Spiel mir das Lied vom Tod vor Lampedusa: Ennio Morricone wird 85

Die Polizei von Rom verwendet eine seiner Kompositionen für ihre Telefon-Warteschleife. Ein anderes Stück von ihm vertröstet Anrufende bei der römischen Stadtverwaltung. Seine Songs gingen um die Welt; doch sein Name ist weitaus weniger bekannt als seine Musik.

Am 10. November 1928 wurde Ennio Morricone in Rom geboren. 2007 erhielt der Filmkomponist für sein Lebenswerk den Oscar.

Eigentlich wollte er ja zeitgenössische e-Musik komponieren; doch bekannt wurde der Komponist in den 60 er Jahren vor allem durch die sogenannten „Italo-Western“. Sein Schulkamerad Sergio Leone hatte ihn für seine Filme angeheuert und verdankte nicht zuletzt den Filmmusiken von Morricone ihren durchschlagenden Erfolg.

„Filmmusik braucht Raum, um sich entfalten zu können“, forderte Morricone. „Der Film muss der Musik Zeit geben, um sich zu entwickeln.“

Sehr deutlich veranschaulicht diese Aussage der Film „Sacco und Vanzetti“ über den Justizmord an zwei Gewerkschaftsführern in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA). Während Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti auf dem Elektrischen Stuhl um ihr Leben ringen, singt Joan Baez Morricones Requiem „Sacco und Vanzetti“. Es ist eines der eingängigsten und eindringlichsten Stücke von Morricone.

Weltbekannt wurde das Thema von „Spiel mir das Lied vom Tod“. Die Mundharmonika erklingt bedrohlich, während die Geier über der Szenerie kreisen. Heute spielt auch die Polizei von Rom ihren Anrufern Morricones „Lied vom Tod“.

Beim Marburger Stadtfest „3TM“ 2008 trat der Mundharmonika-Virtuose Rene Gießen mit diesem Stück auf. Während die Begleitband bei seinem Auftritt relativ mäßig bei mir ankam, begeisterte mich Gießen mit seinem Spiel. Erst am Ende seines Auftritts erfuhr ich, dass er „das Lied vom Tod“ für den Film eingespielt hatte.

Mit seiner originellen Filmmusik hat Morricone zweifelsfrei dieses Genre revolutioniert. Seine Musik erklingt in der „Legende vom Ozeanpianisten“ ebenso wie in „Django unchained“. Über 500 Filme hat er mit seinen Kompositionen bereichert.

Außerdem arbeitt er als Dirigent. Auch mit 85 Jahren ist er immer noch auf Konzertreisen unterwegs.

Morricone ist ein sehr politischer Mensch. Das beweist nicht nur seine Mitwirkung an politischen Filmen, sondern auch seine jüngste Komposition „Die Stimmen der Untergegangenen“. Das fünfminütige Stück ist den Opfern der unmenschlichen Flüchtlingspolitik der Europäischen Union (EU) gewidmet. Am Samstag (2. November) hat Maestro Morricone sie mit dem „Orchester der Völker“ auf der süditalienischen Insel Lampedusa uraufgeführt.

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