#ThisIsACoup: Warum ich mich schäme, Deutscher zu sein

„Es gibt schwierige Vaterländer; Deutschland ist Eines davon.“ Angesichts des schändlichen Geschacheres um Finanzhilfen für Griechenland und die beschämende Rolle von Wolfgang Schäuble in diesem Trauerspiel fält mir diese Aussage des einstigen Bundespräsidenten Gustav Heinemann wieder ein. Dieser Tage schäme ich mich manchmal dafür, Deutscher zu sein.
Hartleibig zwang Schäuble die griechische Regierung in die Knie. Erst hetzte er gegen den Finanzminister Janis Varoufakis; dann intigrierte er gegen Alexis Tsipras. Am Ende sackt ein „Treuhandfonds“ 50 Milliarden griechischen Volksvermögens ein, von denen nur ein Viertel für Investitionen zugunsten der Volkswirtschaft verwendet werden soll.
Bitterbös war die Reaktion auf die harte deutsche Verhandlungsführung in den sogenannten „Social Media“. Unter dem Hashtag „Thisisacoup“ machten bei Twitter viele Menschen ihrem Ärger auf den deutschen Finanzminister Luft.
Dessen Anhänger beklagen nun eine Hetze gegen Schäuble. Dabei ist „thisisacoup“ Ausdruck berechtigter Kritik an Schäubles Hetze gegen die linke Regierung Griechenlands.
Am Ende ist dem Deutschen indes das gelungen, was offenbar von Anfang an sein Ziel gewesen war: Linke Politik in Europa wollte er gar nicht erst hochkommen lassen. So zwang er Tsipras in die Knie und führte ihn am Ende als wehrlose Marionette der neoliberalen Austeritätspolitik vor.
All das erfüllt mich mit Scham. Das griechische Volk wird weiterhin – und wahrscheinlich sogar noch schlimmer – leiden müssen an Sparmaßnahmen auf Kosten der Sozialsysteme zugunsten von Banken und Privatisierungsgewinnlern. Durchgesetzt hat Schäuble das im Namen Deutschlands, dessen Sparpolitik ich jedoch strikt ablehne.
Die neoliberale Austeritätspolitik hat längst gezeigt, dass sie die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher macht. Längst ist klar, dass diese Politik Ungleichheit in der Welt schürt und damit indirekt Terror und Gewalt fördert.
Deswegen wende ich mich gegen die strikte Austeritätspolitik des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Europäischen Zentralbank (EZB) und der meisten europäischen Regierungen. Diese Politik zerstört Demokratie und Menschenwürde. Mit Freihandelsabkommen putscht sie gegen das Selbstbestimmungsrecht der Völker ebenso wie mit rigiden Sparauflagen bei Entschuldungsprogrammen wie jetzt in Griechenland.
Seinen Wohlstand verdankt Deutschland vor Allem dem Export und damit dem internationalen Handel. Es ist nur recht und billig, wenn ein Teil dieses Wohlstands wieder zurückfließt an diejenigen, die ihn mit ihrer Gesundheit, ihren Zukunftsaussichten und enttäuschten Hoffnungen auf eine Veränderung bezahlt haben.
Helfen könnten deutsche Behörden den Griechen auch mit Knowhow beim Aufbau einer effizienten Verwaltung. Sicherlich bedarf das Land einiger Veränderungen. Aber die Forderung nach Herausgabe des Staatsvermögens mit der Pistole auf der Brust des Ministerpräsidenten erinnert mich fatal an Raub.
Ohnehin schuldet Deutschland den Griechen noch die Rückzahlung der Nazi-Zwangsanleihe aus dem Jahr 1941. Damals haben Deutsche den Griechen schon einmal die Pistole auf die Brust gesetzt und sie um die Herausgabe von Vermögen „gebeten“. Mich erschüttert zutiefst, wie der aktuelle Vorgang dem damaligen Herangehen der Nazis ähnelt.

