Die Wahrheit macht Arbeit: Wir wollen´s wissen

„Der Rundfunk möje über das Positive berichten“, forderte einst Bundeskanzler Konrad Adenauer. Weil die Medien aber auch über Krieg, Neonazis und Terrorismus berichten, möchte Jens Bertrams „nie, nie, nie wieder eine Zeitung aufschlagen“.
Jedenfalls veröffentlichte der Marburger Journalist einen gleichnamigen Beitrag am Montag (9. März) in seinem Blog Mein Wa)h)renhaus. Wie allerdings schon der Name seiner Website verrät, steht auch Bertrams eher zur Wahrheit als der Rhöndorfer Bundeskanzler dereinst.
Was würde es auch nützen, die Augen vor Verbrechen, Überwachung, Terror und Krieg zu verschließen? Nur mit Wissen darüber kann man sich vor derlei Scheußlichkeiten wirksam schützen.
Allerdings tut es empfindsamen Menschen weh, mitzubekommen, dass der Bürgermeister einer kleinen Gemeinde vor Drohungen fremdenfeindlicher Neonazis kapituliert. Mitfühlende Menschen leiden unter Berichten von Folter und Terror des sogenannten „Islamischen Staats“ (IS) ebenso wie unter 1.000 Peitschenhieben saudi-arabischer Sadisten in Richterroben und dem Beschuss von Wohngebieten in der Ukraine oder im Ghaza-Streifen.
Empörung regt sich. Allerdings regen sich anscheinend nicht genügend Menschen auf, um die weltweite Massenüberwachung der National Security Agency (NSA) mit einem Sturm der Entrüstung vom Tisch zu fegen oder auch nur die Bundeskanzlerin Angela Merkel in dieser Angelegenheit zu einer härteren Gangart gegenüber ihrem atlantischen Verbündeten zu bewegen.
Abgestumpft scheinen auch viele Journalisten zu sein, die über die schlimmsten Scheußlichkeiten nüchtern und neutral berichten. Nur wenn in Russland fünf Verdächtige gefasst wurden, die den Regimekritiker Boris Nemzow ermordet haben sollen, dann ergreifen die meisten Berichterstatter Partei für die Skeptiker. Wenn aber die Vorratsdatenspeicherung (VDS) trotz eindeutig festgestellter Verfassungswidrigkeit wieder und wieder für nötig erklärt wird, dann machen sich viele deutsche Medien zu willigen Propagandisten der Verfassungsfeinde in Uniform und erwähnen die entsprechenden Urteile des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) und des Europäischen Gerichtshofs (EUGH) nicht einmal.
Ganz unschuldig an ihrem schlechten Ruf sind die Medien sicherlich nicht. Andererseits können sie ja auch nicht alles unter eine rosa Brille legen und nur positiv über eine „heile Welt“ berichten, in der immer öfter wieder „Heil“ gerufen und mit der erhobenen Rechten gegrüßt wird.
Journalismus ist der Wahrhaftigkeit verpflichtet. Ebenso ist er aber auch der Demokratie, der Solidarität und der Menschlichkeit verpflichtet. Journalismus soll zu Friedfertigkeit anstacheln und darf nicht zu Krieg aufhetzen.
Journalisten befinden sich in einer bösen Zwickmühle: Berichten sie neutral, werden sie als „gefühllos“ beschimpft; berichten sie mit Empathie, werden sie der parteiischen Berichterstattung gescholten. Es ist ein schmaler Grat, auf dem Journalismus tagtäglich balancieren muss, ohne das Gleichgewicht zu verlieren.
Dabei droht dem Journalisten immer das tödliche Schicksal der Antike: Der Überbringer der schlechten Nachricht wird geköpft. Dabei hat er das Ereignis doch gar nicht bewirkt!
Deswegen brauchen Journalisten und Leser mehr Mut. Der Irrsinn dieser Welt verlangt nach aufrechten Kämpfern für Freiheit und Gerechtigkeit.
Man muss keine Karikaturen zeichnen, die religiöse Gefühle verletzen; aber man muss dieser Karikatur von Demokratie eine echte Verantwortlichkeit aller für das Miteinander entgegensetzen. Respekt auch vor anderen Meinungen gehört dazu ebenso wie die Bereitschaft, für die eigene Meinung einzustehen und dafür auch Widrigkeiten in Kauf zu nehmen.
Demokratie ist in vielen Jahrhunderten Stückchen für Stückchen hart erkämpft worden. Gerade jetzt müssen die Menschen wieder für die Demokratie kämpfen. Dabei braucht die Gesellschaft gute Journalisten ebenso wie kluge Bürgerinnen und Bürger.

