Otto Weidt bot den Nazis die Stirn: Das vorbildliche Leben des blinden Bürstenfabrikanten im Fernsehen

Er ist einer der „Gerechten unter den Völkern“. diese Auszeichnung der israelischen Holocaust-Gedenkstätte hat Otto Weidt absolut verdient. Unter dem Titel „Ein blinder Held – die Liebe des Otto Weidt“ zeigt das Erste Fernsehprogramm der ARD am Montag (6. Januar) um 21.45 Uhr einen Spielfilm über das Leben des stark sehbehinderten Berliner Bürstenfabrikanten.

In seiner Werkstatt im Hinterhof des Hauses Rosenthaler Straße 39 beschäftigte er überwiegend blinde Juden. In unmittelbarer Nachbarschaft der „Hackeschen Höfe“ und der Synagoge an der Oranienburger Straße war damals das Berliner Judenviertel. Viele Juden wurden ihm als Zwangsarbeiter zugewiesen.

Fünf Räume in einem Nebentrakt in direkter Nachbarschaft zu den Hackeschen Höfen bildeten Weidts Bürstenfabrik. Heute befindet sich in den Räumen ein kleines Museum. Dokumente, Einrichtungsgegenstände und Werkzeuge erinnern an den Fabrikanten, der seine menschliche Pflicht in geradezu vorbildlicher Weise erfüllt hat.

Zu finden ist das Museum nicht gerade leicht. Ein Stolperstein auf dem Gehweg ist der einzige Hinweis zu dem unscheinbaren Hinterhofbau. Dort muss man über Treppen in die Werkstatträume hinaufsteigen, die allerdings auch über einen Aufzug erreichbar sind.

Knapp 20 Menschen beschäftigte die Besen- und Bürstenmacherei in den 30er und 40er Jahren. Die meisten waren blind. Fast alle waren Juden.

Als sie in die Vernichtungslager gebracht werden sollten, suchte Weidt Verstecke, um seine Leute vor der Ermordung zu retten. Trotz der schwierigen Mangelsituation trieb er auch Lebensmittel für sie auf.

Den letzten Raum seiner Werkstatt riegelte er mit einem Schrank ab, um auch dort eine jüdische Familie zu verstecken. Damit brachte er sich selbst in höchste Gefahr.

Seine MNMitarbeiterin und Vertraute Alice Licht hat Weidt sogar aus dem Konzentrationslager herausgeholt. Sein Betrieb sei schließlich „wehrwichtig“ und könne auf diese Arbeiterin nicht verzichten, erklärte er den Nazis.

Einen gewissen Schutz boten dem Bürstenfabrikanten gute Kontakte zur SS und zur Gestapo. Gelegentlich tauchte er bei den Behörden mit einem Fresskorb auf, den er beim Weggehen dummerweise „vergaß“. Einem Blinden kann so etwas ja leicht einmal passieren.

Mehrmals bin ich bereits im Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt (MBOW) unweit des S-Bahnhofs „Hackescher Markt“ gewesen. Immer wieder beeindruckt mich die Geschichte dieses mutigen Mannes. Oft nehme ich Bekannte mit, um ihnen das unscheinbare Museum zu zeigen.

Weidt ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass eine Behinderung Anstoß sein kann für Solidarität. Für mich ist er ein ermutigendes Vorbild und Ansporn für gesellschaftliches Engagement.

Die Verfilmung seines Lebens mit Edgar Selge in der Hauptrolle kenne ich nicht. Selbst wenn sie dem historischen Otto Weidt nicht gerecht werden sollte, ist doch allein schon die Ausstrahlung des Spielfilms eine Ermutigung für viele Menschen: Lasst Euch durch nichts abhalten, Eure innere Überzeugung von einem menschlichen Miteinander konsequent zu leben!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s