Mein lieber Scholl: Meine Empfehlung für Bücher, die man mit dem Herzen liest

Sie lässt den Alltag verblassen und die Phantasie reisen. Sie kann aber auch sehr unangenehme Wahrheiten herbeirufen und deutlich machen. Manchmal rührt mich Literatur zu Tränen, wohingegen sie mir ein anderes Mal beim Lachen Tränen in die Augen treibt.

Wie bereits in den vorangegangenen Jahren zur Vorweihnachtszeit, hatte Dr. Joachim Scholl am Montag (2. Dezember) im Nachttalk des Deutschlandradios die Hörerschaft aufgerufen, ihre Buchempfehlungen für den weihnachtlichen Gabentisch durchzugeben. Meine Tipps für den Wunschzettel waren das Hörbuch „Der kleine Prinz“ und die Kurzgeschichten-Sammlung „Wanderer kommst Du nach Spa“.

Eines der schönsten Kunstmärchen des 20. Jahrhunderts ist „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint Exupéry. Besonders schön ist die Ausgabe dieser wunderschönen Geschichte als Hörbuch. der wunderbare Schauspieler Ulrich Mühe hat die Geschichte von dem kleinen Prinzen für den Patmos-Verlag aufgelesen.

Gelesen hatte ich das Kunstmärchen schon im Französischunterricht in der Schule. Damals hat es sich einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen erobert.

„Warum haben wir uns angefreundet?“ Traurig bedauert der kleie Prinz, dass er den Fuchs wohl niemals wiedersehen wird. Doch der Fuchs erklärt: „Wenn immer ich ein Kornfeld sehen werde, wird mich die Farbe des Korns an Deine goldenen Haare erinnern.“

Während wir das lasen, saß meine blonde Mitschülerin vor mir im Gegenlicht. Wann immer ich später an meine erste große Liebe dachte, erinnerte ich mich an diese Stelle. Wann immer ich an den kleinen Prinzen denke, erinnere ich mich an sie.

„Man sieht nur mit dem Herzen gut“, heißt es in der deutschen Übersetzung. Richtig übersetzen müsste man die Stelle aber anders: „Man sieht überhaupt gar nichts, wenn man nicht mit dem Herzen sieht.“

Als Blinder zitiere ich diese Stelle aus dem kleinen Prinzen immer wieder. Schließlich sehe ich nicht mit den Augen, sondern mit den Ohren, den Händen, der Nase und vor allem dem Herzen.

Mühelos hat Ulrich Mühe diesen philosophischen Text für das Hörbuch umgesetzt. Man merkt ihm seine Liebe zu diesem kleinen Prinzen an. der Hauptdarsteller des Films „Das Leben der Andren“ hat dieses Hörbuch mit dem Herzen gelesen.

Ebenfalls in meine Schulzeit zurück reicht meine Erinnerung an die Kurzgeschichten von Heinrich Böll. Gelesen haben wir einige davon im Deutschunterricht. „Die ungezählte Geliebte“ verband ich damals auch mit meiner großen Liebe, die ich niemals als Strich in einer STatistik hätte ertragen können.

In dem Sammelband „Wanderer kommst Du nach Spa“ sind einige der gelungensten Kurzgeschichten Bölls enthalten. Besonders beeindruckt hat mich die Kurzgeschichte „Über die Brücke“.

Vor dem großen Krieg ist der Protagonist immer über die Brücke gefahren hinaus aufs Land. Als Bote brachte er in einer Aktentasche Dokumente des Reichs-Jagdhundeverbands dorthin. Was in der Tasche war, wusste er nicht; er war ja nur Bote.

Nach dem Krieg fährt er wieder die selbe Strecke. Wieder beobachtet er das Haus am Bahndammm. Vor dem Krieg hätte er die Uhr danach stellen können, wann die Bewohnerin welche Fenster putzte; und nun sah er dort ihre Tochter bei den gleichen Verrichtungen.

Böll ist ein feinsinniger Beobachter der Restauration nach dem Zweiten Weltkrieg. 1972 wurde er für sein Werk mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Im Schulunterricht habe ich Bölls Kurzgeschichten durchgenommen. Knapp zehn Jahre später habe ich ihn persönlich kennengelernt. Er war ein freundlicher Mensch mit einer warmen Ausstrahlung und vielleicht gerade deshalb ein unbeugsamer Pazifist und Humanist.

Am Tag des Begräbnisses von Dieter Hildebrandt ist es nur angemessen, auf die Verfilmung von Bölls Kurzgeschichte „Dr. Murkes gesammeltes Schweigen“ mit Hildebrandt in der Hauptrolle hinzuweisen. Der große Kabarettist wird um 13 Uhr in München zu Grabe getragen.

Seine Kabarettprogramme indes leben ebenso weiter wie Bölls Kurzgeschichten und Romane oder „Der kleine Prinz“. Ein ganzes Universum öffnet sich mit der Literatur, das unendlichen Raum bietet für Phantasie und Kritik, Freude und Trauer.

„Kurze knappe“ Gedichte von Sabine Ferber bringen all das in wenigen Worten kunstvoll auf den Punkt. Der Gedichtband wurde bisher leider noch nicht in der Weise gewürdigt, die er verdient hat.

Erfolgreich hingegen ist mein Sachbuch „Wir vom Jahrgang 1955 – unsere Kindheit und Jugend“. Gerade im November 2013 ist eine weitere Neuauflage meines persönlichen Bestsellers im Wartberg-Verlag erschienen.

Meine eigenen Bücher indes sind nichts gegen Werke wie die von Böll oder Saint-Exupéry. Viele weitere Autoren und Titel müsste ich noch nennen, wollte ich auch nur annähernd die Bücher empfehlen, die mich bisher bewegt haben. Schön finde ich deswegen die Aktion vom Deutschlandradio Kultur und seines Moderators Scholl, der auch mit ganzem Herzen dabei ist.

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