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13 Kommentare zu “#ThisIsACoup: Warum ich mich schäme, Deutscher zu sein

  1. Hmm, also ich schäme mich nicht Deutscher zu sein. Ich verurteile aber europäische Politiker ( nicht nur Deutsche), die Steigbügelhalter des IWF Bankster Syndikats sind.. Die Finanzwelt sagt wo es lang geht! Ich schäme mich für Frau Merkel und die EINZIGE „SCHWARZE NULL“ ist unser Finanzminister( Die Namen der Spender kenne ich nicht:-), der uns vorgaukelt zu sparen und mit PPP Projekten eine schwarze Null “ hinzaubert“ die nachfolgende Generationen teuer bezahlen müssen. (Die Investoren freuen sich ) Das ist ein Trauerspiel.Jetzt noch bissl TTIP und dann können wir das korrupte Politsystem in Berlin auflösen, haben dann eh nichts mehr zu sagen……….. also weg damit:-)
    PS: Würde mich jetzt nur noch interessieren , wie sie Tsipras erpressen konnten?

    • Wie Alexis Tsipras erpresst wurde? Er brauchte dringend Geld, weil die Banken dicht und die Geldautomaten fast leer waren. Das Volk drohte zu vrhungern. Die moralisch integren Daumenschräuble neoliberaler Austeritätspolitik bestehen aus Sozialabbau bis hin zu Hunger und Verlust von Gesundheitsversorgung. Diese Politik ist eine Schande. Meine Scham betrifft die Tatsache, dass treibende Kraft Politiker sind, die zwar nicht ich gewählt habe, wohl aber die Mehrheit des Volkes, dem ich mich zurechne. Meine Scham rührt zudem daher, dass gerade dieses Volk wissen müsste, wie wichtig ein Marshall-Plan nach dem Zweiten Weltkrieg war und wie räuberisch und mörderisch Politik im Namen dieses Volkes in der Vergangenheit war. Natürlich sind wir nicht verantwortlich für die Politik eines Wolfgang Schäuble oder einer Angela Merkel; aber wir müssen uns mit ihr auf eine anständige Weise auseinandersetzen. Bei manchen mag das mit Wut oder Zorn geschehen; bei mir ist es vor allem Scham, da ich eine – wenn auch nur geringe – Mitverantwortung für die Wahlentscheidung zugunsten der GroKo (Große Kollateralschäden) empfinde, wenngleich ich gerne eine andere Mehrheit und vor allem eine andere Politik gewählt hätte. fjh

  2. Schade für Griechenland und auch schlecht für Europa. Die neoliberalen Hardliner haben nun gesehen, dass man mit rigiden Mitteln eine ungeliebte Regierung „vernichten“ kann und auf Kosten der Unter-und Mittelklassen die Finanzmärkte und Banken in Schuss halten kann. Das erwartet alle europäischen Bürger. Eigentlich lief es ja bisher schon immer so. Nur diesmal war der mediale Hype gigantisch. Vielleicht ein Test für die nächsten Medienstürme gegen ungeliebte Länder.
    Trotz Kritik an der harten Haltung der Bundesregierung aus den USA von Ökonomen und Wirtschaftswissenschaftlern hat Merkel & Co das Ding durchgezogen. Ich hätte gedacht, dass die Meinung der Amerikaner wichtig ist für die deutsche Regierung .
    Schäuble ist aber wie der Stier mit der „Bild“ im Huf gegen das rote Tuch Griechenland angerannt und hat auch noch gesiegt. Eine Katastrophe.
    In meiner Schulzeit habe ich gelernt, dass die Grenzen nicht zwischen den Staaten verlaufen sondern zwischen Klassen. Damals dachte ich es wäre kommunistische Propaganda. Aber meine Lehrer hatten Recht. Die Finanzmärkte kennen im Prinzip kein Land und keine Heimat ,außer wenn sie es aus politischen Gründen gerade mal benötigen. Insofern ist mir wurscht wo die neoliberalen Politiker herkommen.
    Grüße aus dem Vogtland.

