinem Vater übernommene Sympathie für die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) geriet erst durch den Vietnam-Krieg und den Putsch gegen den demokratisch gewählten sozialistischen Präsidenten Salvador Allende in Chile ins Wanken.

Kennedy und Brandt sind mir als „Befreier“ in guter Erinnerung geblieben. Auch die eine oder andere kritische Position zu ihnen vermag an diesem Bild aus meiner Kindheit nicht mehr wirklich zu rütteln.

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Ein Kommentar zu “Kennedy am Schöneberger Rathaus: Ich bin ein Berliner

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