Homer hatte Humor: Der Götterhimmel als religionskritische Satire

Wer war Homer? Was ist Humor?

Im antiken Athen war beides vielleicht synonym. Möglicherweise war Homers geniale Götterspeise ja ein geistreiches Menü für clevere Zweifler.

Heute hingegen ist Homers dramatische Dichtung ein klassisches Kulturgut mit höheren Weihen. Altphilologen schwafeln darüber und zelebrieren es mit überheblichem Pathos und beweihräuchernden Preissagungen.

Vermutlich deswegen sehen die meisten Altphilologen alt aus. Sie haben zwar ihren Homer, aber keinen Humor.

Was wäre wohl, wenn Homer ein Satiriker gewesen wäre? Wie fänden die stolz herumstolzierenden Professoren es, wenn sein Werk eine Satire wäre auf die vom Volk verehrten Gottheiten?

Homers Götterhimmel ist doch beinahe eine Hölle. Die Götter streiten sich ständig, schänden alles, was gerade vor ihre geilen Augen tritt und zetteln Kriege an nach Lust und Laune. Dabei wechseln sie auch munter die Seiten, wann immer es ihnen gerade in den Sinn kommt.

Griechenlands Götter waren nach Homers Überlieferung gamz gewiss keine verehrungswürdigen Lenker des Schicksals. Weder waren sie weise noch anbetungswürdig.

Vielleicht war Homer ja ein scharfzüngiger Kritiker des dumpfen Glaubens an mächtigeGottheiten? Vielleicht ist seine Identität ja deswegen seit ungefähr 2500 Jahren unergründlich, weil er sie zum eigenen Schutz geheimhalten musste.

Diese Gedanken sind übrigens nicht einer Laune entsprungen, sondern einem ausführlicheren Gespräch mit einem renommierten Altphilologen. Er konnte meinen Überlegungen durchaus etwas abgewinnen.

Als Blinder finde ich besondes bemerkenswert, dass Homer angeblich blind gewesen sein soll. Wer wollte auch mit ansehen müssen, wie der Göüöttervater Zeus beim Anblick der schönen Europa zum Stier wird, sie in geiler Gier entführt und vergewaltigt?

Wenn ein dermaßen triebgesteuerter Trottel als Oberhaupt der Götter den Olymp regiert, dann können die Menschen sich den Glauben an eine höhere Wahrheit echt sparen. Solche Götter machen den Olymp zu einem Gruselkabinett der unberechenbaren Launen und niederen Instinkte. Über Homers Himmel kann man eigentlich nur weinen oder lachen.

Zumindest für mich hat Homer viel Humor. Seine „Ilias“ und auch die –
vielleicht von einem Epigonen nachgeschobene – Odyssee sind für mich satirische Abhandlungen eines irrsinnigen Götterglaubens und einer wahnsinnigen Welt. Homer ist, wenn man trotzdem lacht.

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Ein Kommentar zu “Homer hatte Humor: Der Götterhimmel als religionskritische Satire

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