Schuld und Bühne: Ist der Ruf erst ruiniert, schreibt´s sich völlig ungeniert

Ob Sebastian Edati wirklich wissentlich Kinderpornos heruntergeladen hat, kann ein Außenstehender derzeit wohl nicht sicher sagen. Dass die Berichterstattung über Ermittlungen gegen den SPD-Politiker seinen Ruf dauerhaft schädigen wird, erscheint indes schon sehr wahrscheinlich.
Prominenz ist eines der wesentlichen Kriterien für den Nachrichtenwert einer Meldung. Das weiß jeder Journalist nur allzu gut. Doch auch die Unschuldsvermutung ist eine grundlegende ethische Maxime bei der Berichterstattung.
Nachdenken sollten Medienschaffende darüber, was sie mit der Verbreitung von Meldungen möglicherweise an Unheil anrichten können. In der Klemme zwischen Auflage oder Quote, Chronistenpflicht und Persönlichkeitsschutz ist die Entscheidung über das Vorgehen in jedem konkreten Fall wieder von Neuem eine weitreichende Gewissensentscheidung mit möglicherweise nachhaltigen Wirkungen. Darüber müssen sich Journalisten im Klaren sein.
Journalistische Verantwortung schließt auch anderweitige Überlegungen zu möglichen Hintergründen einer Nachricht mit ein. Im Falle Edati zum Beispiel kann man die Möglichkeit nicht ausschließen, dass Geheimdienste sich für sein klares Auftreten im NSU-Untersuchungsausschuss rächen wollten und ihm belastendes Material untergeschoben haben könnten.
Wie leicht ist jemand gerade durch eine Verbindung zu diesem Thema ins Zwielicht geraten? Wie schwer wird es, selbst bei erwiesener Unschuld den Makel solcher Behauptungen wieder vollständig zu tilgen?
Journalismus muss Skandale aufgreifen. Das muss auch ohne Ansehen der beteiligten Personen geschehen. Grundlagen journalistischer Fairness schließen aber auch die altbekannte Maxime mit ein: „Audeatur et altera Pars!“

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