Die kannibalischen Märkte der Menschenverachtung: Wo sich Leistung lohnt

Wettbewerb sei etwas Gutes, hören wir allenthalben. Der Markt werde es schon richten, beteuern die Befürworter des freien Wettbewerbs. Leistung müsse sich lohnen, fordern sie.
Wer nichts leistet, kann sich auch nichts leisten. Diese Gesellschaft leistet sich die Ungeheuerlichkeit, den Wert eines Menschen aus seiner Leistung abzuleiten. Der ruppige Neoliberalismus macht selbst vor Staaten nicht halt und führt einen unerklärten Krieg des Geldes gegen die Menschlichkeit.
Griechenland soll die bitteren Pillen der neoliberalen Chefideologin Christine Lagarde schlucken: Sparen soll die griechische Regierung auf Kosten der Gesundheit der Bevölkerung zugunsten des Reichtums von Banken und Profitgeiern. Der Wählerwille des Volkes und die Verfassung Griechenlands sind nichts wert gegen die diktatorische Macht der „Institutionen“.
Fließen werden deren „großzügig gewährte“ Milliarden vor allem in den Schuldendienst. Bluten sollen dafür die „Kleinen leute“, die eine höhere Mehrwertsteuer auf Nahrung, Medikamente und Gegenstände des täglichen Bedarfs entrichten und auf einen Teil ihrer – ohnehin schon gekürzten – Rente verzichten sollen.
Dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras bleibt angesichts dieser Erpressung nur der Weg einer Volksabstimmung: Die Bürger Griechenlands sollen entscheiden, ob sie für den Euro hungern oder nach dem Grexit darben wollen. Die Wahl zwischenPest und Cholera ist das Diktat neoliberaler Ideologen, denen die Menschen völlig schnuppe sind.
Diese Ideologen arbeiten auch bereits daran, die Macht ihrer bisher noch fragwürdigigen Institutionen formal zu festigen: Mit sogenannten „Freihandelsabkommen“ wollen sie erreichen, dass die Staaten vom Pfad der Demokratie abkommen und sich der Macht internationaler Großkonzerne unterwerfen. Mit Hilfe geheimer Schiedsgerichte können Konzerne dank dieser „Freihandelsabkommen“ dann frei handeln und Regierungen in die Schranken weisen.
Afrika hungert schon lange nach einer gerechteren Weltordnung. Gierige Profitgeier hingegen wollen die zunehmende Ungleichheit der Einkommensverteilung in Europa nun ebenfalls weiter vorantreiben.
Prof. Dr. Jean Ziegler nennt das „kannibalische Weltordnung“. Er betont immer wieder: „Jedes Kind, das an Hunger stirbt, wurde ermordet.“ Terrorismus ist eine – sicherlich nicht akzeptable, aber erklärliche –
Reaktion der Ausgegrenzten auf den Krieg der Reichen gegen die Armen. Die Verachtung ihrer Kultur hat als Gegenreaktion zu deren Überhöhung geführt. Herausgekommen ist am Schluss der mörderische IS-Terror, den US-Geheimdienste lange Zeit geduldet und möglicherweise gar ebenso unterstützt haben wie andere Terrorgruppen.
Tatsächlich geht es den Kommandeuren dieser Terrorgruppen aber nicht um Religion, sondern ebenfalls um Geld und Macht. Die Religion ist nur Tarnung, um das mörderische Treiben zu legitimieren.
Die Menschen in Afrika und den arabischen Ländern indes fühlen sich unterdrückt. Ihnen haben die internationalen Großkonzerne und die Staaten des Westtens nicht nur ihre Kultur und ihre Religion genommen, sondern auch ihre Zukunft.
Lagarde ist eine der Verantwortlichen für diese Entwicklung. Sie legt gerade ihre Axt an Griechenland an.
Wir alle aber sind mögliche Mittäter, wenn wir diesen Krieg gegen die Menschlichkeit dulden. Der Macht des Geldes über die Welt sollten wir entgegentreten. Die Leistungsideologie sollten wir in Frage stellen.
„Lebensunwertes Leben“ haben die Nazis zu Behinderten gesagt. Sie seien „unnütze Esser“, erklärten die Faschisten. Folge dieser Ideologie war millionenfacher Mord.
Doch auch „Freihandelsabkommen“ und die Auflagen von Kreditgebern können mörderische Folgen haben. Deswegen ist es nun an der Zeit, aufzustehen gegen den neoliberalen Leistungswahn, die Macht dubiöser Märkte, gegen sogenannte „Freihandelsabkommen“ und den Putsch der Wirtschaft gegen die Demokratien.