    • Letztlich haben Sie Recht: Die neoliberalen Hardliner kümmert wenig, welches Volk sie gerade vernichten. Ihnen ist nur wichtig, dass sie selbst und ihre Financiers gute Gewinne garantiert bekommen. In diesem Sinne ist die Austeritätspolitik auch keine nationale Angelegenheit, sondern ein internationales Zerquetschen der lästigen Menschen zwischen dem gierigen Griff der Geldgeier nach immer größeren Profiten. Wie meinte doch der heute mit 90 Jahren verstorbene Gerhard Zwerenz vor Jahrzehnten schon so treffend über die Geldgeier in Frankfurt und die Auswirkungen ihres Handelns: „Die Erde ist unbewohnbar wie der Mond.“ fjh

  3. Hallo Franz Josef, Du schreibst man müsse sich mit der Politik eines Schäuble oder Merkel auseinandersetzen? Warum? Setzten sich diese Personen mit den Befindlichkeiten Ihres Volkes auseinander? Nur so könnte eine Diskussion in Gang kommen! Nein wir werden nicht gehört, geschweige denn gefragt. Viele haben auch nicht die Groko gewählt. Egal wie das Wahlergebnis nun ausgegangen ist, die Politik macht immer daraus was sie will, um mehrheitsfähig zu sein! Wenn ich davon ausgehe, dass nur 50 % der Bevölkerung überhaupt gewählt hat (frag Dich mal warum?) ist es fraglich ob eine solche zusammengewürfelte Regierung überhaupt vom Volke gewollt ist! Viele SPD Wähler fühlen sich heute auch hintergangen ( Gibt es überhaupt “ DIE SPD“ noch?). Egal, ich beschäftige mich jedenfalls nicht mit dieser Regierung, ich lehne sie einfach ab. Demokratie kann nur da stattfinden, wo man sich auch auf Augenhöhe begegnet. „Meine Regierung“ achtet mich nicht, deshalb achte ich sie auch nicht. Ich bewundere immer Deine versöhnliche Art, ich hingegen HABE FERTIG mit solch einer Demokratur! Sorry

    • Lieber Dietmar, auseinandersetzen ist etwas anderes als zusammensetzen. Wolfgang Schäußle, wie er neuerdings zu Recht auch genannt wird, ist gewiss niemand, dem ich mit größerem Respekt begegne. Allerdings halte ich viel von einer Auseinandersetzung in Würde. Würde und Anstand sind etwas, was ich in jeder Auseinandersetzung einfordere. Wenn man nicht respektiert, dann darf man von mir aber auch keinen Respekt erwarten. Was die Herrschenden mit dem Volk machen, hat http://www.der-postillon.com heute trefflich treffend unter der Überschrift „Kolonie Deutsch-Südosteuropa verabschiedet auf Geheiß Berlins neue Gesetze“. fjh

  4. Ronald Wolf
    13.07.2015 um 14:33: „… Damals dachte ich es wäre kommunistische Propaganda. Aber meine Lehrer hatten Recht. …“
    Das stelle ich in letzter Zeit auch immer wieder fest. Nun haben wir zur Theorie von damals die Praxis heute. Ich frag mich nur, womit haben wir das verdient. Aber vor allem: Womit haben das unsere Kinder und Enkel verdient? Und das gleiche gilt für Griechenland. Tsipras und Varoufakis sind lebende Beispiele für das, was Vorgänger(Generationen) ihren Nachfolgern/Nachkommen aufbürden können. Wer darf z. B. diese Riesenkredite bezahlen? Oder werden die in Zukunft wie vor Jahrhunderten wieder „abgearbeitet“???
    „19. Juli 2011, 11:54 Uhr
    Südeuropäische Fachkräfte für Deutschland
    Ihr Griechen und Spanier, kommet doch all
    Nicht zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik wirbt Deutschland südeuropäische Arbeitskräfte an. Die gut ausgebildeten Akademiker sollen den drohenden Fachkräftemangel abwenden. Der Ansatz ist gut – aber er wird trotzdem nicht funktionieren.“
    Was tut die so menschenwürdige deutsche Regierung, angesichts dieser Riesenverschuldung Griechenlands und folgender Länder wie z. B. der Ukraine Sklaverei gar nicht erst aufkommen zu lassen?

