Das Publikum nicht für dumm verkaufen: Qualität im Journalismus verlangt Respekt

Dann bin ich eben altmodisch. Aber ich weigere mich strikt, die Leserschaft für dumm und sprachliche wie inhaltliche Qualität meiner journalistischen Arbeit für überflüssig zu halten.
Andere mögen meinen, moderner Journalismus müsse schnoddrig und schnell so ganz nebenbei dahingerotzt werden. Ich sehe das anders.
Journalisten müssen ihre Leser, Hörer oder Zuschauer ebenso achten wie das, was sie ihnen vorsetzen. Nur dann können sie mit ihnen eine Vertrauensbasis aufbauen.
Wenn Radiosender aufgezeichnete Interviews als Life ausgeben, dann zeugt das nicht gerade von Respekt gegenüber der Hörerschaft. Wenn Pressestellen mehrere Tage alte Ereignisse als aktuelle Pressemitteilung versenden und einfach das Datum des Vorgangs weglassen, dann drücken sie damit auch nicht gerade Respekt gegenüber den Journalistinnen und Journalisten aus. Wenn Journalisten derartige Pressemitteilungen auch noch unredigiert weiterverbreiten, dann schieben sie diese Missachtung ungerührt an ihre Leserinnen und Leser weiter.
Journalismus lebt von der wahrheitsgemäßen Übermittlung aktueller Nachrichten. Die 6 „W“ sind dabei konstutiv: Wann hat wer was wo wie und warum gemacht?
In Verruf geraten Journalisten vor allem, weil sie sich nicht an die Regeln fairer Berichterstattung halten. Weglassen und zurechtrücken zählen anscheinend ebenso zur alltäglichen Vorgehenswweise mancher Redaktionen wie die gezielte Desinformation.
Vertrauen indes können Medien nur dann erwerben, wenn sie sich an die berufsethischen Grundsätze von Fairness und wahrheitsgemäßer Berichterstattung halten. Das schließt nicht aus, Vorgänge auch subjektiv zu kommentieren oder entsprechend einzuordnen. Wichtig ist aber, die Leser- und Hörerschaft als mündige Menschen zu respektieren, die sich letztlich selbst ihre eigene Meinung bilden.

Advertisements

2 Kommentare zu “Das Publikum nicht für dumm verkaufen: Qualität im Journalismus verlangt Respekt

  1. Das „Weglassen“ und „Zurechtrücken“ ist ein beliebtes Mittel geworden. Besonders wenn es um Themen geht, die einen selbst in einem guten Licht erscheinen lassen. Nein, ich schreibe jetzt nicht lange über den Programmheft-Artikel „Visitenkarte“ des Deutschlandradios und all die guten Absichten der Planungs-Redaktion darin. Und ihre Suche nach Antworten. Ich suche auch zwei: von wem stammt das Zitat „Jeder ist ein Künstler“ noch mal? Weshalb wird dieser „Jeder“ dann geschnitten und beschnitten?

    Vielmehr erzähle ich von meinem wachsenden Erstaunen während einer wochenlangen Promotionaktion für die Tafeln vor einem Jahr, bei der ein Fernsehsender als Kooperationspartner auftrat. Auch eine die Tafelbewegung kritisch sehende Stimme hatte in diesen circa drei Wochen mal, gerade ein einziges Mal, Zeit und Raum – fünfundfünfzig Minuten lang. Sonst nicht. Versteckt, nur im Radio und nicht weiter groß drauf aufmerksam gemacht. Wegen dem guten Zweck, mit dem man sich ja… Und die unter den Zuhörern, für die das Thema eher traurig war, weil das für sie leider einfach nicht in Frage kam, mussten die Trailer trotzdem den ganzen Tag anhören. Oder die anderen, aber nicht so mobilen Hörer, für die eine Tafel unerreichbar war. Plötzlich krähten sie mit dem Clip los, an Stellen, an denen man sonst gar nicht so einen Beitrag erwartete. So dass man nicht einmal gleich leise drehen konnte. Außerdem wurde ein positives Beispiel eines Bringdienstes geschildert, das für die, die das gerne nutzen würden, einen ermutigenden Eindruck erweckte – wenn man aber nachfragte, gab es das in der Realität allerdings nur ein einziges Mal, am anderen Ende der großen Stadt. Irgendwann hat man keine Fragen mehr.

    • Liebe Anna, ich habe den Ausspruch „Jeder ist ein Künstler“ vor rund 35 Jahren zum erste3n Mal von Arik Brauer gehört. Er war Liedermacher und Maler. Man zählte ihn zur „Wiener Schule des phantastischen Realismus“. Wahrscheinlich ist die Grundhaltung hinter dem Zitat aber viel älter. Möglicherweise stammt sie von Sophokles oder einem anderen antiken Komödiendichter. „2254“ war die große Kunst aus dem Munde der „Kleinen Leute“. Diese Nachtgespräche waren der Griff ins volle Menschenleben. #rettet2254 rettet2254.wordpress.com fjh

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s