Journalismus im Wandel: Qualität geht nicht nach der Mode

„Die Mode ist so schrecklich, dass sie jedes halbe Jahr durch eine andere ersetzt werden muss“, meinte der spitzzüngige britische Autor Oscar Wilde einmal. Mit den Moden aber rennen Heerscharen von Menschen bald hierhin und bald dorthin, um nur ja nichts zu verpassen.
Auch im Journalismus werden mindestens im Halbjahrestakt neue Trends ausgemacht. Jeder, der in dieser Branche etwas auf sich hält, erklärt diese oder jene alte Weisheit für überholt und eine ganz neue Wahrheit für unumstößlich. Der Journalismus von morgen sehe ganz anders aus als der von heute, warnen viele Publizistik-Propheten mit ernster Miene.
Selbstverständlich ist Journalismus in Bewegung. Anderenfalls könnte er überhaupt nicht aktuell berichten. Aber Journalismus bedarf auch der klaren Regeln einer fairen und soliden Berichterstattung, an deren Grundsätzen sich im Laufe der Jahre wirklich nur wenig geändert hat.
Sicherlich stoßen die Möglichkeiten einer gründlichen Recherche allein schon in der Praxis ausgedünnter Redaktionen oder kleiner Online-Projekte auf ihre realen Grenzen. Aber Zeitdruck und Mittelknappheit dürfen kein Grund sein, schlampig recherchierte Halb- oder Unwahrheiten unhinterfragt zu veröffentlichen. Das Verbreiten von Falschinformationen und die Diskriminierung von Menschen widersprechen jedem journalistischen Berufsethos.
Die Sicherung von Qualität bedarf der gesammelten Erfahrungen gestandener Journalisten. Die Anpassung an neue technische Rahmenbedingungen und neue Publikumsgewohnheiten bedarf der mutigen Neugier probierfreudiger Berufsanfänger. Nur wer sich ändert, kann sich selbst treu bleiben.
Einige Veränderungen im Journalismus verdanken ihre Notwendigkeit dem Wandel der Technik. Papier ist geduldig; Online ist ungeduldig. Onlinejournalismus muss also schneller und kompakter daherkommen als das klassische Printprodukt.
Einige Veränderungen im Journalismus verdanken ihren Erfolg geänderten Gewohnheiten der Nutzerschaft. Das stundenlange Zeitunglesen am Frühstückstisch ist allenfalls noch ein überkommenes Ritual alternder Intellektueller.
Einige Veränderungen im Journalismus schließlich sind durch die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen notwendig geworden. Kaum redigierte Agenturmeldungen und Pressemitteilungen beherrschen weithin das Bild, während gute Recherche immer Mut erfordert, der dann allerdings auch belohnt wird.
Nach wie vor ist sprachliche Eleganz ein wichtiges Schmiermittel für journalistische Texte. Wer beim Lesen aneckt, legt das Blatt beiseite oder klickt weiter. Verständliche Sprache und wohl gesetzte Worte hingegen bilden einen Sog in die jeweilige Geschichte hinein.
Guter Journalismus muss deswegen immer drei Grundsätze beherzigen: Er muss sprachlich klar und elegant sein, sich um eine wahrheitsgemäße und faire Berichterstattung bemühen und die Lesenden bei ihren Erwartungen an das jeweilige Medium abholen. Richtig gut wird er dann, wenn er dabei auch noch überraschend ist oder ergreifend, überzeugend oder einfach überwältigend.

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Ein Kommentar zu “Journalismus im Wandel: Qualität geht nicht nach der Mode

  1. Pingback: Bei Online kein Muss: Schluss mit dem Redaktionsschluss | Franz-Josef Hanke

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