    • menschenwürdige Regierung? Oha, ich sag mal so, unsere Regierung kümmert sich nicht um Rentner und kleine Leute, schafft Arbeitsbedingungen (Zumutbarkeit) da wird es einem schwindelig, Gabriel reist nach Iran sobald es die USA erlaubt um dort Aufträge und Kohle zu generieren obwohl die Menschenrechte dort nicht unbedingt brauchbar sind. Warum macht mit solchen Leuten Geschäfte? Was ist am wichtigsten? Der Mensch?…… niemals……hört auf zu träumen ….

      • Nein, ich träume nicht. Im Gegenteil: Seit Mauerfall(€) wurde ein Albtraum wahr. Und die Menschenwürde war ironisch gemeint. Ich nenne es: Privatisiere und Du bist Verantwortung(s)los. Wie es um Art. 1 I GG bestellt ist, sieht man am Umgang mit der Arbeit. Sie ist Grundvoraussetzung für Menschenwürde. Wenn Arbeitgeber bei Engpässen auf Teilzeit-, Kurzarbeit oder Werkverträge zurückgreifen, ist das kurzzeitig noch nachvollziehbar. Wenn das aber – und das hört man von vielen und gerade auch Frauen – zur Regel wird und Arbeitnehmer nur mit zwei, drei und mehr dieser Arbeitsverhältnisse über den Monat kommen, ist das menschenUNwürdig, so dass sogar „Das Sozialgericht Gotha Sanktionen gegen Hartz-IV-Empfänger für verfassungswidrig hält und deshalb das Bundesverfassungsgericht anruft. Damit werde den Karlsruher Richtern diese Frage erstmals von einem Sozialgericht vorgelegt, teilte das Gothaer Gericht am Mittwoch mit. Es sieht demnach die Menschenwürde verletzt, wenn etwa bei Nichteinhaltung von Terminen oder Ablehnung von Job-Angeboten Leistungen gekürzt werden. Der Staat müsse ein menschenwürdiges Existenzminimum jederzeit garantieren. Außerdem bedeuteten Sanktionen auch einen Verstoß gegen die Berufsfreiheit, argumentierte das Gothaer Gericht.“

        Es ist schlimm genug, dass so was und erst jetzt zum ERSTEN Mal vom Sozialgericht an’s Bundesverfassungsgericht geht. Das muss eine Regierung selbst sehen, wenn sie nicht gerade WEGsieht.
        Jawohl, der Staat, eine Regierung ist dazu da, dafür wählt man sie ja, dass er so was garantiert. Wie blind muss/darf man sein, wenn man nicht an die Folgen denkt. Zum Beispiel an die ausbleibenden Steuern? Und nur menschwürdige Arbeit garantiert menschenwürdige Rente und Sozialversorgung. Ich frag mich immer öfter, ist das noch mein Heimatland? Genau so was hätte man auch zunächst in Griechenland aufbauen müssen, um überhaupt einen Überblick über Zahlen, Finanzen und Schulden zu bekommen, steht auch in den Beitrittskriterien. Aber nein, auch dort ignoriert man seine eigenen Vorschriften zum EU-Beitritt. Die Folgen baden jetzt die Griechen aus. Und daran sieht man, wie weit es mit der Menschenwürde ganz allgemein noch her ist. Aber dann wundern und schimpfen, wenn so viele Jugendliche verlorene Kinder werden. Ich denke dabei immer an die Jugendclubs in der DDR. Wir hatten einen ganz in der Nähe und unsere Kinder ihre Anlaufpunkte, konnten unter sich sein, sicher gab’s auch mal ’ne Rauferei. Aber sie hatten Halt und fischten nicht im Leeren bei der Arbeitsuche. Man nannte es „Bau auf, bau auf“ nach dem Krieg. Ich bin Jahrgang 47 und hatte auch so eine Phase, als es mit der Lehre nicht gleich klappte. Ich kam aber doch in ein Lehrverhältnis, während diese Phasen heute wesentlich länger anhalten, wenn sie überhaupt beendet werden. Wer zeigt den jungen Leuten denn, wofür es sich zu arbeiten lohnt? Wo sind ihre Zukunftschancen, wenn sogar Studenten in Praktika festgehalten werden? Ich werde an diese Phase immer erinnert, wenn ich heute sehe, dass die jungen Leute mehr Alkohol und Drogen als Arbeit und Zukunft bekommen. Echte Chancen bekommen sie nur vor der Kamera und dann so daneben, wie nur möglich.
        Dieser Mauerfall(€) war ein gehöriger Schritt zurück.

