Nicht in Stein gemeisselt: Journalismus ist aktuelles Tagesgeschäft

Journalismus ist ein schnelllebiges Geschäft. Aktuelle Texte werden meist unter Zeitdruck erstellt. Doch die Leserschaft meint mitunter, die Artikel müssten wissenschaftlichen Ansprüchen genügen.

Selbst von Berichten über aktuelle Ereignisse erwarten einige Leser, dass die Journalisten die Hintergründe des jeweils behandelten Themas intensiv recherchiert haben. Auch Dinge, die in der Veranstaltung selbst niemals zur Rede kamen, müsse der Journalist in seinem Bericht widerspiegeln.

Würden Journalisten so arbeiten, gäbe es keine Tageszeitungen und keine aktuellen Nachrichten. Weder im Printbereich, noch in Radio und Fernsehen oder im Internet ist eine zeitnahe Berichterstattung über aktuelle Ereignisse unter solchen Bedingungen möglich.

Wenn Autoren zusätzlich zur Dauer der jeweiligen Veranstaltung und zur Arbeitszeit für die Ausformulierung und journalistische Aufarbeitung noch stundenlang über alle genannten Fakten, Fachwörter und dazugehörigen Theorien recherchieren müssten, könnten ihre Artikel erst Tage oder Wochen nach dem zugrundeliegenden Ereignis erscheinen. Das übliche Honorar für Freie Journalisten deckt derart hohe Aufwendungen an Zeit und Arbeitskraft schon gar nicht ab.

Journalisten sind Generalisten. Zumindest in der Lokalzeitung müssen sie ohne größere Vorbereitung über vollkommen unterschiedliche Themen berichten.

Spezialisten für nahezu alle regelmäßig vorkommenden Themen können sich regionale Publikationen kaum leisten. Zudem trübt allzu viel fachwissenschaftliches Herangehen an ein Thema oft die Fähigkeit zur allgemeinverständlichen Umsetzung.

Tiefschürfende und langatmige Artikel möchte die Mehrheit des Publikums ohnehin nicht lesen, hören oder sehen. Das Informationsinteresse beschränkt sich meist auf die wichtigsten Fakten, Aussagen und Hintergründe. Nur sehr spannend geschriebene Texte werden gelesen, wenn sie länger als 4.000 oder 5.000 Zeichen sind.

Nun könnte ein kritischer Laie denken, angesichts dieser Grundbedingungen müsse Journalismus oberflächlich und mangelhaft daherkommen. Doch Oberflächlichkeit im Sinne von Zuspitzung auf das Wesentliche muss kein Mangel sein.

Guter Journalismus zeichnet sich durch Verständlichkeit und Klarheit aus. Gute Journalisten recherchieren dort auch nach, wo sie selber Widersprüche, Unstimmigkeiten oder Fehler erkennen oder vermuten.

Doch klar muss sein: In aller Regel ist Journalismus Tagesgeschäft. Journalistische Texte sind keine Doktorarbeiten. Sie werden nicht für die Ewigkeit in Marmor gemeisselt.

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