Heil Dir im Siegerkranz: Der gedopte Journalismus vergießt Krokodilstränen

Wieder einmal verrät die Sprache das Denken. Über Doping im Fußball sagte der Einstige Fußball-Nationalspieler Wolfgang Overath, die Diskussion darüber schade dem Sport. Wohlgemerkt findet er die Diskussion schädlich und nicht das Doping!

Längst ist jedem einigermaßen realistischen Betrachter klar, dass Spitzensport ohne Doping kaum möglich ist. Wer bei der Tour de France überhaupt durch´s Ziel kommen möchte, hat ohne die Einahme leistungssteigernder oder die Kräfte fördernder Mittel kaum eine Chance. Wer bei Leichtathletik oder Ausdauersport Spitzenleistungen erreichen will, tritt gegen eine breite Konkurrenz gedopter Mitstreiter an.

Wer Doping in diesen Disziplinen kategorisch ausschließt, betrügt entweder andere oder zumindest sich selbst. Wer beteuert, er kämpfe entschieden gegen Doping, verschließt entweder seine Augen einschließlich der Hühneraugen vor der Realität, oder er verkauft seine Zuhörer für dumm.

Die Wirtschaft dopt den Sport mit Milliardenbeträgen. Von Sponsoring und Werbing sind die meisten Sportler und ihre Vereine längst abhängig.

Das große Geld hat den Sport korrumpiert. Kohle kriegt man dort nur für Spitzenleistungen. Die wiederum sind aber kaum möglich ohne Doping.

Eine Studie, die das systematische Doping in Westdeutschland spätestens seit Beginn der 70er Jahre offenbart hat, wurde denn auch lange zurückgehalten, um die unangenehme Wahrheit zu unterdrücken. Als sie dann doch veröffentlicht wurde, waren zahlreiche Namen geschwärzt.

Die Empörung vieler Journalisten darüber ist verständlich. Dennoch weint so mancher von ihnen heiße Krokodilstränen. Denn mit ihrer ausufernden Berichterstattung über die Tour de Trance, die Olympischen Spiele und manche andere Sportart sowie die Stilisierung von Spitzensportlern zu Superstars haben die Medien auch ihr Teil zum Betrug an einem ehrlichen Sport beigetragen.

Auf diese Weise haben manche Journalisten mit gedopt, indem sie die höchstwahrscheinlich gedopten Spitzensportler für das Publikum zu Helden erklärt und wider besseren Wissens einen angeblich „sauberen Sport“ hochgehalten haben. Nur wenige Berichterstatter haben die Leistungen kritisch hinterfragt und über Doping ausgiebig informiert.

Sicherlich waren die Strukturen in den Medien für viele ein Grund, sich nicht zu sehr gegen die vorherrschende Praxis im Sport aus dem Fenster zu lehnen. Gleiches gilt aber auch für Athleten und sogar für ihre Trainer. Ohne Doping kommt man im Leistungssport heutzutage nicht mehr allzu weit.

Leider gilt das inzwischen sogar für den Behindertensport. Auch er hat sich in einigen Teilbereichen bereits dem perfiden Leistungsdenken der Kommerzialisierung des Menschen unterworfen.

Dagegen gibt es eine einfache Gegenwehr. Über Leistungssport sollten die Medien entweder anders oder aber gar nicht berichten.

Anders könnte eine Berichterstattung aussehen, die weniger die Gewinner in ihren Mittelpunkt rückt als die Teilnahme und die Freude der Athleten an ihrem Sport. Journalisten könnten auch über diejenigen berichten, die als Letzte ins Ziel kommen und glücklich sind, es überhaupt geschafft zu haben. Zudem könnten Journalisten vielleicht mehr über den Breitensport berichten, der ja die Masse des sportlichen Geschehens in der Region ausmacht.

Doping schadet dem Sport, weil es ihn unglaubwürdig macht. Doping schadet den Sportlern, weil es ihre Gesundheit kaputtmacht. Doping schadet auch dem Journalismus, weil es ihn zum Mittäter beim Betrug an gutgläubigen Sportinteressierten macht.

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