10. Juni: Unsere Zeitreise zu machtvollen Friedensdemos für Arte

Am Georg-Gaßmann-Stadion soll der Bus nach Bonn abfahren. Wir machen uns auf den Weg zum Hofgarten, wo die Friedensbewegung ihre machtvollen Großdemonstrationen zelebriert. Allerdings findet unsere Fahrt fast 34 Jahre nach der ersten großen Friedensdemo auf der Bonner Hofgartenwiese statt.
Mit einem Kamerateam begeben wir uns auf die Zeitreise. Die Dokumentation über die Friedensbewegung der 80er Jahre soll am 18. August auf Arte laufen.
Vor der Mensa am Erlenring sind am 10. Juni 1983 insgesamt 52 Busse nach Bonn abgefahren. Damals war ich einer der Organisatoren der Marburger Busse für die Demo auf der Beueler Rheinaue gegenüber dem Bundestag.
32 Jahre später erinnere ich mich noch gut, wie wir damals mit heißen Fingern die Telefone quälten, um noch mehr Busse herbeizuordern. Alles, was zwischen Kassel und Gießen Räder und mehrere Sitzplätze hatte, rollte damals von Marburg nach Bonn. Verantwortlich für die Busorganisation im Allgemeinen Studentenausschuss (AStA) waren damals neben mir Klaus Vohrländer von der Grün-Bunt-Alternativen Liste (GBAL) und der Juso Peter Feldmann, der inzwischen Oberbürgermeister von Frankfurt geworden ist.
Unerträglich heiß war das Wetter am 10. Juni 1983. Daran erinnern sich auch Uli Severin und Hilde Gala. Gemeinsam mit mir fahren sie noch einmal mit dem Bus nach Bonn.
Kameramann und Tontechniker nehmen unsere ERinnerungen während der Fahrt auf. Auf einem Rastplatz an der Autobahn A3 machen wir Station. Auch am 10. Oktober 1981 gab es einen Zwischenhalt dort.
Massenweise Busse aus ganz Süddeutschland verstopften den Rastplatz. Daran erinnert sich Uli, der viele Fotos gemacht hat. Sie helfen bei der Erinnerung an das Großereignis.
Hilde hat im „Marburger Forum“ mitgearbeitet. Das war eine überparteiliche Friedensinitiative. Ganz wesentlich hat sie dazu beigetragen, dass allein aus Marburg 3.700 Menschen nach Bonn fuhren.
Ich selbst war damals bei den Grünen. Im AStA Marburg habe ich das Friedensreferat durchgesetzt und war dessen erster Referent. Bei den Grünen Hessen war ich als Landessprecher für Friedenspolitik zuständig.
Mit Petra Kelly stand ich am 10.10.1981 neben der Bühne. Heinrich Böll und Erhard Eppler haben dort mit uns gesprochen, bevor sie ans Redepult gingen.
Was Werner Köhne in seinem Dokumentarfilm von uns bringen wird, weiß ich noch nicht. Aber ich weiß, dass außer mir unter anderem auch Andreas Zumach zu Wort kommen wird. In der Nachfolge von Josef Leinen fungierte er 1983 und 1984 als Sprecher der Aktion Friedenskooperative, die die bundesweiten Friedensdemos in Bonn koordinierte.
Besonders freue ich mich aber auf einen weiteren Interviewpartner in unserem gemeinsamen Film: Prof. Dr. Jean Ziegler hat sich in Genf ebenfalls zum Thema Friedenspolitik befragen lassen. Auf seine Äußerungen bin ich schon sehr gespannt.
Meine Hoffnung ist, dass es in Zukunft wieder so starke friedliche Proteste geben wird wie 1981 auf der Hofgartenwiese in Bonn, 1983 auf der Bonner Rheinaue oder am 30. Oktobr 1984 auf dem Domplatz in Fulda. Damals gehörte ich zu vier Menschen, die die Idee zu den Aktionen im „Fulda Gap“ angestoßen haben. Ein Jahr später waren wir 30.000 Menschen und lauschten der Schriftstellerin Luise Rinser.
Man kann etwas bewegen. Davon bin ich fest überzeugt. Gleichartig hat sich bei den Protesten gegen den G7-Gipfel am Fronleichnamstag in München auch Jean Ziegler geäußert.
Wir werden etwas bewegen. Die Welt muss sich befreien von Gier und obszönem Reichtum, von Hunger und Krieg sowie von Massenüberwachung und Einschüchterung. Lasst Euch nicht einschüchtern und zeigt Rückgrat, damit der aufrechte Gang wieder die Politik beherrscht und nicht jene Kriecherei, die Diktatoren und Wirtschaftsmagnaten auch ihre perversen Forderungen achselzuckend erfüllt.

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