Ein Optimist ist gegangen: Meine Erinnerungen an Wladyslaw Bartoszewski

Sehr bescheiden war er und dabei doch sehr wissbegierig. In einem Wiesbadener Café saß ich ihm gegenüber. Der Dritte am Tisch war ein Mitarbeiter von „Inter Nationes“.
Stattgefunden hat mein Gespräch mit Wladyslaw Bartoszewski wahrscheinlich 1982 oder 1983. Jedenfalls war ich damals Landesvorsitzender der Grünen Hessen und er Publizist.
Der ehemalige polnische Außenminister und Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz ist am Freitag (24. April) im Alter von 92 Jahren in seiner Heimatstadt Warschau verstorben. Zweimal bin ich ihm begegnet und erinnere mich nun in Trauer an den Menschen, den ich kennenlernen durfte. Weiterlesen

Nach dem Tod von günther Grass: Wir brauchen Warner und Mahner

Wie politisch soll ein Schriftsteller sein? Diese Frage ist nach dem Tod von Günther Grass wieder wichtig geworden. Schließlich verlor die deutsche Literatur mit ihm ihren – trotz aller umstrittenen Äußerungen – wichtigsten Warner und Mahner.
Wie politisch soll oder müssen Journalisten sein? Auch diese Frage stellt sich neu angesichts der Zeitläufte, in denen Massenüberwachung und Freihandelsabkommen die Demokratie heimlich – aber nachhaltig und möglicherweise unwiderruflich – untergraben. Weiterlesen

Auch wenn der Vergleich hinkt: TTIP ist das Ermächtigungsgesetz für Banken und Großkonzerne

Geschichte wiederholt sich nicht. Deshalb hinken historische Vergleiche immer. Dennoch ist es manchmal nötig, einen schiefen Vergleich zu bemühen, um einen Sachverhalt geradezurücken.
Trotz aller gravierenden Unterschiede bezeichne ich das TTIP-Abkommen deswegen als „Ermächtigungsgesetz für Finanzhaie und multinationale Großkonzerne“. Dieser Vergleich soll indes keineswegs den Faschismus und seine mörderische Politik verharmlosen. Die systematische und planmäßige Ermordung von mehr als sechs millionen Menschen in den Nazi-Konzentrationslagern entzieht sich jedem historischen Vergleich und ist einmalig in der Geschichte. Weiterlesen

Der Bücherbus kommt: Darmstadt hat die Stadtteilbiliotheken geschlossen

In Darmstadt geht heute erstmals ein Bücherbus auf Tour. Zu festgelegten Zeiten bringt dieses Gefährt Literatur in die Stadtteile.
Vehement hat sich meine Schwiegermutter gegen den Bücherbus ausgesprochen. Jahrelang leitete sie die Bücherei im Darmstädter Stadtteil Bessungen. Diese Biblioghek fällt nun dem Bücherbus zum Opfer. Weiterlesen

Aus Danzig vom Jahrgang 1927: Persönliches zum Tod von Günter Grass

Gewissermaßen gehörte er zur Familie. Auch wenn unsere Verwandtschaft so weitläufig war, dass sie kaum einer Erwähnung wert wäre, war er doch immer mal wieder präsent in den Erinnerungen meines Vaters. Zudem trug er den gleichen Vornamen wie Günter Hanke.
Im Alter von 87 Jahren ist Günter Grass heute früh in Lübeck gestorben. Ebenso wie mein Vater wurde auch er 1927 in Danzig geboren. Weiterlesen

Zum Tod von Irmgard Sturz: Immer wieder Zähne zusammengebissen und weiter!

Foto: Irmgard Sturz 2009
Sie hat die Weimarer Republik, den Hitler-Faschismus und den Zweiten Weltkrieg überlebt, Vertreibung und Hunger durchlitten. Zwei Männer und zwei Kinder hat sie verloren. Das Leben hat sie gelehrt, die Zähne zusammenzubeißen und anzupacken, was zu erledigen ist.
Irmgard Sturz ist am Sonntag (5. April) im Alter von 94 Jahren in Darmstadt gestorben. Tapfer hat sie die Schmerzen ertragen, bis am Abend des Ostersonntags schließlich auch diese letzte Prüfung vorbei war.
Ich habe sehr großen Respekt vor dieser Frau und vielen anderen aus ihrer Generation. Was hat sie nicht alles durchleiden müssen; und doch hat sie nie geklagt! Weiterlesen

Mehr Rouge bitte: Zum Geburtstag von Daniel Cohn-Bendit

„Wir alle sind deutsche Juden.“ Unter diesem Slogan solidarisierten sich französische Studenten 1968 mit Daniel Cohn-Bendit. Zehn Millionen Menschen schlossen sich damals seinem Aufruf zum Generalstreik an.
Präsident Charles de Gaulle floh vor den Protesten. Der „rote Daniel“ oder „Daniel le Rouge“, wie er in Frankreich genannt wurde, stand damals kurz vor der Verwirklichung seines Ziels. Das war nicht weniger als die sozialistische Revolution.
Geboren wurde der deutsche Student am 4. April 1945 in Frankreich als Sohn eines Berliner Juristen. Wegen ihrer jüdischen Abstammung hatte die Familie vor der Nazi-Diktatur nach Frankreich fliehen müssen.
„In Frankreich ist Daniel Cohn-Bendit wohl der berühmteste lebende Deutsche“, meinte eine französische Besucherin zu mir, als sie von seinem Besuch auf dem Marburger Marktplatz erfuhr. Gemeinsam gingen wir hin und hörten dem Grünen-Politiker zu. Weiterlesen