Feiern mit der Familie war ein Fest: Frohe Weihnacht!

Frohe Weihnachten wünscht Franz-Josef Hanke. Möge es für alle ein Fest des Friedens und der Liebe werden!
Ich selber werde Weihnachten dieses Jahr erstmals allein verleben. Seit über 20 Jahren hatte ich die Festtage bei meiner Schwiegermutter verbracht. Nun ist sie zu krank, um die Last der Vorbereitungen noch tragen zu können.
Bis 1991 hatte ich Weihnachten immer bei meinen Eltern zugebracht. Dort versammelte sich die gesamte Familie an überfüllten Gabentischen neben einem – zuletzt elektrisch erleuchteten – Weihnachtsbaum. Wegen der Kinder war meinen Eltern das Kerzenlicht irgendwann zu gefährlich geworden.
Meine Schwiegermutter hingegen bestand auf echte Kerzen. Unter dem Baum stand deswegen immer ein Eimer Wasser.
Stilvoll war auch der sonstige Verlauf der Weihnachtstage: Gemeinsam sang man Weihnachtslieder, die meine Ehefrau Erdmuthe Sturz auf dem Klavier und meine Schwiegermutter auf der Blockflöte begleiteten. Am Heiligabend gingen sie gemeinsam zur Christmette in die Kirche.
Herausragend war das traditionelle Weihnachtsessen: Am Heiligabend gab es zu Mittag eine Kartoffelsuppe. Mit viel Milch, Butter und „Einbrenn“ sowie Thymian hatte Erdmuthe das einfache Rezept ihrer Oma irgendwann köstlich verfeinert.
Seit mehreren Generationen in der Familie überliefert worden war das Rezept für das Abendessen am Heiligabend. Zunächst gab es eine Fischsuppe. Der Kopf des Karpfens sowie andere fein abgeschmeckte Zutaten gaben ihr den nötigen Geschmack.
Das Köstlichste war die anschließende „Powiddelsoße“. Dabei handelt es sich um warmes Pflaumenmus mit Rosinen und Wurzeln, zu dem Weißbrot serviert wird.
Anschließend daran wurde der Karpfen mit „Welschem Salat“ aufgetischt. Der „Welsche Salat“ ist ein Salat aus Kartoffeln, Dicken Bohnen und Salat mit Schmandt.
Am ersten Weihnachtstag gab es traditionell Gänsebraten mit Knödeln sowie den Resten vom Welschen Salat. Am Zweiten Weihnachtstag folgte dann ein Rinder- oder Schweinebraten mit Kartoffeln.
Wie viel Mühe die Zubereitung dieses Essens gekostet hat, mag man daran erkennen, dass meine Schwiegermutter damit schon zwei Tage vor den Feiertagen begonnen hat. Ihre Vorfahren hatten noch Köchinnen und Haushaltshilfen, die das Essen seinerzeit mit zubereiten halfen.
Aber meine Schwiegermutter ließ es sich bis 2013 nicht nehmen, auch im hohen Alter von über 90 Jahren noch den Fisch, die Fischsuppe und den Braten auf ihrem Kohleherd zuzubereiten. Das gab einfach einen ganz anderen Geschmack als die Zubereitung in einem Elektro- oder Gasherd.
Hinzu kamen zur nachmittäglichen „Jause“ der Weihnachtsstrietzel und die Weihnachtsplätzchen. All das hat meine Schwiegermutter immer nach alten Familienrezepten selbst gebacken.
1992 haben wir Weihnachten so zu Viert gefeiert. 2008 starb Erdmuthes Tante Lene und 2010 Erdmuthe. Seither waren wir deshalb leider nur noch zu Zweit.
Nun sind wir beide alleine. Wir werden aneinander denken und miteinander telefonieren.
Den Wert vieler Dinge erkennt man oft erst, wenn man sie nicht mehr hat. Vielleicht sollten wir uns viel öfter an dem erfreuen, was wir haben, als über das zu lamentieren, was wir nicht haben!

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2 Kommentare zu “Feiern mit der Familie war ein Fest: Frohe Weihnacht!

  1. Hallo lieber Herr Hanke,
    ich fand im Netz: viele Menschen sind Weihnachten allein. Das mag viele Ursachen haben, altersbedingt und sonstige. Ist auch nicht schlimm. Auch ich habe (noch)eine
    kleine Familie mit Frau und Tochter. Auch hier gehört der von Ihnen erwähnte Kartoffelsalat zum abendlichen Ritual. Ich bin kriegskind und habe (zum Glück vielleicht) keine Erinnerungen an das alte Leben in der Neumark von jenseits der
    Oder. .Neues in der DDR ist nicht oder kaum ergänzt worden, die soziale Nähe der
    Menschen war größer und weiter als jetzt hier im Westen. Ellenbogen sind gefragt.
    Sie kenenn mich ja durch und von meinen Gerdichten, dem Hobby bin ich treu geblieben. Im November kam mein Gedichtband beim S-Fischer-Verlag heraus.
    Aber Sie kennen das, die Nachfrage ist nicht sehr groß. Trotzdem schreibe ich weiter, und es macht mir Spaß. Habe viel in der Schublade. An manchen Tagen
    kommen die Verse wie von selbst, an anderen bin ich wie erloschen. Und ersxchrecke.. Über viele Dinge kann man sich empören, reichen zur Inspiration.
    Auch ich bite Sie, schreiben Sie weiter. Es gibt uns den Mut für den nächsten Tag.
    Ich sende Ihnen ganz herzliche Weihnachtsgrüße,
    nein, Sie sind nicht allein. Viele sind, selbst wennn sie meherre sind, einsam.
    Wir sind es nicht.

    Ihr
    Siegfried Baudach

  2. Pingback: Trauer tut Not: Immer nur lächeln und immer schön fröhlich bleiben! | Franz-Josef Hanke

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