Ein Optimist ist gegangen: Meine Erinnerungen an Wladyslaw Bartoszewski

Sehr bescheiden war er und dabei doch sehr wissbegierig. In einem Wiesbadener Café saß ich ihm gegenüber. Der Dritte am Tisch war ein Mitarbeiter von „Inter Nationes“.
Stattgefunden hat mein Gespräch mit Wladyslaw Bartoszewski wahrscheinlich 1982 oder 1983. Jedenfalls war ich damals Landesvorsitzender der Grünen Hessen und er Publizist.
Der ehemalige polnische Außenminister und Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz ist am Freitag (24. April) im Alter von 92 Jahren in seiner Heimatstadt Warschau verstorben. Zweimal bin ich ihm begegnet und erinnere mich nun in Trauer an den Menschen, den ich kennenlernen durfte.
Sein Geburtsdatum ist der 19. Februar 1922. Auf den Tag genau 28 Jahre später wurde meine Ehefrau Erdmuthe Sturz geboren.
Bartoszewski engagierte sich im Widerstand gegen den Hitler-Faschismus. Die Nazis sperrten ihn ins Konzentrationslager. Trotzdem war gerade er einer der wichtigsten „Brückenbauer“ für die deutsch-polnische Aussöhnung.
Seine Offenheit lernte ich bei unserem ersten Zusammentreffen in Wiesbaden kennen. Damals interessierte er sich für Die Grünen. Diese seinerzeit neue Partei wollte er genauer ergründen.
Da ihn damals kaum jemand in Deutschland kannte, baten Die Grünen Hessen mich, das Gespräch mit Bartoszewski zu führen. Gute zehn Jahre später hätten sich Die Grünen wohl fast alle um ein Gespräch mit ihm gerissen.
Zweimal war er polnischer Außenminister. Dabei erwarb er sich besondere Verdienste um das deutsch-polnische Verhältnis.
Mein zweites Zusammentreffen mit Bartoszewski fand bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Philipps-Universität in der Alten Aula statt. In seinem gut verständlichen und gepflegten Deutsch sprach er dort über die Politik in Europa und die Notwendigkeit des Friedens. Die friedliche Grundhaltung hatte uns schon bei unserem ersten Treffen in Wiesbaden zueinandergebracht.
Am Ende schloss Bartoszewski seine Marburger Rede mit dem Bekenntnis, er sei ein hoffnungsloser Optimist. Selbst wenn Optimisten und Pessimisten die gleiche Lebenserwartung hätten, habe der Optimist es garantiert besser, denn: „Er lebt lustiger.“

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Ein Kommentar zu “Ein Optimist ist gegangen: Meine Erinnerungen an Wladyslaw Bartoszewski

  1. Lieber Harr Hanke,

    Betr.: Wladyslaw Bartoszewski Ich lese sie immer und überall in der Welt…ich muß nicht mehr sagen sie sind einmalig und ihre Beiträge haben Substanz und Nachhaltigkeit. Dafür danke ich ihnen heute … Machen sie weiter so.. bin derzeit in Afghanistan …mehr irgendwann einmal.. Liebe Grüsse Günther Ruschel

    PS: Hatte vor einigen Jahren einen Film gedreht…lesen sie bitte… Wir kennen uns über D-Radio Kultur

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