Löscheinheit Lessenich: Erst Traktor, dann FK 100 und Magirus, jetzt nichts mehr

Ein Tweet der Bundesstadt Bonn hat mich traurig gestimmt. Darin teilte die Stadtverwaltung am Freitag (22. Dezember) mit, mangels Nachwuchses an Einsatz- und Führungskräften wolle die Löscheinheit Lessenich ihren Feuerwehrdienst einstellen.

Zehn Jahre meiner Kindheit habe ich in Lessenich verbracht. Etliche Kindheitserinnerungen betreffen auch die Lessenicher Feuerwehr. Vor allem ihre Fahrzeuge kamen mir sofort wieder ins Gedächtnis, als ich den Tweet las.

Als meine Eltern Ende der 50er Jahre von der Bonner Südstadt nach Lessenich zogen, war dieses Dorf noch eine selbständige Gemeinde. Allerdings wucherten überall Siedlungen und Einfamilienhäuser für Bundesbedienstete. Die damalige Bundeshauptstadt platzte aus allen Nähten.

Die Kommunalpolitik der Gemeinde Lessenich wurde von Sozialdemokraten dominiert. Zugezogene wurden nur geduldet. Das Heft hatten die Alteingesessenen damals noch fest in der Hand.

Die Freiwillige Feuerwehr war wichtiger Bestandteil des sozialen Lebens. Sie besaß eine einachsige Spritze, die der Bürgermeister mit seinem Traktor zum Einsatzort zog.

Untergebracht war diese Spritze in einer Garage im Schulgebäude. Dort ging ich ab 1961 zur Grundschule.

Während meiner Schulzeit wurde der Fahrzeugpark der Lessenicher Feuerwehr grundlegend modernisiert. Die Wehr erhielt einen Ford FK 1000. Das war ein rundlicher Kleinbus ähnlich einem VW Bully.

Dieser FK 1000 zog fortan die Spritze zu den Einsatzorten. Beim Feuerwehrdienst hatte der bürgermeisterliche Trecker ausgedient.

Wichtiger als das Löschen von Bränden war für die Lessenicher Feuerwehr aber wohl das Löschen von Durst. Praktischerweise befand sich die Dorfkneipe gleich auf dem Nachbargrundstück neben dem Feuerwehrhaus.

Außerdem besaß die Wehr einen Spielmannszug. Der übte immer in der verschlossenen Garage.

Genau erinnere ich mich noch daran, wie ich als Schuljunge einmal Musik aus dem Gerätehaus hörte und vorsichtig das Tor öffnete. Drinnen standen die jugendlichen und erwachsenen Feuerwehrleute in militärischer Formation und spielten in der dunklen Halle ihre Marschmusik. Aufgezogen sind sie bei allen wichtigen Festen einschließlich des Lessenicher Karnevalszugs.

1962 zog die Laurentiusschule in ein neues Gebäude um. An diesen Schulbau wurde später ebenfalls eine Feuerwehrhalle angebaut.

Sie verfügte nun jedoch über zwei Stellplätze für ausgewachsene Feuerwehrautos. Von der Berufsfeuerwehr Bonn erhielt die Lessenicher Wehr zwei Rundhauber der Marke Magirus-Deutz. Einer dieser beiden Laster vom Typ „Sirius“ war ein Tanklöschfahrzeug (TLF), der andere eine rollende Drehleiter.

Diese großen Feuerwehrwagen kamen jedoch erst nach Lessenich, als meine Familie schon auf den Venusberg umgezogen war. Die weitere Entwicklung der Wehr habe ich deshalb auch nicht intensiver verfolgt, obwohl ich Schulfreunde in Lessenich hatte.

Als ich im Sommer 2010 wieder nach Lessenich kam, waren die Rundhauber durch gleichartige Feuerwehrautos vom Typ „Saturn“ mit eckigen Kühlerhauben ersetzt worden. Auch sie standen in der Halle neben der Laurentiussschule.

Die Straße vom Duisdorfer Bahnhof nach Lessenich hatte seinerzeit noch das gleiche Pflaster wie 50 Jahre zuvor. Einige Siedlungen waren neu; aber vieles in Lessenich schien auch 50 Jahre nach der Eingemeindung immer noch seinen gewohnten Gang zu gehen.

Nun aber werden die Wehrmänner in Lessenich ihren Dienst einstellen. Auch wenn ich nur sehr selten dorthinkomme, betrübt mich das doch ein wenig. Schließlich gehört die Feuerwehr von Lessenich zu meiner Kindheit wie die Einkäufe mit der Milchkanne bei Schneiders oder die Fahrten auf meinem Tretroller namens „Pucky“.

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