      • Lieber R.Ger, inhaltlich stehe ich hinter vielem was Sie hier schreiben, nur mit der ehemaligen DDR habe ich so meine Probleme. Es stimmt, dass wir hier amerikanische Arbeitsverhältnisse bekommen, das finde ich auch unmöglich, Hier aber die DDR anzuführen, dieser Vergleich hinkt gewaltig, denn Produktivität gab es in der DDR nicht, es wurde kaum etwas produziert was auf dem Weltmarkt Bestand hatte. .Ostalgie bringt uns hier nicht weiter und der Mauerschießbefehl war ja wohl auch gegen die Menschenwürde oder? Ich bin mit der Situation in unserem Land auch unzufrieden, könnte jetzt aber noch genügend Vergleiche zwischen BRD und DDR anführen, z.B. die Renten, es wurde NICHTS im Westen eingezahlt, trotzdem gibt es für die Rentner im Osten Rente, Dank unseres Grundgesetzes. Es ist also nicht alles schlecht. Bitte mal die DDR Brille absetzen.

  5. „Aus Protest Hab und Gut vor`s Jobcenter gekippt.
    Saarbrücken. Eine 43-jährige Frau, kippt ihr letztes Hab und Gut vor dem Jobcenter Saarbrücken, Hafenstrasse ab und will dort einziehen.
    Anmerkung. Von der Behörde war heute niemend mehr zu sprechen. Bei der gestrigen Montagsdemo in Saarbrücken hatte die Saarbrückerin die Aktion bereits angekündigt. Eindringlich wurde am offenen Mikro dargelegt, wie die schleichende Verarmung sich hier bei uns konkret ausdrückt – und dass es Widerstand dagegen gibt.

    Der Zwang, in immer schlechtere und kleinere Wohnungen umzuziehen, wenn man erst einmal in Hartz IV fällt, wirkt sich katastrophal aus: Da muss eine
    Saarbrückerin übergangsweise ihre Möbel in Garagen unterstellen, dort
    werden gute Sachen nach und nach unbrauchbar. Das Jobcenter kommt für
    solche Dinge nicht auf – die Miete für’s Unterstellen muss vom Regelsatz
    bezahlt werden. Unmöglich machbar.
    Die Frau am Steuer (am ist Heike Priwisch (43). Die gelernte Krankenschwester ist arbeitslos. Lebt von Hartz IV. Und ist wütend.“ (Der ZeitBote Saarland am 02.06.2015)