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9 Kommentare zu “Die Wahrheit macht Arbeit: Wir wollen´s wissen

  1. Lieber Franz-Josef, ein wahrer und wahrhaftiger Beitrag. Nur ist es eine unzulässige Verkürzung meines Statements, dass ich wegen der schlechten Berichterstattung die Zeitung nicht mehr aufschlagen möchte manchmal. Es ist wegen der Dinge, die tatsächlich geschehen, nicht wegen der medialen Rezeption, über die ich professionell schon oft hinwegsehe. Es ist der Zustand der Welt selbst, nicht die Darstellungsform in den Medien, der mich manchmal echt verzweifeln lässt. Und wie viele Menschen, die ein gewisses Alter erreicht haben, habe ich das Gefühl, bis vor 20 Jahren oder so sei die Welt eine zumindest teilweise bessere gewesen. Das ist immer subjektiv, aber ab und an habe ich solche Gedanken.

  2. Ich bin Zeitungsausträger unserer Lokalzeitung, aber auch anderer Tageszeitungen wie Bild, Faz ,Süd und anderer „Qualitätsmedien“. Schön das es noch Abonnenten gibt, denn ich lebe davon. Unterschiede kann ich allerdings kaum feststellen (in den politischen Ausrichtungen zumindest). Es kann da einem schon das Lesen vergehen.
    Nach der politischen Wende gab es wohl kurz eine vielseitige, neutrale und kluge Medienlandschaft. Vielleicht bilde ich es mir auch nur ein. Mitte der 90iger ist dann aber eine schleichende Uniformierung der Medien gekommen, warum auch immer.
    Heute werde ich oft an die Staatsmedien der DDR erinnert, die tendenziell immer in eine Richtung gingen. Genauso ist es heute. Russland bös, Nato gut, Griechenland faul, Deutschland fleißig usw. Natürlich wird das von meinen verschiedenen Zeitungen in unterschiedlichen Facetten beschrieben. Der Grundtenor ist aber immer ähnlich. Hoffentlich merken das meine Leser erst, wenn ich in Rente bin.
    Zum großen Glück gibt es das Internet mit unabhängigen und wirklichen Journalisten.
    Viele Grüße aus Sachsen

  3. Lieber Franz Josef, sehr guter Artikel, der aberr Wunschdenken ist und vermutlich auch bleibt. Wir müssen nicht für die Demokratie kämpfen, wir müssten sie erst einmal wieder einführen! Solange sich aber die Medien und die Journalisten als „Erfüllungsgehilfen“ der Politik erweisen, sehe ich keine Möglichkeit einen öffentlichen Druck zu erzeugen, dem sich auch die Politik beugen wird. Wie wir Bürger „behandelt“ werden von der Politik und auch den Medien, das durften wir ja alle durch (2254) erfahren. ( Die Politik befiehlt und die Medien gehorchen) Dies hat mir die Augen geöffnet! Traurig aber wahr………. so geht es nicht weiter…………..

  4. “Der Rundfunk möje über das Positive berichten”
    Wie wäre es, wenn statt wie Focus.online am Freitag, 06.03.2015, 06:18 z. B. berichtet: Islamistische Terrorgefahr: Ein Libanese löste mit Waffen-Deal Großeinsatz in Bremen aus.“ die Medien über Demonstrationen und Forderungen der angeblich so friedliebenden Asylanten gegen derartige Anschläge, vor denen sie ja bekanntlich geflohen sind, berichten. Fordern können sie ja schließlich auch schon – im Gastland – bessere Wohnbedingungen. Oder geht das aus wie zur Flut 2013.
    Eigentlich sind doch gerade solche Ereignisse dazu angetan, Kontakte zu knüpfen, sich einzuleben, teilzunehmen. Aber vielleicht ist auch diese Flut ja Allahs Strafe für die Ungläubigen. Es wird schon seinen Sinn haben, daß es in Mekka und Medina solche Überschwemmungen nicht gibt.

