It´s an Honour to be a Bonner: 20 Jahre Berlin-Bonn-Gesetz

„Wat fott is, is fott“, sagte der Bonner Oberbürgermeistr Dr. Hans Daniels nach der Entscheidung des Deutschen Bundestags für einen Umzug der Bundesregierung nach Berlin. Dann begann er, über eine Entschädigung zu verhandeln. Das dabei entstandene Berlin-Bonn-Gesetz hat der Bundestag am 26. April 1994 beschlossen.
20 Jahre danach wollen viele die Versprechen brechen, die sie Bonn und seiner Bevölkerung gegeben haben. Die allgemein festzustellende Vergesslichkeit von Politikern macht sich auch beim Umgang mit der einstigen Bundeshauptstadt und heutigen Bundesstadt Bonn bemerkbar.
Immer mehr Beamte werden von Bonn nach Berlin versetzt. Dabei hat der Bundesrechnungshof wiederholt festgestellt, dass ein weiterer Umzug von Dienststellen des Bundes nach Berlin teurer wäre als der Status Quo.
Aus guten Gründen sollte laut dem Berlin-Bonn-Gesetz das Bundesministerium für Verteidigung (BMVG) auf der Bonner Hardthöhe bleiben. Den Bendlerblock in Berlin belastet seine Vergangenheit als Hinrichtungsstätte des Widerstands gegen Adolf Hitler am 20. Juni 1944.
Als gebürtiger Bonner ist mir die Hardthöhe schon seit Kindertagen vertraut. Vom Schulhof des Helmholtz-Gymnasiums im Stadtteil Duisdorf konnten wir das Ministerium auf dem Berg sehr gut sehen.
Einmal ist ein Militärhubschrauber auf unserem Schulhof gelandet. Erstaunt fragte der Pilot die Schüler, ob er denn nicht beim Verteidigungsministerium gelandet sei. Daraufhin wiesen etliche Arme zu dem Blinklicht, das über dem Gebäude oben auf der Hardthöhe aufleuchtete.
Einmal erwischte ein Kontrolleur der Stadtwerke Bonn (SWB) in einem Bus der Linie 17 einen General beim Schwarzfahren. Der Eineinhalbdecker-Bus fuhr vom Hauptbahnhof zum Haupteingang des BMVG auf der Hardthöhe.
Der General herrschte den Kontrolleur an, was er sich denn vorstelle, einen General in Uniform kontrollieren zu wollen. Doch da war er gerade an den Richtigen geraten: Der Chefkontrolleur rief die Polizei und ließ den Militär abführen.
Dergleichen konte man in Bonn erleben, wenn man dort in den 60er und 70er Jahren lebte. Die Stadt war klein und gemütlich, aber zugleich weltläufig und international.
Diplomaten gehörten ebenso zum Stadtbild wie Demonstrationen und bekannte Politiker. Für uns war das damals alles selbstverständlich.
Böse Zungen beschimpften Bonn als „Bundesdorf“. Den gelassenen Rheinländer kann solch primitiver Provinzialismus aber nicht aus der Ruhe bringen. Ein Dorf war die fröhlich-freundliche Stadt am Rhein ganz gewiss nicht.
Die Borniertheit Berlins als „Hauptstadt“ ist doch noch viel kleinkarierter: „Hauptstadt“ nannte die DDR bis 1989 den östlichen Teil der Spree-Metropole, wo die Demokratie nicht gerade ihr Zuhause hatte. Mit der Übernahme des Worts haben die Politiker anscheinend auch das merkwürdige Verständnis von Demokratie als Verhöhnung des Volkes übernommen.
Konrad Adenauer hatte gut daran getan, Bonn als Bundeshauptstadt vorzuschlagen. Wenn nicht Frankfurt, Köln, München oder Hamburg die Bundesregierung beherbergten, dann zeigte das ein ausgeprägtes Verständnis für einen demokratischen Föderalismus.
Mit der Zentralisierung in Berlin ist auch der Föderalismus aufgeweicht worden. Die großkotzige „Berliner Schnauze“ tut oft so, als bestünde Deutschland allein aus Berlin und ein paar Dörfern drum herum.
Doch trotz aller Widrigkeiten lebt Bonn weiterhin ganz gut. Die Bonner haben das beste aus der Situation gemacht getreu dem rheinischen Motto: „Et kütt, wie et kütt; un et hätt noch immer jood jejange.“

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