Eine riesige Wand aus Stahl: Erinnerungen an den 1. Weltkrieg

Vor 100 Jahren begann der 1. Weltkrieg. Die Lebenden kennen ihn nur aus Geschichtsbüchern oder historischen Dokumenten. Mir hat mein Großvater aber noch erzählt, wie er den 1. Weltkrieg erlebt hat.
Josef Esser war ein „einfacher“ Mann. Seine Eltern besaßen einen Bauernhof in Oberdrees. Da der kleine Hof nicht genug für alle Geschwister abwarf, trat mein Großvater mit 14 Jahren in der Nachbarstadt Rheinbach seine Lehre bei der Deutschen Reichspost an.
Dort wuchtete er Postsäcke und sortierte Briefe oder Pakete. Später steuerte er Postkutschen durch die Eifel.
Dann kam der Krieg. Mit vielen tausend anderen jungen Männern zog auch mein Großvater an die Front.
Dreckig und zermürbend war der Stellungskrieg in den Schützengräben. Die jungen Soldaten sahen ihre Kameraden neben sich sterben und hatten einfach nur Angst.
Gigantisch war diese Angst, als plötzlich ein merkwürdiges Ungeheuer auf meinen Großvater und seine Kameraden zusteuerte. Bei diesem Horrorgerät handelte es sich um einen britischen Tank.
In seiner Heimat hatte mein Großvater bis dahin vielleicht ein gutes Dutzend Autos gesehen. Ansonsten aber verkehrten Kutschen auf den Straßen der Dörfer und Kleinstädte in der Vordereifel.
Der Panzer war für die jungen Soldaten absolut bedrohlich. So viel sie auch schossen; ihr Kugelhagel hatte keine Wirkung. Ihre einzige Chance war die Flucht.
Das war eines der Erlebnisse, die mein Großvater mir vor gut 30 Jahren erzählt hat. Die Schmerzen über verwundete und gefallene Soldaten hat er damals nur angedeutet.
Josef Esser gehört zu der Generation, die gleich zwei Weltkriege erleiden musste. Im 2. Weltkrieg verlor er eine Tochter und die Wohnung für seine Familie. Wahrscheinlich waren diese Erlebnisse für ihn noch bitterer als die im 1. Weltkrieg.
Was ihn aber am meisten bedrückt hat, war die Tatsache, dass er nach dem ersten überhaupt noch einen zweiten Krieg miterleben musste. Wir Nachgeborenen können nur hoffen, dass uns in unserem Leben ein Krieg erspart bleiben wird.

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4 Kommentare zu “Eine riesige Wand aus Stahl: Erinnerungen an den 1. Weltkrieg

  1. Erstaunlich das die Menschen aus der Erfahrung des 1.Weltkrieges heraus sich fast umgehend in den 2.Weltkrieg haben hetzen lassen. Liest man Literatur und Zeitungen zwischen den beiden Kriegen wird schnell klar, daß mit Ende des einen Krieges die Vorbereitung (zumindest die mentale Vorbereitung) auf den nächsten Krieg sofort begann. Was haben wir nun daraus gelernt ? Scheinbar nichts. Unser Bundespräsident redet von der Verantwortung der Deutschen in der Weltpolitik (da war Köhler viel ehrlicher) und will noch mehr junge Leute in die Welt schicken. Unsere Medien sind mit ihren eindeutigen Feindbildern (Rußland,China) ähnlich geartet wie damals. Es ist einfach erschreckend, dass die Menschheit scheinbar ohne Kriege nicht auskommt.Die Klugen haben leider keine Chance gegen die Dummheit und Feindbilder anzutreten. Traurig !

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