Verständnis und Verständigung: Phil Hill wird heute um 10 Uhr in Berlin beigesetzt

Philipp Andrew Hill wird heute in Berlin zu Grabe getragen. Die Beisetzung findet um 10 Uhr auf dem Friedhof an der Greifswalder Straße gegenüber vom Haus der Demokratie und Menschenrechte statt. Bei der Zeremonie werde auch ich einige Worte an die Versammelten richten.
In meiner kurzen Rede werde ich auf die einmaligen Fähigkeiten und das außergewöhnliche Leben von Phil Hill hinweisen. Einerseits steht er stellvertretend für eine ganze Generation junger US-Amerikaner, die von einer verantwortungslosen Politik in den Vietnam-Krieg gezwungen wurde; andererseits steht er für einen reichhaltigen Schatz an Wissen und Sprachbegabungen, der gerade in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) absolut außergewöhnlich ist.
Dass der US-Bürger besser Deutsch sprach als viele Einheimische, ist kaum verwunderlich angesichts der insgesamt wohl gut 30 Jahre, die er in Deutschland gelebt hat. Dass er neben Englisch und Schulfranzösisch auch Vietnamesisch, Koreanisch und Japanisch sprach, ist seinem besonderen Leben und einer klugen Grundeinstellung dazu geschuldet. Dass er sich beispielsweise auch Niederländisch angeeignet hat, zeugt von seinem Interesse an Sprachen und an der Völkerverständigung in politischem wie sozialem Sinne.
Hill arbeitete als Journalist und Übersetzer. Gelegentlich war er auch als Dolmetscher tätig. In Berlin bot er zudem Alternative Stadtführugen auf Japanisch an.
Unvergessen bleibt mir das große Unverständnis, mit dem mir Phil von seiner Reise mit Rudolf Bahro in die USA berichtete: Unbedingt wollte Rudi Bahro 1993 in Oregon den Bhagwan Shree Rajneesh in Oregon treffen. Zu Phils Entsetzen verstanden sich beide bestens.
Einige Jahre später habe ich Bahro zufällig in einem Tagungshaus getroffen. Freudestrahlend begrüßte er mich im Foyer. Mir wurde klar, dass Rudi seine Spiritalität inzwischen gefunden hatte und glücklich war.
Phil hingegen blieb zeitlebens ein Suchender. Kurz vor dem allzu frühen Ende seines Lebens hat er aber eine Suche endgültig beendet: Die harmonische Beziehung zu seiner langjährigen Lebensgefährtin Gabriele Wendland war für ihn wichtigstes Lebensziel.
Phil Hill wurde am 10. Dezember 1949 in Paris geboren. Er starb am 22. Dezember 2014 in Berlin.
Im Sommer 1984 habe ich ihn bei einem Friedenstreffen in Fulda kennengelernt. Wenige Wochen später traf ich ihn in Washington wieder. Am 30. Oktober 1984 übersetzte er bei der Großdemonstration auf dem Domplatz in Fulda die Rede des Atom-Veteranen Anthony Guarisco.
Mit Phil und seinen US-amerikanischen Mitstreitern der Gruppe „Vietnam Veterans against War“ bin ich 1984 im Bus durch Osthessen gefahren und habe Atomwaffenlager und Militärstandorte besucht. Gemeinsam engagierten wir uns bei den Grünen.
1998 bin ich aus Protest gegen die Kriegspolitik von Joschka Fischer aus der Partei Die Grünen ausgetreten. Das gute Verhältnis zu Phil Hill indes blieb. Seit 1984 haben wir uns jedes Jahr mehrmals gesehen.
Zuletzt besucht habe ich ihn im September 2014 in Berlin. Auch da beeindruckte er mich wieder mit seinen schier unbegrenzten Kenntnissen über Politik und Geschichte.
Mit Phil Hill verliert die Welt einen riesigen Schatz an Wissen und ich einen Reichtum an Freundschaft. Sein gigantisches Wissen, sein chaotisches Wesen und seine freundliche Art werden mir unvergesslich bleiben.

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Ein Kommentar zu “Verständnis und Verständigung: Phil Hill wird heute um 10 Uhr in Berlin beigesetzt

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