Knüppel aus dem Sack: Wie der Journalismus auf den Polizeihund gekommen ist

Das Szenario kennen wir schon zur Genüge aus Frankfurt. Vor größeren Demonstrationen prognostiziert die Polizei Gewalt. Hinterher behält sie damit auch recht.

Fraglich ist allerdings, von wem die Gewalt ausgegangen ist und ob diese „Self Fullfilling Prophecy“ nicht möglicherweise mit willigen Helfern erreicht wurde, die die Polizei oder der Verfassungsschutz dafür bezahlt hat? Fraglich ist zudem, ob nicht die Polizei die Demonstrierenden in Situationen hineingedrängt hat, die ihnen eine gewaltfreie Fortsetzung der Demonstration verunmöglicht haben?

So mag es wohl auch am Samstag (21. Dezember) in Hamburg gewesen sein. Doch allzu unkritisch sprachen Journalisten hinterher von „gewaltbereiten aus der linken Szene“, von „Randalierern“, von „Krawallen“ oder „schweren Ausschreitungen“.

Sicherlich ist es für Journalisten überaus schwierig, V-Leute auf einer Demonstration zu enttarnen. Sicherlich ist es auch nicht einfach, den genauen Hergang von Demonstrationen zu beobachten oder detailliert zu rekonstruieren.

Viele Medien machen es sich aber zu einfach, wenn sie die Version der Polizei kritiklos übernehmen oder vielleicht noch zur Beruhigung ihres demokratischen Gewissens hinzufügen, dass Sprecher der Demonstrierenden von Übergriffen der Polizei berichtet haben. Mitunter fügen die Journalisten noch hinzu, dass eine größere Zahl von Polizeibeamten verletzt wurde.

Doch schon bei der Ankündigung der Polizei, bei einer bevorstehenden Demonstration rechne sie mit Gewalt, sollten bei den Medienvertretern alle Alarmglocken schrillen. Umso mehr müssten sie polizeiliche Maßnahmen wie die Deklaration der gesamten Hamburger Innenstadt zu einer Art Demokratie-freiem Gebiet problematisieren.

Gerne rühmen sich Medienvertreter ihrer Rolle als „4. Gewalt“. Dieser Wächterfunktion können sie aber nur gerecht werden, wenn sie nicht durch eine unkritische Berichterstattung über Gewaltprognosen der Polizei schon im Vorfeld selbst zu einer Eskalation beitragen.

Das Beispiel des Blockupy-Kessels am Samstag (1. Juni) in Frankfurt zeigt, dass Journalisten selbst Opfer von Polizeiübergriffen werden können, wenn sie nicht schon im Vorfeld eindeutig Partei ergreifen für ein uneingeschränktes Demonstrationsrecht. Die „4. Gewalt“ hat nur dann etwas zu melden, wenn sie nicht kritiklos mit der Staatsmacht paktiert. Ohne Wenn und Aber ist sie der Meinungs- und Demonstrationsfreiheit verpflichtet, damit die Demokratie nicht auf den Polizeihund kommt.

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Ein Kommentar zu “Knüppel aus dem Sack: Wie der Journalismus auf den Polizeihund gekommen ist

  1. Ein sehr interessanter und (meiner Meinung nach) wichtiger Artikel. Könnten Sie vielleicht etwas mehr auf die Idee eingehen, die Sie im zweiten Absatz beschreiben? Gibt es dafür Hinweise? Verschwörungstheorien gibt es ja genug, aber ich finde wirklich, dass Sie die Situation sachlich und vorbildlich-journalistisch angehen, wo man nicht die Augen am Ende des Textes verdreht und sich denkt: „Nicht noch ein Verschwörungstheoretiker“.

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