Kopflos: Guillotine und Inklusion am gleichen Tag

Erfreuliches und Erschreckendes finden sich oft sehr nah beeinander. Ein Beispiel dafür ist der 26. März 2014.

An diesem Tag feiert die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen in Deutschland ihren fünften Geburtstag. Gleichzeitig ist Mittwoch (26. März) auch der 200. Todestag des französischen Arztes Joseph-Ignace Guillotin.

Mit seinem Namen verknüpft ist weltweit die todbringende Exekutionsmaschine. Darunter hat er sehr gelitten, war seine Absicht bei ihrer Entwicklung doch ein humaner Tod für diejenigen, die hingerichtet werden sollten. Die massenhafte Anwendung der Guillotine war absolut nicht im Sinne Guillotins.

Nachdem er selber einer Hinrichtung durch diese Maschine nur knapp entgangen war, widmete der Arzt sich der Trinkwasserhygiene und der Bekämpfung von ansteckenden Krankheiten. Das mechanische Fallbeil ist -wohl wegen seiner gruseligen Wirkung – jedoch weltweit weitaus mehr in Erinnerung geblieben als alle anderen Leistungen Guillotins.

An der Guillotine indes lässt sich gut aufzeigen, dass auch als human gepriesene Entwicklungen mörderische Folgen haben können. Jedenfalls reicht auch die beste Idee noch lange nicht, um die Welt zum Guten zu verändern.

Ein plastisches Beispiel dafür ist die – in Deutschland am 26. März 2009 in Kraft getretene – UN-Behindertenrechtskonvention (UNBRK). Ihr erklärtes Ziel ist die Inklusion von Menschen mit Behinderungen in alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens als gleichberechtigte Bürger.

findige Finanzpolitiker indes versuchen nun, unter dem Deckmantel der Inklusion die Gelder für eine Förderung von Behinderten einzusparen. Menschen mit Behinderungen werden in Einrichtungen „integriert“, wo sie keinerlei adäquate Bedingungen vorfinden. Schutzräumen für Behinderte wird mit Verweis auf die geforderte Inklusion kurzerhand der Geldhahn zugedreht.

Nach wie vor stoßen Behinderte im Alltag aber immer wieder auf vielfältige Barrieren. Einfältig wäre, wer die Inklusion für eine Maßnahme hält, die innerhalb weniger Wochen, Monate oder Jahre zu verwirklichen sei.

Inklusion muss in den Köpfen beginnen und sich von dort aus ausbreiten in Gebäude, Verkehrsmittel, Technik und Kommunikation. Inklusion heißt letztlich nichts Anderes als: Jeder Mensch ist anders; und alle Menschen sind gleich vor dem Gesetz und müssen es auch in der Gesellschaft sein.

Jeder Mensch hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Jeder hat das Recht, sein Leben in Würde selbst zu gestalten. Leider ist das noch lange nicht selbstverständlich.

Einen wichtigen Vorkämpfer für die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben ehrt das Marburger Leuchtfeuer für Soziale Bürgerrechte am Sonntag (15. Juni). Näheres zur Preisverleihung und einer Jubiläumstagung 10 Jahre Marburger Leuchtfeuer werden die Humanistische Union (HU) und die Universitätsstadt Marburg bei einer Pressekonferenz am Donnerstag (27. März) bekanntgeben.

Der zehnte Preisträger reiht sich in eine illustre Runde herausragender Persönlichkeiten ein. Wieder einmal werden die Aktiven des HU-Arbeitskreises Erwerbslosigkeit und Soziale Bürgerrechte (ESBR) nicht klagen und jammern, sondern ein beispielhaftes Vorbild würdigen. Ziel der Preisverleihung wie auch der Tagung am Vortag ist die Ermutigung zum Engagement für Soziale Bürgerrechte.

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