Es begann mit einer Lüge: Erinnerungen zum Antikriegstag

„Ab 5.45 Uhr wird zurückgeschossen.“ Mit einer Geheimdienstaktion und einer Propagandalüge begann am 1. September 1939 der 2. Weltkrieg. Einen angeblichen Überfall polnischer Soldaten auf den deutschen Sender Gleiwitz nahm Adolf Hitler zum Vorwand für einen Einmarsch in Polen.

Den vorgeblichen Überfall hatte das Nazi-Regime selber inszeniert. Die Geheimdienstaktion sollte den Angriffskrieg als Strafaktion gegen das angeblich aggressive Polen tarnen. Spätestens zwölfeinhalb Jahre nach Kriegsbeginn wusste die ganze Welt, wer da auf grausamste Weise aggressiv gewesen war.

Mein Vater erzählte seinen Kindern immer wieder vom Krieg, auch wenn er vom Fronteinsatz verschont geblieben war. Als 17-jähriger Jugendlicher wurde er 1944 zwar zum Kriegsdienst gezogen, wegen einer schwerwiegenden Erkrankung aber nur in einer Schreibstube eingesetzt.

Auf zwei Krücken war er zur Musterung gehumpelt. Ohne ihn auch nur untersuchen, brüllte der Musterungsarzt sofort „Simulant! Ab an die Front!“

Dann sei es ihm aber doch noch gelungen, eine Untersuchung zu veranlassen, berichtete mein Vater. Daraufhin wurde er zum Bürodienst abkommandiert und musste jeden Tag auf seinen Krücken zum Schreibtisch humpeln.

Wieder und wieder hat mein Vater vom Sturm auf die Westerplatte berichtet. Danzig war 1939 ein eigenständiger Staat unter der Oberhoheit des Völkerbunds.

Die Geschehnisse damals hat Günter Grass in seinem Roman „Die Blechtrommel“ verarbeitet. Der Kampf um die Polnische Post mitten in Danzig war wohl der Beginn des Widerstands gegen das Nazi-Regime.

„Auch Amerikaner und Briten haben Kriegsverbrechen begangen“, sagte mein Vater. „Aber angefangen damit haben die Nazis.“

Selber musste er mit ansehen, wie ein britischer Bomber einen Flüchtlingstreck angriff. Den Piloten in der gläsernen Kanzel habe er gut erkennen können. Der Pilot habe auch die Frauen und Kinder sehen müssen, auf die er sein Maschinengewehr richtete udn abfeuerte.

„Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!“ So lautete auch das Fazit meines Vaters nach dem Ende des mörderischen Infernos. Das hat er zeitlebens zu verwirklichen versucht.

Obwohl er durchaus konservativ war, war mein Vater immer ein eindeutiger Antifaschist. Ihm war klar, dass die Nazis mit der Bombardierung von Coventry die Regeln der Genfer Konvention gebrochen und damit letztlich außer Kraft gesetzt hatten.

Das „Volk ohne Raum“ hatte Adolf Hitler schon lange vor Kriegsbeginn als Grund für eine Ausweitung des Deutschen Reichs angegeben. Alsder Nazi-Propagandaminister Josef Göbbels fragte „Wollt Ihr den totalen Krieg?“, da jubelten ihm die herbeigekarrten SA- und SS-Massen lauthals zu: „Ja!“

Heute sind die Menschen in aller Welt kriegsmüde. In DEutschland, Großbritannien und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) lehnen mehr als zwei Drittel der Bevölkerung einen Einmarsch in Syrien ab. Die Politiker jedoch betreiben weiterhin Kriegsrhetorik.

Offenbar haben die Menschen ihre Lehren gezogen; die Politiker hingegen nicht. Wahrscheinlich wirkt sich dabei der Lobbyismus aus, den Waffenschmieden, Ölkonzerne und andere Kriegsgewinnler heimlich ausüben.

Spätestens seit Gleiwitz und den erfundenen Chemiewaffen von Saddam Hussein als Grund für eine US-Intervention im Irak ist auch die Rolle der Geheimdienste als Kriegstreiber deutlich geworden. Zum Bekenntnis meines Vaters „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!“ füge ich deshalb die Forderung „Weg mit den Geheimdiensten!“ hinzu.

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