Konsequenter Kämpfer für Frieden: Meine Erinnerungen an Toni Benn

Er war das Urgestein der Linken Großbritanniens. Toni Benn ist am Freitag (14. März) im Alter von 88 Jahren gestorben.
Seit ich politisch bewusst denke, ist mir der Labour-Politiker als Vorbild an Geradlinigkeit bekannt. 1984 habe ich ihn bei einem Internationalen Friedenskongress im italienischen Perugia persönlich kennengelernt.
Meine Begegnung mit ihm war kurz und nachdrücklich. Sie ist ein Lehrbeispiel für Obrigkeitshörigkeit und ihre Unsinnigkeit.
Im Ford Transit der Grünen Hessen war ich gemeinsam mit anderen Friedensaktivisten nach Perugia gefahren. Wir waren ein butnes Völkchen, das bei der Kontrolle an der deutsch-österreichischen Grenze einiges Aufsehen erregte.
Im Kleinbus saßen eine Japanerin, eine US-Amerikanerin, ein Tscheche, ein Iraner und vier Deutsche. Einer davon war Abgeordneter des Deutschen Bundestags und reiste mit einem Diplomatenpass. Das Auto war auf den Landesverband Hessen der Grünen zugelassen.
Mit diesem Wagen fuhren wir unkontrolliert weiter über die österreichisch-italienische Grenze bis nach Perugia. Durch die engen Gassen der historischen Stadt und direkt durch das 3.500 Jahre alte etruskische Tor steuerte Harald den Bus bis zu dem Gebäude, wo wir unsere Anmeldeunterlagen für den Kongress in Empfang nehmen sollten.
Gemeinsam mit meinen Mitreisenden stand ich dort vor dem Abfertigungsschalter. Gerade wandte der Mann hinter dem Schalter sich uns zu, da öffnete sich die Tür. Herein trat Toni Benn.
Fast alle ihm Raum erkannten ihn sofort. Der Labour-Führer war in Deutschland wie in Italien bekannt aus Funk und Fernsehen. Fortan existierten wir nicht mehr. Alles drehte sich nur noch um Benn.
Er widerum wandte seine Aufmerksamkeit seiner blonden Begleiterin zu. Die junge Frau sah aus wie ein Model aus einem Magazin. Immer wieder fragte er „Susan“, ob sie sich wohlfühle.
Derweil schwänzelten die Leute vom Organisationsteam um ihn herum. Ihm war das sichtlich peinlich.
Bevor er den Raum verließ, wandte er sich unserer Gruppe zu. „I´m sorry, if I should have caused an uncomfortable situation for You“, entschuldigte er sich und streckte uns allen die Hand hin. „Are You from Germany?“
Wir bejahten. Dann verließ Benn den Raum; und die Aufmerksamkeit der Leute vom Organisationsteam war wieder bei uns.
Meine Aufmerksamkeit bbegleitete Benn seither noch stärker als bereits zuvor. GEbannt lauschte ich seiner Rede vor den 2.000 Teilnehmenden am Kongress. Interessiert verfolgte ich seine politische Karriere in der Labour Party.
Den Schwenk seiner Partei hin zu „New Labour“ bezeichnete Benn als „Verirrung“. Damit hätten Toni Blair und Gordon Brown die Arbeiterpartei erledigt, kritisierte er.
Benn selbst blieb seiner klaren Linie treu. Als Friedensaktivist trat er ein für Völkerverständigung und Abrüstung. Als überzeugter Sozialist brandmarkte er den immer stärker wachsenden Neoliberalismus in Europa.
Toni Benn wurde am 3. April 1925 geboren. Er starb am 14. März 2014. Mit ihm geht ein aufrechter Demokrat und ein unerschrockener Kämpfer für den Frieden.

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