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9 Kommentare zu “Die kannibalischen Märkte der Menschenverachtung: Wo sich Leistung lohnt

  1. „Sparen soll die griechische Regierung auf Kosten der Gesundheit der Bevölkerung zugunsten des Reichtums von Banken und Profitgeiern. Der Wählerwille des Volkes und die Verfassung Griechenlands sind nichts wert gegen die diktatorische Macht der “Institutionen” „Die Wahl zwischen Pest und Cholera ist das Diktat neoliberaler Ideologen, denen die Menschen völlig schnuppe sind.“
    Jawohl, TTIP fiel mir dabei auch sofort wieder ein. Von wegen Demokratie. Was für eine Demokratie? „Demoktratie ist schon schön“, meinte unser Personalreferatsleiter aus dem Westen bei meiner Einstellung: „Man kann alles sagen. Es interessiert nur Keinen.“ 25 Jahre Praxis seit Mauerfall(€) bestätigen es. Aber „Eine Demokratie ohne eine starke, gleichberechtigte Opposition ist nur eine Scheindemokratie.“ meinte schon (Churchill) und wo ist hier die Opposition, wenn sie nicht gerade unter den Rock der CDU geschlüpft ist? Die DDR wurde immer beschimpft vom Westen wegen seiner 99 Prozent SED. Und was passiert hier mit einer Partei, die eine andere Meinung hat?

    • … DDR ja, aber hier bei Weitem keine Opposition! Im Gegenteil: Merkel trat als Tochter eines Hamburger Theologen 1990 in die CDU ein und Gauck war ja schon immer „christlich“.
      „Es wird rumgeflogen in der Welt, der Missionar Gauck muß auch ran, sie werden nicht beliebter durch ihre Reisen, denn auch im Ausland, egal welches kleine Land, Internet ist überall u. diese Länder sehen auch was hier los ist u. wissen, dass manche Länder Faschisten-Regierungen mit NAZIS haben! “
      Und es soll trotzdem das Bild von der angeblichen Vereinigung Deutschlands vermitteln, wenn es sonst ganz schnell – wie bei der Mütterrente-Ost z. B. – wieder „Beitrittsgebiet“ heißt.
      Was haben die beiden denn zu entscheiden oder mal mit der Faust auf den Tisch hau’n wie Kohl? Sind sie nicht nur Verkünder dessen, was im Geheimen und Hinterzimmern ausgehandelt wird (TTIP).

  2. Vorige Woche gab es im D-Funk ein sehr schönes Oskar-Lafontaine Interview (endlich mal ohne journalistische Hasskeule). Da erklärte er seinen Rücktritt als Finanzminister in der Schröderregierung damit, dass er die Finanzmärkte nicht ändern konnte und keinen Einfluss auf das Finanzsystem hatte. Die Amerikaner lachten ihn wohl aus und meinten „die Wallstreet hat den Präsidenten gemacht und entscheidet“.
    Mir dem neoliberalen Kurs von Schröder und damit der Abkehr von sozialdemokratischen Grundwerten musste er dann zwangsläufig die SPD verlassen.
    Was sagt uns das ?
    Gegen die Macht des Geldes und des Marktes kann man wohl kaum etwas tun.
    Aber man kann seine Lebensgewohnheiten verändern und vom gewohnten Luxus
    einfach Abstand gewinnen. Was zählt denn im Leben wirklich ?
    Die gierigen Finanzexperten und Jongleure nehmen keine Rücksicht auf Menschen und Schicksale – nicht mal auf Länder. Auch wenn es nicht viel nutzt, wir müssen wenigstens im Informationsnebel unsere Stimmen erheben und denen schon sagen,dass wir sie durchschaut haben.
    Marx hatte in einem Unrecht. Der Kapitalist riskiert für 300 % Rendite die Welt, meinte er. Nö – für viel weniger. Gier frisst Hirn.
    Ach so, eigentlich wollte ich mich nur für den tollen Beitrag meines Idols Franz-Josef Hanke bedanken.
    Grüße aus dem Vogtland.

