Konzerte gegen Krieg und Faschismus: Zum Tod von Fritz Rau

Im Jazz sah er einen Ausdruck der Befreiung vom Faschismus. Gleich nach Kriegsende hat er deswegen noch als Jugendlicher begonnen, Konzerte mit dieser – von den Nazis zuvor verpönten – Musik zu organisieren. Am Sonntag (18. August) ist Fritz Rau in Kronberg im Alter von 83 Jahren verstorben.

Dreimal bin ich diesen eindrucksvollen Menschen persönlich begegnet. Am nachhaltigsten ist mir sein Zornesausbruch bei einem Konzert 1983 in der Offenbacher Stadthalle in Erinnerung.

Damals hatte Rau „Die grüne Raupe“ organisiert. Bekannte Musiker machten mit dieser Konzerttournee Wahlkampf für Die Grünen.

Noch genau entsinne ich mich der Situation, als Petra Kelly den Konzertveranstalter bei einer Sitzung der Grünen in ihrer damaligen Bundesgeschäftsstelle vorstellte. Einige hatten durchaus Bedenken, den berühmtesten deutschen Konzertveranstalter für den Wahlkampf einzuspannen, brachte er doch so umstrittene Künstler wie Peter Maffey mit auf die Bühne.

Doch die Begeisterung überwog eindeutig. Nicht zuletzt die Begeisterung des leicht schwäbelnden Impresario für Kelly überzeugte am Ende auch die meisten Zweifler.

Rau wollte sich für Frieden um Umweltschutz einsetzen. Allerdings schien er auch aus persönlicher Zuneigung zur bekanntesten Figur der Grünen gekommen zu sein.

Bei der Wahlkampftournee kam es dann zu dem Eklat in Offenbach. In der vollen Stadthalle machte sich der Frankfurter Musiker Frank wolf über die „Ökos“ lustig. Daraufhin trat Rau im Frack auf die Bühne und kündigte an, er werde dafür sorgen, Das Frank Wolf und sein Frankfurter Kurorchester keinen Auftritt mehr bekommen.

Im Landesvorstand der Grünen Hessen haben wir hinterher beschlossen, Wolf trotzdem zu Veranstaltungen einzuladen. Rau selbst hat sich erst Jahre später wieder mit Wolf versöhnt.

Die Rolling Stones hat Rau ebenso nach Deutschland geholt wie viele andere Größen von Jazz, Blues und Popmusik. Hielt er sich anfangs meist im Hintergrund, so drängte es ihn später, seine Erinnerungen aufzuschreiben und öffentlich darüber zu diskutieren.

Von den Grünen hatte er sich zwischenzeitlich entfernt. Treu geblieben ist er indes seinen Zielen Umweltschutz und Friedensarbeit. so organisierte er später Konzerte für die Friedensbewegung.

Im Radio hörte ich ihn einmal im Interview. Merkwürdig hörte es sich an, mir den – damals nicht mehr gerade jungen – Rau vorzustellen, als er sagte, er sei „ziemlich bekifft“ gewesen, als er die Musik zum ersten Mal gehört habe, die er dann auf die Bühne brachte.

Letztlich bleiben in meinem Kopf die Erinnerungen an einen politisch und musikalisch engagierten Mann und seinen tatkräftigen Einsatz für Frieden und Umweltschutz. Während andere Engelein im Himmel Harfe spielen, wird er dort ganz bestimmt mit Jimmy Hendrix rocken oder mit den Mangelsdorf-Brüdern jazzen.

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