Acht Kinder und 12 Geschwister: Gudula Hanke (31. Januar 1931 – 6. Juni 2008)

Mit 14 Jahren nahm sie eine Stelle als Haushaltshilfe an. Mit 19 heiratete sie. Mit 20 bekam sie ihr erstes Kind.

Sieben Söhne und eine Tochter hat Gudula Hanke zur Welt gebracht. Geboren wurde sie am 31. Januar 1931.

Als Kind hat sie den Zweiten Weltkrieg miterlebt. Danach musste die Familie einige Jahre lang in einer Notunterkunft auf kleinstem Raum zusammenleben. Sie bewohnte die Ruine der Rheinbacher Burg, die heute als Touristenattraktion in schönem Glanz erstrahlt.

Ein eigenes Zimmer gab es für keinen. Nach Abschluss der Volksschule mussten die Jugendlichen gleich arbeiten.

Deshalb hatte meine Mutter kein Abitur. Aber sie hatte Humor; und sie war lebensklug.

Ihre Mutter hatte 13 Kinder. Als mein Vater sie vor der Hochzeit zu ihrem Kinderwunsch befragte, sagte meine Mutter zu ihm: „Ich will 26 Kinder haben.“

Die Verdoppelung der Kinderzahl meiner Großmutter ist meiner Mutter nicht gelungen. Aber zumindest hat sie die Quersumme davon geschafft.

Witzig mag sich das anhören; und witzig war das Leben in der Großfamilie mitunter auch. Aber zugleich war es auch von Entbehrungen gekennzeichnet, weil Familien mit Einzelkindern eben viel mehr für ihre Sprösslinge übrig hatten als unsere Eltern für jedes einzelne ihrer Kinder.

Aber sie hatten Zeit übrig für uns und Liebe. Nicht immer wurde sie gerecht verteilt; aber jeder bekam etwas ab davon.

Am anstrengendsten muss das Leben mit acht Kindern allerdings für meine Mutter gewesen sein. In den ersten Jahren musste sie die Wäche noch im riesigen Waschbottich mit Seifenlauge kochen und jedes Stück einzeln auswringen. Statt Staubsaugern benutzte man Teppichklopfer und statt einer Zentralheizung einen Koks- oder Ölofen.

Fertiggerichte gab es nicht. Für zehn hungrige Mäuler zu kochen, war richtige Arbeit. Kartoffeln schälen oder Reibekuchen durch den mechanischen Wolf drücken konnten später zwar die größeren Kinder; aber immer noch blieb reichlich Arbeit für meine Mutter.

Trotz vieler Widrigkeiten war sie heiter und gelassen, als ich sie am 3. Juni 2008 mit meiner Ehefrau Erdmuthe Sturz zum letzten Mal besuchte. Drei Tage später ist sie im Alter von 77 Jahren gestorben.

Trauer und Dankbarkeit möchte ich meiner Mutter zu ihrem Geburtstag gerne ausdrücken. Auch wenn die meisten Lesenden sie nicht kennen werden, ist ihnen vielleicht doch dieses Gefühl gegenüber der eigenen Mutter vertraut: Ich werde nie zurückgeben können, was Du mir gegeben hast.

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