    • In Bremen waren es ominöse „Informanten“ und letztlich der Innensenator, die die Stadt durcheinandergewirbelt haben. Ob da überhaupt jemand beteiligt war, der aus einem fernen Land gekommen ist, wurde nie belegt. Allerdings war die Moscheegemeinde Opfer. Ihr Gotteshaus wurde von der Polizei gestürmt und durchsucht. Man stelle sich einmal vor, so etwas geschähe mit einer christlichen Kirche oder einer jüdischen Synagoge! Wie groß wäre da der Aufschrei! Wer Menschen nach Herkunft oder Hautfarbe beurteilt, der vergisst die wichtigste Grundlage des Mensch-Seins: Der Mensch verfügt über seinen Verstand, um ihn zu gebrauchen. Dabei möge er sich des Kategorischen Imperativs bedienen: Behandle jeden genau so, wie Du gerne behandelt werden willst! Fremdenfeindliche Äußerungen haben in diesem Blog deswegen nichts zu suchen, da es im weltweiten Web nur „Fremde“ gibt. fjh

      • Hallo Franz Josef, das was Du hier schriebst solltest auch mal den GROßEN Printmedien ( Stern, Spiegel, Focus etc.) zuleiten! Schaue Dir deren Titelstorys der letzten 3 JAhre an und Du weißt woher die Resontiments gegen den Islam in unserem Lande kommen. Die Hetze, Verunsicherung und Angst ist geschürt!

      • Lieber Dietmar, leider hast Du recht: Teile der Printmedien und auch gewisse Fernsehsender gehen mit Fremden und dem Islam nicht entsprechend der Gebote journalistischer Fairness um. Ich will ja nicht behaupten, dass die BILD-Zeitung gegen Ausländer – auch gegen Griechenland – hetzt, aber die 16 Grundsätze journalistischer Berufsethik des Deutschen Presserats befolgt sie da nicht immer. Selbst Rügen des Presserats, die BILD für ihre „Berichterstattung“ wieder und wieder kassiert, haben an dieser Unsitte bislang leider nichts geändert. Damit ist diese Zeitung – uund nicht nur sie – mitverantwortlich für rassistische Hetze, für fremdenfeindliche Angriffe und für eine Stimmung des Hasses. Das sollten sich alle vergegenwärtigen, die BILD lesen. Ich halte es da mit einem alten Slogan: „Die BILD-Zeitung ist mir am liebsten am Allerwertesten.“ fjh

      • Mittwoch, 11.03.2015 Bombendrohung im Rathaus
        „Dresden. Die Pressestelle der Stadt hat am Vormittag bestätigt, dass die Polizei vor Ort ist und das Rathaus durchsucht. Unser Reporter vor Ort berichtet, dass die Polizei den Eingang der Bombendrohung bestätigt hat. Aber mit Verweis auf mögliche Trittbrettfahrer gibt es zur Zeit keine weiteren Informationen.
        Die Polizei hält sich offiziell zurück, sie wollen scheinbar keine Aufmerksamkeit erregen. Unser Reporter beschreibt die Lage: „Hier ist nichts zu hören und zu sehen.“ (szo) “
        Da ist das sicher auch nur ein schlechter Scherz. Ganz abgesehen von den Finanzen, die dabei „verschleudert“ werden.

  5. „Allerdings regen sich anscheinend nicht genügend Menschen auf, um die weltweite Massenüberwachung der National Security Agency (NSA) mit einem Sturm der Entrüstung vom Tisch zu fegen oder auch nur die Bundeskanzlerin Angela Merkel in dieser Angelegenheit zu einer härteren Gangart gegenüber ihrem atlantischen Verbündeten zu bewegen.“
    Wen wundert diese einsetzende Massenüberwachung? Haben die Attentäter 2001 nicht sogar in Hamburg studiert? Wenn ich auch nicht gerae zu den Freunden Amerikas zähle, so wundern mich diese Vorsichtsmaßnahmen überhaupt nicht mehr. Denn „… die Nachricht von der „Terror-WG“ geht um die Welt, Hamburg gilt fortan als Brutstätte des Terrors.“
    Und wer sogar eine SpielzeugWaffenIndustrie tol(l)eriert bzw. geflissentlich übersieht, muss sich nicht über weitere Attentate durch psychische Schäden wundern, schließlich tragen die Medien in gehörigem Maße dazu bei mit ihren als Unterhaltungsfilme „getarnten“ Anleitungen zum Verbrechen.

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