Himmlisch: Ein ironisches Liebesgedicht von Sabine Ferber

Ausgesprochen kurz sind alle Gedichte von Sabine Ferber. Unter ihnen gibt es heitere und eher nachdenkliche. Eines der wenigen mit einem Reim zeugt auf selbstironische Weise von hintersinnig himmlischer Heiterkeit.

„Wenn ich Dich in den Himmel hebe,

ich liebe Dich ja so sehr,

bleibe ich unten auf der Erde.

Oh, mein Gott, wie bist Du schwer!“

Auch dieses Gedicht folgt wieder den Strukturen des Semantischen Quadrats. Das ausgeklügelte Beziehungsgeflecht zwischen der ersten und der zweiten sowie der dritten und der vierten Zeile bringt Gegensätze und analoge Bedeutungen in Verbindung zueinander.

Dem Dich“ in der ersten Zeile steht gleich dahinter das „Dich“ gegenüber. In der zweiten Zeile wiederholt sich die Konstellation noch einmal, während die dritte Zeile nur noch das „ich“ aufgreift und die letzte nur noch das „DU“.

Dem „Himmel“ in der Anfangszeile steht die „Erde“ in der dritten Zeile gegenüber. Analog zum Himmel steht in der letzten Zeile „Gott“. Ein weiteres Gegensatzpaar bilden „Himmel“ in der Anfangszeile und „unten“ in der Zeile darunter.

Eine Analogie bilden „hebe“ in der ersten Zeile und „schwer“ in der letzten. Ebenfalls analog zu verstehen sind „ich liebe Dich“ mit „Himmel“ und „mein Gott“.

Auf amüsante Weise veranschaulicht das Gedicht, wie die Überhöhung eines geliebten Menschen den Liebenden erniedrigen kann. Der vergötterte Mitmensch ist jedoch ebenso irdisch wie derjenige, der ihn anhimmelt. Letztlich verausgabt der Liebende bei der Vergötterung des Anderen seine Kräfte.

Dem ironischen Pathos der ersten beiden Zeilen steht deshalb die schwere Ernüchterung im letzten Wort gegenüber. „Oh, mein Gott“ mutiert damit von einer verehrenden Anrufung der Gottheit zu einem klagenden Ausruf.

Dieses göttliche Gedicht wirkt wesentlich einfacher, als es in seiner Form wirklich ist. Locker und leicht kommt hier eine psychologische Kritik an dem überzogenen Verhalten vieler Liebender daher. Letztlich ist ja jeder erwachsene Mensch zentnerschwer.

Wer mehr von Sabine Ferber lesen möchte, findet Sprüche und Gedichte auf ihrem Twitter-Account @ferber_s. Ihren Gedichtband „kurze knappe“ stellt die Internetseite www.kurzeknappe.de vor. Zudem gibt es noch Interpretationen ihrer Kurzgedichte über eine alte Frau, die gern jung sein wollte und das Passbild sowie zum überraschenden Ergebnis einer Meinungsverschiedenheit.

Advertisements

Ein Kommentar zu “Himmlisch: Ein ironisches Liebesgedicht von Sabine Ferber

  1. Pingback: Spielball: Ein berührendes Gedicht von Sabine Ferber | Franz-Josef Hanke

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s