Dramatisches Versagen des Journalismus: Die Gier nach Sensationen bei der Geiselnahme von Gladbeck

25 Jahre ist die Geiselnahme von Gladbeck jetzt her. Bankräuber nahmen am 16. August 1988 Geiseln, als die Polizei sie überraschte.

In Bremen kaperten sie einen Linienbus mit 32 Insassen. Einen Jungen erschossen sie, als ein Polizist ihre Mittäterin verhaftete.

Das Drama endete am 18. August 1988 mit dem Tod einer zweiten Geisel. von der Flucht in Gladbeck über die Fahrt nach Bremen und über die holländische Grenze bis nach Köln war ein ganzer Tross von Journalisten immer hautnah am Geschehen.

Beim Kölner Dom hielten die Geiselgangster sogar eine improvisierte Pressekonferenz ab. Der später getöteten Geisel hielt einer dabei die Pistole an den Kopf. Drweil stellten Radioreporter der Frau ihre Fragen.

Aufmerksam geworden bin ich selbst erst richtig, als die Rede von einem Bus war, den die Gangster gekapert hatten. Von da an verfolgte ich das Geschehen distanziert und mit widerwilligem Schaudern.

Ungeheuerlich fand ich das Interview am Kölner Dom. Ich fragte mich, wie Journalisten nur so sensationsgeil sein konnten, eine Geisel zu interviewen, als drehe man gerade einen Kriminalfilm. Auch fragte ich mich, warum sie sich selbst dermaßen in Gefahr begaben.

Ein Kollee berichtete mir später, er sei einer der Journalisten im Tross gewesen. Irgendwann sei sein Wagen der erste in der Kolonne gewesen und direkt hinter dem Auto der Geiselnehmer gefahren. Da sei ihm plötzlich bewusst geworden, in welcher Gefahr er sich gerade befand.

Viele Diskussionen um journalistische Ethik hat diese Geschichte später ausgelöst. Dennoch könnte sie sich vermutlich jederzeit wiederholen.

Einen hervorragenden Beitrag zu diesem Thema hat Jens Bertrams geschrieben. Er betrachtet sehr selbstkritisch die 18 stunden makabre faszination.

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