    • Ja, das habe ich auch gesehen. Aber Lafontaine war einer der einsamen Rufer in der Wüste, die man schnell mundtot machte. Es wunder mich nicht, dass er sich zurück zog. Man kann wirklich nur seine eigenen Lebensgewohnheiten – so weit es jetzt noch geht – ändern bzw. auf Kurs halten. Gier frisst Hirn. Wenn ich bedenke, bis 2000/2001 hörte man kaum was von Griechenland und machte weiterhin friedlich Urlaub dort. Nun schlägt es auf einmal hohe Wellen und alle Welt ist beunruhigt. Das ist das Ergebnis der ehemaligen Regierung dort und unserer EU-Granden, aber Tsipras und Vaoufakis bezeichnet man als böse Jungs und gibt ihnen die Schuld an diesem Desaster, während man schon wieder nach der ebenfalls heillos verschuldeten Ukraine schielt. Was soll das? Wo soll das enden? Aber wahrscheinlich wartet man hier so lange, bis man wirklich nicht mehr um eine Volksbefragung herum kommt – um wenigstens den Schein einer Demokratie zu wahren … . Aber wie lange kann Deutschland diese finanziellen Belastungen noch erwirtschaften, erarbeiten? Rettungspakete für die Banken ins Ausland und Flüchtlinge über Flüchtlinge im Inland, die sich und die Einrichtungen nun schon gegenseitig zerschlagen (Schneeberg). Wie lange hält das unser Finanz-, Arbeitsmarkt- und Sozialsystem noch aus? Hätten wir überhaupt solche Systeme, wenn nach den Kriegen unsere Eltern und Großeltern auch in Strömen Deutschland verlassen hätten? Wer hätte das alles dann aufgebaut? Aber ihnen macht man die Rente streitig!!!

      • Deutschland erwirtschaftet sehr viel Geld auf Kosten anderer Länder. Sein Reichtum ist gegründet auf die Armut anderswo. Sogenannte „Hilfspakete“ unterstützen in erster Linie die Banken. Zudem werden sie so hoch verzinst wie sonst kaum eine Investition am Kapitalmarkt. Insofern sind sie eine einträgliche Geldanlage. An wen sollte Griechenland in den letzten Wochen Milliardenbeträge zahlen: Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat das verarmte Griechenland gnadenlos abgezockt, während seine Chefin mit der dortigen Regierung über die künftige Abzocke knallhart verhandelt hat. Ihre neoliberale Verhandlungstaktik nenne ich „Erpressung“. Eine „linke“ Regierung in Europa wollte sie offenkundig in die Knie zwingen. „Flüchtlinge über Flüchtlinge“ ist eine rassistische Äußerung. Dergleichen will ich hier in Zukunft nicht mehr lesen. Hier in Marburg leben Menschen aus 148 Ländern. Wir haben hier mehr Flüchtlinge aufgenommen, als uns vom Land zugewiesen wurden. Wir leben sehr gut mit ihnen zusammen. Die Sprachschulen schaffen Arbeitsplätze für Lehrkräfte in „Deutsch als Fremdsprache“ (DAF). Die Uni lebt von den international ausgerichteten Studiengängen wie „Peace Studies“ oder der Kooperation mit Unis beispielsweise in China. In jeder größeren Personengruppe gibt es immer auch einzelne Idioten. Leider scheint es in Ostdeutschland viele zu geben, die das Zusammenleben mit Menschen aus anderen Kulturen kaum kennen, aber auf die plumpen Parolen solcher idiotischer Brandstifter naiv hereinfallen. Die „Globalisierung“ war die gewollte Ausrichtung gerade der deutschen Wirtschaft auf Märkte auch außerhalb Europas. Deutschland ist ganz groß im Waffenhandel. Die Kehrseite dieser Gier nach grenzenlosen Geschäften sind Krieg, Hunger, Vertreibung, Terrorismus und Flüchtlinge. Wer, wenn nicht wir, sollte sich solidarisch zeigen mit Menschen, die dem drohenden Tod zu entrinnen suchen und dorthin fliehen, wo sie sich sicher wähnen? Schämen muss ich mich dafür, dass diese Menschen in einem reichen Land leider nicht sicher sind und sich weiterhin fürchten müssen. Deswegen willl ich hier kein böses Wort mehr finden gegen Flüchtlinge. Bitte, befolgt diese Bedingung einer Beteiligung an diesem Blog! fjh

