Einfach lesbar: BILD bald in Leichter Sprache

Die BILD-Zeitung erscheint ab Montag (5. Mai) in Leichter Sprache. Das hat Springer-Chef Matthias Döpfner am Dienstag (1. April) bekanntgegeben. Die neue Maßnahme soll die Auflage der Zeitung weiter erhöhen.
„Leichte Sprache kann jeder verstehen“, sagte Döpfner. „Damit erreichen wir noch mehr Menschen. Die meisten Leser der BILD-Zeitung haben es dann auch einfacher.“
Leichte Sprache verzichtet auf Fremdwörter. Auch verschachtelte Sätze gibt es dort nicht.
Leichte Sprache ist gut für Kinder und Menschen mit einer geistigen Behinderung. Aber auch Leute aus fremden Ländern können sie besser verstehen.
Aber Kinder und Behinderte oder Ausländer will die BILD-Zeitung nicht unbedingt als Leser gewinnen. Döpfner denkt eher an Menschen mit einer leichten Lernbehinderung.
„Der typische BILD-Leser versteht keine komplizierten Sätze“, erklärte Döpfner. „Leichte Sprache ist für uns also nur eine richtige Fortsetzung unserer bisherigen Strategie.“
Schon jetzt ist BILD ziemlich einfach gestrickt. Viele Fotos erleichtern das Lesen.
Die großen Überschriften können auch „funktionale Analphabeten“ lesen. Diese Menschen kennen nur wenige Buchstaben.
BILD-Leser kennen oft nur wenige Inhalte. Die meisten interessieren sich nur für Sex und Fußball. Viele sind auch geil auf Mord und Totschlag.
Schwierigere Themen macht BILD möglichst einfach. Ausländer sind fast immer böse. Auch Vladimir Putin ist ein Bösewicht. Angela Merkel dagegen ist gut. Die CDU tut immer das Richtige.
Die Texte von BILD versteht schon heute jedes Kind. Für Kinder ist BILD aber nicht gedacht. Die Bilder in BILD sind eher für Erwachsene.
Auch Ausländer mag BILD nicht. Sie nehmen den Deutschen Arbeitsplätze weg. Arbeitslose Ausländer verprassen das Geld der Steuerzahler.
Viele Behinderte wiederum mögen BILD nicht. Ihnen gefällt die Verkürzung der Inhalte nicht.
„Leichte Sprache darf kein Grund für Volksverdummung sein“, sagte Axel Zuckend von der Gruppe „Leichte Zeitungen für alle“. „BILD will nur viele Zeitungen verkaufen. Aber wir sind doch nicht blöd!“

Advertisements

3 Kommentare zu “Einfach lesbar: BILD bald in Leichter Sprache

  1. Lausche den Worten Deines Privatpropheten (Gratis-Probeexemplar fuer alle Haushalte): Frueher oder spaeter wird es nur noch leichte Sprache geben, dann noch leichter, und noch leichter. Was man nicht formulieren bzw. als Empfaenger verstehen kann, laesst sich meist auch nicht vermitteln. Was nicht vermittelt wird, darueber kann man haeufig auch nicht nachdenken. Und hier duerfte eben der beruehmte Hase im Pfeffer liegen: der „Poebel“ soll arbeiten und konsumieren und das Denken der Obrigkeit ueberlassen… Schritt fuer Schritt, immer noch ein wenig mehr. Ach ja, als Kanonenfutter in den Krieg ziehen darf der „Mob“ natuerlich auch noch. Minus-minus-gut, wuerde ich meinen.
    Diese sogenannte leichte Sprache wird als Erleichterung verkauft, dient aber der Erschwerung des Textverstaendnisses und zwar in den Faellen in denen es eigentlich drauf ankaeme. Aber wie das Sprichwort sagt: „Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss.“ … und so soll das eben auch sein. Oder gedenken beispielsweise Politiker, Konzernbosse und Banker zukuenftig auch in leichter Sprache zu sprechen – sowohl offiziell als auch intern natuerlich. Falls mal wieder geheime Gespraeche aufgezeichnet und veroeffentlicht werden, will man die ja schliesslich auch verstehen und nicht auf einen Uebersetzungs-Proxy angewiesen sein.
    Heute noch ein Aprilscherz, morgen wirst Du Dich wundern, was an BILD-Texten noch „leichter“ formuliert werden kann. „Huga huga“ ist das Stichwort. *lol*
    ===
    PS: Sogenannte leichte Sprache in den Medien und Lady Gaga laesst sich auf der Buehne von einer Kotzkuenstlerin ankotzen – na das passt ja – aber natuerlich hat das eine nichts mit dem anderen zu tun. Dinge geschehen, so eben auch solche. ^^

    • Ich weiss nach ueber 40 Jahren sogar noch den aller ersten Text, mit dem ich das Lesenlernen begann. Ich zitiere in der Hoffnung jetzt kein Copyright zu verletzen – der Text, der sich seinerzeit ueber stolze zwei Seiten erstreckte, lautete *vollstaendig*:
      „I i“ (erste Seite)
      „Ui ui“ (zweite Seite)
      Das ist die Zukunft.

  2. Pingback: Man hat´s nicht leicht: BILD-Bericht zum 1. April war eingebildet | Franz-Josef Hanke

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s