    Da staunt der Laie und wundert sich der Fachmann: Die Frau ist gelernte Krankenschwester. Auch bei mir auf Arbeit kam ich wiederholt mit einer Reinigungskraft ins Gespräch, wobei sich herausstellte, dass sie ebenfalls Krankenschwester war. Und das bei dem (ANGEBLICHEN) Fachkräftemangel!!! Nein, man will die Fachkräfte nicht bezahlen, denn sie sind schließlich ihr Geld wert. Deshalb holt man sich – wie zu tiefsten BRD-Zeiten die Italiener – ausländische Fachkräfte aus aller möglichen Herren Länder und die Politik sieht tatenlos zu, anstatt Waffenexporte zu verbieten und solche Regierungen zu ermahnen oder zu sanktionieren, mit ihren Menschen menschenwürdiger umzugehen. Nur Russland, Russland sanktioniert man sobald es geht wieder, selbst wenn es unseren Betrieben auf die Füße fällt, was macht’s. Hauptsache, wir können Russland wieder „ärgern“ und bekommen von überall her billige Fachkräfte. Entweder man bringt die Arbeit ins Ausland oder ausländische Arbeiter ins DeutschLand. Der eigene „Rest“ Bevölkerung kann Steuern zahlen. Nur wie lange noch. Es sei denn, man baut – in den Herkunftsländern oder hier – ebenfalls eine Renten- und Pensionskasse, ein Sozial-, Versicherungs- und Krankenkassensystem auf. Ansonsten ist auch hier bald Schluss mit Sozial und Menschenwürdig.
    Auf Facebook schrieb jemand zum Thema Hartz IV von „BRDigung“.

  6. Es stimmt: In die West-Rentenkasse habe ich nichts eingezahlt. Aber laut SV-Buch in eine Ost-Rentenkasse sowie eine Ost-Krankenkasse trotz allein mit zwei Kindern. Was mit meinen Beiträgen gemacht wurde nach Mauerfall(€), kann ich nur vermuten. Bin aber mit meiner Rente plus Zusatzeinzahlungen noch zufrieden. Wer sich aber nach der Wende schon arbeitsbedingt keine Zusätze leisten konnte, ist heute arm dran. So geht ein Flugzeugbauer heute mit 800,– € heim. Das ist ein Witz bei der Verantwortung im Beruf und den Preisen und Mieten heute. Meine Miete war immer bezahlbar, wohl weil alles zum Ärger des Westens aus den Steuern mit finanziert wurde. Zahle ich nicht auch DAFÜR Steuern? Heute spare ich, wo ich kann für meine Kinder und Enkel, da die nicht wissen, was sie mal erwartet auf diesem löchrigen Arbeitsmarkt und damit natürlich bei der Rente. Zur Zeit haben sie noch Arbeit und zahlen somit in die West-Rentenkasse ein.
    Es tut mir leid, aber ich kann meine Vergangenheit ebenso wenig „absetzen“ wie Sie die Ihre. Es geht auch nicht um Ostalgie und Westalgie. Fakt ist: Jeder hat seine Vergangenheit und musste damit zurecht kommen. Nur dass man heute und ab einem gewissen Alter eben Vergleiche ziehen kann. Und so kommt man eben zu dem Schluss, dass „leider, muss man wohl heute sagen“, nicht alles schlecht war in der DDR. Allerdings musste JEDER Arbeitnehmer früh auf Arbeit sein, ob er faul war oder nicht, konnte sich nicht noch einmal im Bett rumdrehen und 12.00 Uhr mittags sein Geld vom Amt holen, was Andere für ihn mit erarbeiteten. Aber für seinen eigenen Lebensunterhalt sorgen und somit zunächst arbeiten zu können, gehört auch hier zur Menschenwürde und ist Inhalt des § 1 I GG.
    Diese Brille setzte man ja heute noch nicht mal ab. Zum Beispiel bei den Löhnen, Gehältern. Denn es muss(te) ja alles, was Ost ist und war, weg.

  7. Pingback: Erneuter Angriff auf die Menschlichkeit: Nazis attackieren Flüchtlingscamp in Dresden | Franz-Josef Hanke

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