  3. Bin auch nicht mit einigen Äußerungen von R.Gier einverstanden. Aber verbieten und einfach raus ? Man muss schon damit leben, dass es andere Meinungen gibt. Davon hat auch 2254 gelebt. Denke auch, dass dies leider eine Mehrheitsmeinung ist.
    Eine Mär der Medien ist auch, dass es bevorzugt in Ostdeutschland diesen fremdenfeindlichen Ansatz gibt. Angriffe auf Asylheime gab es diese Woche auch in NRW und Bayern. Nur wenn man die hirnlosen Ossis mit ihrem Sachsendialekt in den Medien vorführt, ist das wohl bequemer als wirkliche Ursachensuche. Immerhin kann man noch auf die DDR zeigen, nach dem Motto, die kannten ja die Welt nicht und halten jetzt das Bunte nicht aus. So ein Quark !
    Das wir dringend Arbeitskräfte brauchen ist auch eine merkwürdige Argumentation.
    Man hat die Teenager der 90er und 2000er in die Arbeitslosigkeit geschickt und ein großer Teil ist für den Arbeitsmarkt unbrauchbar geworden. Die sitzen heut vor Spielkonsolen und Computern und lassen sich vom Staat aushalten. Dann jammert die Wirtschaft, dass sie keine Fachkräfte hat und die Jugendlichen keine ordentliche Einstellung zur Arbeit haben. Also Arbeitskräfte (möglichst schon Ausgebildete) von anderen Ländern reinholen ?
    Was für mich unbedingt zählt ist die Hilfe für Menschen in Not. Die in Kriegsgebieten zwischen die Fronten geraten, die ihre Familien nicht ernähren können und die aus politischen-religiösen Motiven verfolgt werden. Da ist in diesem Deutschland noch genug Geld da. Übrigens sind auch sehr viele Griechen in Not !
    Der drittgrößte Waffenproduzent der Welt braucht sich nicht wundern, dass Flüchtlinge aus Kriegsgebieten millionenfach ihre Heimat verlassen. Auch ein Ergebnis der Waffenexportpolitik.

    • Es geht nicht um Zensur oder eine Diffamierung des Ostens, sondern um eine ehrliche und faire Debatte. Dabei sollte niemand auf dem Rücken von Flüchtlingen Ressentiments schüren. So etwas geschieht aber mit Aussagen wie „Flüchtlinge über Flüchtlinge“. Fairness ist für mich Bedingung für eine demokratische Debatte. So war das auch bei „2254“. Im Übrigen hat sich dort Ost und West meines Erachtens meist gut vertragen. Das sollte für die Zukunft vielleicht sogar noch besser werden, wenngleich die versprochenen „Blühenden Landschaften“ im Osten von der Treuhand gestohlen wurden. Inzwischen ist auch im Ruhrgebiet ein ähnlicher Zustand erreicht, bei dem ganze Städte ausbluten. Fremdenhass und Angriffe auf Flüchtlinge gibt es auch im Westen. Selbst im Landkreis Marburg-Biedenkopf ist so etwas vorgekommen. Die Polizei stufte die Täter dann als „harmlose Jungs“ ein, die „keinen politischen Hintergrund“ gehabt hätten. Später musste sie zugeben, dass zwei von ihnen wegen Nazi-Schmierereien vorher schon aufgefallen waren. In einigen Dörfern hier geht es noch in anderer Weise fremdenfeindlich zu: Zugezogene aus der Stadt werden weggemobbt, wenn sie sich nicht in die stockkonservative Dorfgemeinschaft einordnen. Beispiele dafür gibt es hier im Kreis gleich mehrfach. Wir im Westen haben also keinen Grund, überheblich zu sein. Wir müssen an einer offenen Gesellschaft arbeiten, die Menschen ohne Ansehen von Hautfarbe, Behinderung oder Herkunft respektiert. Das wünsche ich mir. Propaganda in entgegengesetzter Richtung wünsche ich mir dagegen nicht. Zumindest in meinem Blog möchte ich die nicht transportieren. Insofern bitte ich um Respekt. Nicht mehr und nicht weniger als das ist das Ziel meines letzten Postings. Liebe Grüße fjh

  4. Pingback: Zurücktreten: Was Varoufakis Schäuble vormacht | Franz-Josef Hanke

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