Zum 20. Juli: Widerstand gegen Faschimsus wirklich breit würdigen!

Den 70. Jahrestag des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 begeht das offizielle Deutschland mit einer Gedenkrede des Bundespräsidenten Joachim Gauck. Das Gedenken ist wichtig; allerdings bleiben viele wichtige Aspekte bei den Gedenkveranstaltungen meist außen vor. Zu sehr konzentriert sich das Gedenken auf den „Hitler-Attentäter“ Claus Schenk Graf von Stauffenberg.
Immer noch an den Rand gedrängt wird der Widerstand von Kommunisten gegen das Nazi-Regime. Der – mitunter geradezu volksverhetzende – Antikommunismus der 50er und 60er Jahre machte aufrechte Kommunisten somit zu Opfern des Sowjet-Terrors und des Kalten Kriegs.
Ein Beispiel dafür ist Emil Carlebach. Der Spross einer weltlich orientierten Familie jüdischer Herkunft wurde am 10. Juli 1914 in Frankfurt geboren. Wegen des Verteilens antifaschistischer Flugblätter steckten die Nazis ihn 1934 ins Gefängnis und später ins Konzentrationslager Buchenwald.
1945 war er einer der Lizenzträger der Frankfurter Rundschau (FR). Auf Befehl des US-Generals Lucius D. Clay wurde er 1947 jedoch aus dem Herausgeberkreis entfernt.
Da Carlebach beharrlich an seiner kommunistischen Überzeugung festhielt, wurde er zeitlebens geschnitten. So lud ihn die Fr 1995 nicht einmal zur Feier ihres 50. Geburtstags ein.
Bei meiner Arbeit in der Deutschen Journalisten-Union (DJU) hatte ich mehrfach mit Carlebach zu tun. Sicherlich teile ich nicht alle seine Auffassungen, doch respektiere ich seine konsequente kommunistische Grundhaltung als Triebkraft für sein entschiedenes Eintreten gegen Faschismus.
Enttäuscht und verkannt ist Emil Carlebach am 9. April 2001 in Frankfurt gestorben. Für ihn war der Kommunismus die Überzeugung, für die er das Grauen des KZ und die Verfolung der 50er und 60er Jahre auf sich genommen hat.
Aber auch der christlich motivierte Widerstand gegen das nationalsozialistische Gewaltregime wurde in der Bundesrepublik zunächst nicht anerkannt. Bis 1952 erklärten bundesdeutsche Gericht edie Hinrichtung der Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 für rechtens. Ein Staat habe das Recht, sich gegen seine Gegner zu wehren, hieß es in der Urteilsbegründung damals.
Geschockt hat mich diese Tatsache, als Prof. Dr. Joachim Perels sie bei der Entgegennahme des Fritz-Bauer-Preises 2012 in Kassel vortrug. In seiner Festrede fügte der Jurist und Historiker hinzu, damit sei auch sein Vater Friedrich Justus Leopold Perels ein zweites Mal ermordet worden. Die Erschießung am 22. April 1945 sei vom Gericht für rechtens erklärt und damit noch einmal juristisch widerholt worden.
Viel zu lange hat die Bundesrepublik gebraucht, um die Geschichte des Widerstands gegen die NS-Gewaltherrschaft aufzuarbeiten. Dabei enthielt doch bereits das Grundgesetz im Artikel 20 das Widerstandsrecht.
Schockierend ist indes, dass viele Juristen dieses Widerstandsrecht für „obsolet“ halten. Dabei zielt eine solche Regelung doch gerade von ihrem Charakter her auf jede mögliche künftige Situation, die die Gefahr des Totalitarismus birgt.
Allen Widerstandskämpfern sind wir es schuldig, die Demokratie mutig und klar zu verteidigen. Dafür ist es auch nötig, die unterschiedlichen –
vielleicht gar entgegengesetzten – Motive jedes Einzelnen zu respektieren. Demokratie kann nur gedeihen, wo der alte Satz der Kommunistin Rosa Luxemburg uneingeschränkt gilt: „Freiheit ist auch immer die Freiheit des Andersdenkenden.“

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Ein Kommentar zu “Zum 20. Juli: Widerstand gegen Faschimsus wirklich breit würdigen!

  1. Danke für diesen wunderbaren Artikel. Jeder Staat mag Widerstand gegen sein System nicht. An der Art, wie er mit seinen „Gegnern“ umgeht, erkennt man aber das Menschenbild. Nun ist Faschismus viel zu schlimm, um irgendwelche Vergleiche zur Gegenwart zu ziehen. Die Verpflichtung, konsequent und ohne wenn und aber gegen faschistoide Entwicklungen vorzugehen, bleibt uns allerdings für alle Zeit.
    Verwässerungen, Unklarheiten und Verfälschungen müssen wir benennen.

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