Der Nahe Osten war nicht weit weg: Am 6. Oktober 1973 begann der Jom-Kippur-Krieg

Am 6. Oktober 1973 begann der Jom-Kippur-Krieg. In einer gemeinsamen Aktion griffen Truppen arabischer Staaten am höchsten jüdischen Feiertag gleichzeitig von der Halbinsel Sinai und von den Golan-Höhen her Israel an.

In Erinnerung geblieben ist mir dieser Krieg als meine erste intensivere Auseinandersetzung mit dem Nahost-Konflikt. Im Gedächtnis geblieben ist mir aber vor allem die Ölkrise mit ihren Sonntagsfahrverboten im November und Dezember 1973.

Entsetzt reagierten alle Menschen herum auf den Angriff auf Israel während des Feiertags. Eindeutig waren meine Sympathien auf der Seite der angegriffenen Israeli. Erst allmählich wurde mir die vielschichtige Problematik der Situation im Nahen Osten bewusst.

Jede Kriegspartei konnte für sich die Rolle eines Opfers beanspruchen. Zugleich waren alle auch Täter, die erlittenes Unrecht als Rechtfertigung für neues Unrecht missbrauchten.

Angst machte sich breit vor einem Übergreifen des Kriegs auf das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) und der Sowjetunion (UdSSR), die die arabischen Staaten damals mit Waffen belieferte. Aus dieser Furcht heraus hatte die US-Regierung am 25. Oktober 1973 ihre Atomstreitkräfte in Alarmbereitschaft versetzt. Erst einen Tag später wurde dieser Alarm wieder aufgehoben.

Micht einverstanden mit der Unterstützung der meisten westlichen Regierungen für Israel waren Algerien, der Iran, der Irak, Katar, Kuwait, Libyen, Saudi-Arabien und dieVereinigten Arabischen Emirate. Mit einer Drosselung der Erdölförderung schraubten sie an der Preisspirale für Rohöl.

Auf das Embargo der „Organisation Öl-exportierender Länder“ (OPEC) reagierte die damalige Bundesregierung mit einem Sonntagsfahrverbot. Vom 25. November bis zum 23. Dezember 1973 durften an Sonntagen keine Privatautos fahren. Damit wollte man Benzin sparen, ohne die Wirtschaft nachhaltig zu schädigen.

An diese autofreien Sonntage erinnere ich mich noch sehr gut. Auf der sonst viel befahrenen Adenauerallee bin ich von Bonn nach Bad Godesberg gelaufen ohne Sorge, dass ich überfahren werden könnte. Nur jede halbe Stunde vielleicht kam einmal ein Auto vorbeigefahren.

Wo sonst der Verkehrslärm tobte, herrschte himmlische Ruhe. Nur Busse und Bahnen, Polizei- oder Feuerwehrautos sowie sehr wenige andere Autos waren unterwegs. Dafür füllten Radler und Rollschufahrer sowie Fußgänger die Fahrbahnen.

Den damaligen Postminister Horst Ehmke konnte man in der Straßenbahn von Bad Honnef nach Bonn antreffen. Der SPD-Politiker wollte schließlich mit gutem Beispiel vorangehen.

Ähnliche Verkehrsverhältnisse habe ich erst 30 Jahre später wiedererlebt, als Straßen für Umweltaktionen wie „Lahntal total“ oder „Tal total“ gesperrt wurden. Allerdings waren 1973 alle Straßen überall in der Bundesrepublik gesperrt und deshalb auch nicht so von Radlern und Fußgängern übervölkert wie später bei den Umweltaktionen.

Die Ersparnis an Kraftstoff war bei den autofreien Sonntagen 1973 übrigens weit geringer als erhofft. Allerdings dämmert nun auch dem unpolitischsten Zeitgenossen, dass die Vorräte an Öl endlich waren. Allmählich begann das Nachdenken über Umweltschutz und ein Umsteuern bei der Energieversorgung.

Auf diesem Gebiet ist zwischenzeitlich viel geschehen. Nach dem gefährlichen Irrweg über die Atomkraft ist die Energiewende hin zu Sonne, Wind und Wasserkraft wohl trotz der Widerstände einiger großer Stromkonzerne unumkehrbar.

Weniger positiv ist die politische Entwicklung im Nahen Osten. Die Gier nach dem Öl schürt immer neue Kriege, die dann als „humanitäre“ Befreiungsaktionen unterdrückter Menschen gegen gewalttätige Diktatoren ausgegeben werden.

So unmenschlich auch die Machthaber im Irak, in Libyen und Syrien handeln, so wenig menschenfreundlich ist die Beantwortung ihrer unterdrückerischen Politik mit Waffengewalt. Am Ende leiden immer diejenigen, die sich nicht schützen können vor Maschinengewehrfeuer, Raketenbeschuss, Panzergranaten und dem Bombardement mit Giftgas.

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